Ob Lampenwechsel in zehn Metern Höhe, Wartung an Hallenkränen oder Montagearbeiten an Fassaden: Ohne Hubarbeitsbühnen steht die Industrie still. Gleichzeitig gehören Abstürze zu den häufigsten Ursachen schwerer Arbeitsunfälle. Der richtige Umgang mit der Technik entscheidet über Produktivität und Sicherheit gleichermaßen.
Das Wichtigste in Kürze
- Absturzunfälle verursachen laut DGUV jährlich über 30.000 meldepflichtige Arbeitsunfälle in Deutschland, viele davon wären durch korrekt eingesetzte Hubarbeitsbühnen vermeidbar.
- Seit 2020 fordert die DGUV Grundsatz 308-008, dass alle Bedienpersonen eine theoretische und praktische Unterweisung nachweisen können.
- Scherenbühnen eignen sich besonders für Arbeiten in Innenbereichen, Gelenkteleskopbühnen für schwer zugängliche Stellen über Hindernissen hinweg.
Wann Leitern nicht mehr reichen
Leitern sind günstig und schnell aufgestellt. Klingt verlockend, oder? In der Praxis zeigen sich aber rasch die Grenzen. Sobald Werkzeug oder Material in der Höhe benötigt wird, fehlt auf der Leiter schlicht der Platz. Dazu kommt: Auf einer Leiter hat man keine Hände frei, um sicher zu arbeiten.
Hubarbeitsbühnen lösen dieses Problem. Sie bieten eine stabile Arbeitsplattform, auf der Fachkräfte mit beiden Händen arbeiten können, Werkzeug griffbereit haben und durchgehend gegen Absturz gesichert sind. Ab einer Arbeitshöhe von etwa drei Metern lohnt sich der Einsatz fast immer. Für Innenbereiche und ebene Untergründe hat sich dabei die Scherenbühne als kompakte und platzsparende Lösung etabliert.
Welche Bühnentypen gibt es und wofür eignen sie sich?
Die Auswahl ist groß. Für die richtige Wahl kommt es auf drei Faktoren an: Arbeitshöhe, Platzverhältnisse und Untergrund.
Scherenbühnen heben die Plattform rein vertikal an. Sie bieten viel Platz auf der Arbeitsfläche und eignen sich ideal für Hallen und Lager. Ihre kompakte Bauweise macht sie zum Favoriten in beengten Industrieumgebungen.
Gelenkteleskopbühnen erreichen auch schwer zugängliche Stellen, etwa hinter Rohrleitungen oder über Maschinen hinweg. Der Gelenkarm ermöglicht es, Hindernisse zu übergreifen. Dafür brauchen sie mehr Aufstellfläche.
Anhängerbühnen sind mobil und lassen sich mit einem Pkw zum Einsatzort ziehen. Sie kommen vor allem bei Außenarbeiten an Gebäuden oder Freileitungen zum Einsatz.
Sicherheitsvorschriften für Hubarbeitsbühnen
Die Bedienung einer Hubarbeitsbühne ist keine Sache, die man mal eben nebenbei lernt. Jede Person, die eine Hubarbeitsbühne bedient, braucht eine dokumentierte Unterweisung nach DGUV Grundsatz 308-008. Diese umfasst Theorie (Vorschriften, Gefahren, Notverfahren) und Praxis (Bedienung, Fahrübungen, Notablass). Der Unternehmer benennt die Bedienpersonen schriftlich.
Vor jedem Einsatz steht außerdem eine Sicht- und Funktionsprüfung an. Funktioniert die Notabsenkung? Sind die Absturzsicherungen intakt? Ist der Untergrund tragfähig? Wer diese Checks überspringt, riskiert nicht nur Unfälle, sondern auch empfindliche Bußgelder.
Typische Fehler beim Einsatz vermeiden
Auch erfahrene Bedienpersonen machen Fehler. Drei Klassiker begegnen Sicherheitsfachkräften immer wieder.
Die Bühne wird auf unebenem oder weichem Untergrund aufgestellt, ohne die Stützfüße vollständig auszufahren. Kipppgefahr! Personen lehnen sich über das Geländer, um „noch eben“ etwas zu erreichen, statt die Bühne umzupositionieren. Und die zulässige Tragfähigkeit wird überschritten, weil zu viel Material auf der Plattform liegt. Die Angaben auf dem Typenschild gelten immer, ohne Ausnahme.
Kauf oder Miete? Eine wirtschaftliche Abwägung
Nicht jeder Betrieb braucht eine eigene Hubarbeitsbühne. Wer nur gelegentlich in der Höhe arbeitet, fährt mit Miete günstiger. Tages- und Wochenmietpreise starten je nach Bühnentyp bei rund 80 bis 200 Euro.
Erst bei regelmäßigem Einsatz rechnet sich der Kauf. Als Faustregel: Wenn eine Bühne mehr als 60 Tage pro Jahr im Einsatz ist, lohnt sich eine eigene Anschaffung. Vergiss dabei nicht die laufenden Kosten für Wartung und die jährliche UVV-Prüfung (Unfallverhütungsvorschrift).
FAQ
Wer darf eine Hubarbeitsbühne bedienen?
Jede Person, die eine dokumentierte Unterweisung nach DGUV Grundsatz 308-008 erhalten hat und vom Unternehmer schriftlich beauftragt wurde. Ein Führerschein allein reicht nicht aus.
Was ist der Unterschied zwischen Scherenbühne und Gelenkteleskopbühne?
Scherenbühnen heben rein vertikal und eignen sich für ebene Böden in Innenräumen. Gelenkteleskopbühnen können Hindernisse übergreifen und erreichen auch seitlich versetzte Arbeitspunkte.
Wie oft werden Hubarbeitsbühnen geprüft?
Mindestens einmal jährlich im Rahmen der UVV-Prüfung durch eine befähigte Person. Zusätzlich steht vor jedem Einsatz eine Sicht- und Funktionsprüfung an.
