Der Wettlauf auf der Schiene ist längst entbrannt. Während Flugzeuge mit Check-in und Sicherheitskontrollen Zeit fressen, punkten Hochgeschwindigkeitszüge mit direkten Verbindungen von City zu City. Ingenieure weltweit treiben die Physik an ihre Grenzen: Aerodynamik wie bei Kampfjets, Motoren mit der Kraft von Kraftwerken und Schwebetechnik, die Reibung eliminiert.
Hier sind die aktuellen Könige der Schiene (und der Magnetfelder), sortiert nach ihrem regulären Betriebstempo.
Das Wichtigste in Kürze
- Magnet vs. Schiene: Der unangefochtene Spitzenreiter schwebt. Die Magnetschwebebahn-Technologie erlaubt Geschwindigkeiten, die Rad-Schiene-Systeme kaum erreichen können.
- China dominiert: Das Reich der Mitte besitzt nicht nur das größte Hochgeschwindigkeitsnetz, sondern auch die schnellsten Züge im Taktverkehr.
- Europa hält mit: Frankreich (TGV), Deutschland (ICE) und Spanien (AVE) spielen in der Top-Liga mit, auch wenn Asien bei der reinen Geschwindigkeit aktuell die Nase vorn hat.
- Zukunftsmusik: Japan baut derzeit an einer neuen Maglev-Strecke, die alle Rekorde brechen und mit über 600 km/h fahren soll (geplant ab 2027/2029).
Platz 1: Shanghai Maglev (China) – 460 km/h
Technologie: Magnetschwebebahn (Transrapid) Der absolute Spitzenreiter berührt den Boden gar nicht. Der Shanghai Maglev basiert auf deutscher Transrapid-Technologie. Er verbindet den Flughafen Pudong mit der Randstadt von Shanghai. Die 30 Kilometer lange Strecke legt er in gut 7 Minuten zurück.
- Besonderheit: Er schwebt durch elektromagnetische Felder und eliminiert so den Rollwiderstand.
Platz 2: CR400 „Fuxing“ (China) – 350 km/h
Technologie: Rad-Schiene Dies ist der schnellste konventionelle Zug der Welt. Der „Fuxing“ (Erneuerung) ist eine rein chinesische Eigenentwicklung und verbindet Peking und Shanghai. Er darf offiziell 350 km/h fahren, erreichte in Tests aber auch schon 420 km/h.
- Besonderheit: Er hat den Vorgänger „Hexie“ abgelöst und besticht durch extremen Komfort und WLAN bei Tempo 350.
Platz 3: CRH380A „Hexie“ (China) – 350 km/h
Technologie: Rad-Schiene Der Vorgänger des Fuxing gehört noch lange nicht zum alten Eisen. Auch die „Harmonie“-Baureihe (Hexie) verkehrt planmäßig mit bis zu 350 km/h (früher sogar 380 km/h, bevor die Geschwindigkeit aus Sicherheits- und Kostengründen leicht gedrosselt wurde).
- Besonderheit: Seine aerodynamische Nase erinnert an einen klassischen Jet.
Platz 4: TGV POS / Euroduplex (Frankreich) – 320 km/h
Technologie: Rad-Schiene Frankreich ist der Pionier des europäischen Hochgeschwindigkeitsverkehrs. Der TGV (Train à Grande Vitesse) hält immer noch den absoluten Geschwindigkeitsweltrekord für Rad-Schienen-Fahrzeuge (574,8 km/h im Jahr 2007). Im Alltag fahren die modernen Linien (TGV inOui) auf den Schnellfahrstrecken stabil 320 km/h.
- Besonderheit: Verbindet Paris in Rekordzeit mit Bordeaux, Marseille oder Straßburg.
Platz 5: JR Shinkansen E5 / H5 (Japan) – 320 km/h
Technologie: Rad-Schiene Japan hat 1964 den Hochgeschwindigkeitsverkehr erfunden. Die aktuellen Spitzenmodelle der E5- und H5-Serie (Hayabusa) fahren im Norden Japans bis zu 320 km/h.
