Das Wichtigste auf einen Blick
- Gewindebohren schneidet ein Innengewinde in ein zuvor gebohrtes Kernloch.
- Der Kernlochdurchmesser muss zur Gewindegröße passen – zu groß oder zu klein zerstört das Gewinde.
- Durchgangs- und Grundlöcher brauchen unterschiedliche Anschnittformen des Gewindebohrers.
- Niedrige Schnittgeschwindigkeit und gute Schmierung sind entscheidend.
- Der Gewindeformer ist eine spanlose Alternative für duktile Werkstoffe.
Ein sauberes Innengewinde entscheidet oft über die ganze Baugruppe. Beim Gewindebohren kommt es auf zwei Dinge an: das richtige Kernloch und die passende Werkzeug- und Prozessführung. Kleine Fehler führen schnell zu ausgerissenen oder schiefen Gewinden – und zu abgebrochenen Werkzeugen, die sich nur mühsam entfernen lassen.
Weil beim Gewindebohren viel Reibung entsteht, ist die Kühlschmierung besonders wichtig. Die passenden Schnittwerte liegen deutlich niedriger als beim Bohren. Ob HSS oder Hartmetall sinnvoll ist, klärt der Beitrag zu Hartmetall und HSS.
Das richtige Kernloch
Vor dem Gewinde steht das Kernloch. Sein Durchmesser richtet sich nach der Gewindegröße und wird aus Tabellen entnommen. Als grobe Orientierung entspricht der Kernlochdurchmesser bei metrischem Regelgewinde etwa dem Nenndurchmesser minus der Gewindesteigung. Ein zu großes Kernloch ergibt ein zu flaches, schwaches Gewinde, ein zu kleines überlastet den Gewindebohrer.
| Gewinde (Beispiel) | Kernlochdurchmesser (ca.) |
|---|---|
| M6 | 5,0 mm |
| M8 | 6,8 mm |
| M10 | 8,5 mm |
| M12 | 10,2 mm |
Durchgangsloch oder Grundloch?
Durchgangsloch
- Gewindebohrer mit langem Anschnitt möglich
- Späne werden nach vorn ausgeschoben
- Einfacher zu bearbeiten
- Werkzeug läuft durch
Grundloch
- Kurzer Anschnitt bis fast zum Grund nötig
- Späne müssen zurückgefördert werden
- Spanbruch und Spülung wichtig
- Gewinde nur bis zu einer Resttiefe möglich
So gelingt das Gewindebohren
Den passenden Kernlochdurchmesser aus der Tabelle wählen und sauber bohren.
Die Bohrung leicht anfasen, damit der Gewindebohrer sauber einläuft.
Anschnittform passend zu Durchgangs- oder Grundloch wählen, Werkstoff beachten.
Reichlich geeignetes Schneidöl oder Emulsion einsetzen, um Reibung und Ausriss zu vermeiden.
Mit niedriger Drehzahl arbeiten und im Grundloch gegebenenfalls den Span brechen.
Das Gewinde mit einer Lehre oder der passenden Schraube kontrollieren.

Gewindeformer als Alternative
Statt zu schneiden, drückt der Gewindeformer das Gewinde spanlos ins Material. Das funktioniert bei gut umformbaren Werkstoffen wie vielen Stählen und Aluminiumlegierungen. Der Vorteil: kein Span, ein festeres Gewinde durch die verdichtete Randzone und keine Spanprobleme im Grundloch. Wichtig ist hier ein etwas größeres Kernloch als beim Schneiden, weil Material verdrängt statt entfernt wird.
Häufige Fehler beim Gewindebohren
Das solltest du vermeiden
- Falscher Kernlochdurchmesser: zu groß gibt ein schwaches Gewinde, zu klein bricht das Werkzeug.
- Zu hohe Drehzahl: Gewindebohren verlangt deutlich niedrigere Schnittgeschwindigkeit als Bohren.
- Zu wenig Schmierung: ohne Schmierstoff reißt das Gewinde aus und der Bohrer bricht.
- Falsche Anschnittform: ein Durchgangs-Gewindebohrer im Grundloch verklemmt in den Spänen.
- Kein Anfasen: ohne Fase läuft der Gewindebohrer schief an.
Fazit
Gewindebohren ist Präzisionsarbeit, die mit dem richtigen Kernloch beginnt. Passender Durchmesser, saubere Anfasung, die zur Bohrung passende Anschnittform, reichlich Schmierung und eine niedrige Drehzahl sind die Erfolgsfaktoren. Bei umformbaren Werkstoffen ist der spanlose Gewindeformer eine robuste Alternative. Wer diese Punkte beachtet, bekommt maßhaltige Gewinde ohne abgebrochene Werkzeuge.
Häufige Fragen zum Gewindebohren
Wie bestimme ich den Kernlochdurchmesser?
Der Kernlochdurchmesser richtet sich nach der Gewindegröße und wird aus der Gewindetabelle entnommen. Bei metrischem Regelgewinde entspricht er grob dem Nenndurchmesser minus der Steigung, etwa 5,0 mm für M6.
Warum ist Schmierung beim Gewindebohren so wichtig?
Beim Gewindebohren entsteht viel Reibung auf kleiner Fläche. Ohne ausreichende Schmierung reißt das Gewinde aus, die Oberfläche wird schlecht und der Gewindebohrer kann brechen.
Was ist der Unterschied zwischen Durchgangs- und Grundloch?
Beim Durchgangsloch läuft der Gewindebohrer durch und schiebt die Späne nach vorn aus. Beim Grundloch muss das Gewinde nahezu bis zum Grund reichen, weshalb ein kurzer Anschnitt und eine sichere Spanabfuhr nötig sind.
Welche Drehzahl brauche ich beim Gewindebohren?
Deutlich niedriger als beim Bohren. Die genaue Schnittgeschwindigkeit hängt von Werkstoff, Gewindegröße und Werkzeug ab. Zu hohe Drehzahl führt schnell zu Ausriss und Werkzeugbruch.
Was ist ein Gewindeformer?
Ein Gewindeformer drückt das Gewinde spanlos ins Material, statt es zu schneiden. Das funktioniert bei umformbaren Werkstoffen, erzeugt ein festeres Gewinde und vermeidet Spanprobleme, braucht aber ein etwas größeres Kernloch.
Wie prüfe ich ein fertiges Gewinde?
Mit einer Gewindelehre oder der passenden Schraube. Die Schraube sollte sich leicht und ohne Klemmen einschrauben lassen. Für höhere Anforderungen kommen Gut- und Ausschusslehren zum Einsatz.
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