- Besonderheit: Die extrem langgezogene „Entenschnabel“-Nase (15 Meter lang!) dient dazu, den Überschallknall-Effekt (Tunnelknall) bei der Einfahrt in Tunnel zu verhindern. Der Zug ist zudem berühmt für seine pünktliche Sekundengenauigkeit.
Platz 6: Al Boraq (Marokko) – 320 km/h
Technologie: Rad-Schiene (TGV-Basis) Eine Überraschung für viele: Afrika besitzt einen der schnellsten Züge der Welt. Der Al Boraq verbindet Tanger und Casablanca. Er basiert auf der französischen TGV-Euroduplex-Technologie und ist der erste echte Highspeed-Zug des Kontinents.
- Besonderheit: Doppelstöckige Waggons für maximale Kapazität bei höchster Geschwindigkeit.
Platz 7: AVE S-103 (Spanien) – 310 km/h
Technologie: Rad-Schiene (Siemens Velaro) Spanien besitzt eines der längsten Schnellfahrnetze der Welt. Der S-103 ist technisch ein enger Verwandter des deutschen ICE 3 (gebaut von Siemens), darf aber in Spanien schneller fahren als sein deutsches Pendant. Zwischen Madrid und Barcelona erreicht er planmäßig 310 km/h.
- Besonderheit: Pünktlichkeitsgarantie – bei Verspätung gibt es oft den vollen Fahrpreis zurück.
Platz 8: ICE 3 (Deutschland) – 300 bis 320 km/h
Technologie: Rad-Schiene Das Flaggschiff der Deutschen Bahn. Der ICE 3 (Baureihe 403/406/407) ist ein Kraftpaket. Während er meist mit 300 km/h (z. B. Köln-Frankfurt oder Nürnberg-Ingolstadt) unterwegs ist, ist er technisch für 330 km/h zugelassen und darf auf bestimmten Abschnitten in Frankreich oder bei Verspätungsaufholungen bis zu 320 km/h fahren.
- Besonderheit: Anders als beim TGV sind die Motoren hier unter den Wagen über den ganzen Zug verteilt, was bessere Beschleunigung und mehr Sitzplätze bringt.
Platz 9: KTX-Sancheon (Südkorea) – 305 km/h
Technologie: Rad-Schiene Südkorea startete mit französischer TGV-Technik, baut aber mittlerweile eigene Züge. Der KTX-Sancheon ist eine Weiterentwicklung, die auf den Strecken von Seoul Richtung Süden (Busan) über 300 km/h erreicht.
- Besonderheit: Entwickelt für das bergige Terrain Koreas mit vielen Tunneln.
Platz 10: Frecciarossa 1000 (Italien) – 300 km/h
Technologie: Rad-Schiene Der „Rote Pfeil“ (ETR 400) der italienischen Trenitalia verbindet Mailand, Rom und Neapel. Technisch ist der Zug ein Monster: Er ist für 400 km/h konstruiert und für 360 km/h zugelassen. Aufgrund der Infrastruktur und des dichten Verkehrs ist die kommerzielle Geschwindigkeit jedoch derzeit auf 300 km/h begrenzt.
- Besonderheit: Gilt als einer der leisesten und luxuriösesten Hochgeschwindigkeitszüge Europas.
Fazit: Das Ende der Fahnenstange?
Ist bei 350 km/h Schluss? Physikalisch steigt der Luftwiderstand bei Rad-Schiene-Systemen ab 400 km/h so enorm an, dass der Energieverbrauch unwirtschaftlich wird und der Lärmpegel massiv steigt. Die Zukunft der Ultra-Highspeed-Mobilität gehört daher wahrscheinlich den Magnetschwebebahnen. Japan baut aktuell am L0 Series Maglev (Chuo Shinkansen), der im Test bereits 603 km/h fuhr und ab 2027 Tokio und Nagoya verbinden soll. Dann wird diese Liste neu geschrieben.
