Wenn das Thermometer in der Werkshalle auf 35 °C klettert, leidet nicht nur die Konzentration. Fehlerquoten steigen, die Produktivität sinkt, und das Unfallrisiko nimmt zu. Trotzdem behandeln viele Industriebetriebe das Thema Hallenklimatisierung noch immer stiefmütterlich. Dabei gibt es längst Lösungen, die auch in großflächigen Produktionsräumen zuverlässig funktionieren.
Das Wichtigste in Kürze
- Ab 26 °C Raumtemperatur sinkt die Leistungsfähigkeit messbar, ab 30 °C greifen verbindliche Pflichten des Arbeitgebers nach der Arbeitsstättenregel ASR A3.5.
- Geringere Ausfallzeiten und stabilere Produktionsqualität sorgen dafür, dass sich eine professionelle Klimatisierung häufig bereits im ersten Jahr amortisiert.
- Effektive Hallenklimatisierung kombiniert Kühlung, Belüftung und bauliche Maßnahmen zu einem Gesamtkonzept statt auf Einzelgeräte zu setzen.
Was passiert, wenn die Temperatur in der Halle steigt?
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Studien der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) zeigen: Ab 28 °C nimmt die kognitive Leistung um rund 15 % ab. Feinmotorische Tätigkeiten leiden noch stärker. Wer an CNC-Maschinen arbeitet oder Qualitätskontrollen durchführt, macht bei Hitze schlicht mehr Fehler.
Dazu kommt der gesundheitliche Aspekt. Kreislaufprobleme, Kopfschmerzen und Erschöpfung treiben die Krankenstände in den Sommermonaten nach oben. Für Betriebe mit Schichtarbeit verschärft sich das Problem, weil der Körper bei Hitze ohnehin schlechter regeneriert. Wer hier frühzeitig in eine Klimaanlage für Gewerbe und Industrie investiert, spart langfristig bei Personal- und Produktionskosten.
Was sagt der Gesetzgeber zur Temperatur am Arbeitsplatz?
Die Arbeitsstättenregel ASR A3.5 definiert klare Grenzwerte. Ab 26 °C soll der Arbeitgeber Maßnahmen ergreifen. Ab 30 °C ist er dazu verpflichtet. Und ab 35 °C? Dann gilt ein Raum ohne geeignete Schutzmaßnahmen grundsätzlich nicht mehr als Arbeitsraum.
In der Praxis bedeutet das: Wer keine Klimatisierung hat und sich auf „Fenster auf und Ventilator an“ verlässt, bewegt sich bei Hochsommertagen schnell in einer rechtlichen Grauzone. Und das kann teuer werden, nicht nur durch Produktionsausfälle, sondern auch durch arbeitsrechtliche Konsequenzen.
Welche Klimatisierungssysteme eignen sich für Werkshallen?
Eine Werkshalle ist kein Büro. Die Decken sind hoch, die Flächen riesig, und oft sorgen Maschinen selbst für enorme Wärmelasten. Klassische Split-Klimageräte stoßen hier an ihre Grenzen. Was also funktioniert?
- Dezentrale Umluftkühlgeräte, die an strategischen Punkten platziert werden und gezielt Arbeitsbereiche kühlen
- Zentrale Lüftungsanlagen mit Kühlfunktion, die frische, gekühlte Luft über Kanalsysteme verteilen
- Adiabatische Kühlung, bei der Wasser verdunstet und dabei die Luft abkühlt, besonders energieeffizient in trockenen Regionen
Welches System passt, hängt von Hallengröße, Wärmelast durch Maschinen und Budget ab.
Kühlung allein reicht nicht: Das Zusammenspiel zählt
Hast du schon mal erlebt, dass eine Klimaanlage auf Hochtouren läuft, die Halle aber trotzdem warm bleibt? Das liegt oft daran, dass die Wärme schneller nachströmt, als die Kühlung arbeiten kann. Sonneneinstrahlung durch Dachfenster, heiße Maschinenabluft oder fehlende Isolierung machen jede Kühlleistung zunichte.
Ein wirksames Klimakonzept setzt deshalb auf mehrere Hebel gleichzeitig. Sonnenschutzfolien reduzieren die solare Wärmelast. Maschinenwärme lässt sich durch gezielte Abluftführung abschirmen. Und eine ordentliche Gebäudedämmung hält die kühle Luft dort, wo sie hingehört: drinnen.
Kosten und Wirtschaftlichkeit realistisch einschätzen
Klar, eine professionelle Klimatisierung kostet Geld. Je nach Hallengröße und System sind Investitionen im fünfstelligen Bereich realistisch. Doch die Gegenrechnung relativiert das schnell.
Geringere Ausschussraten, weniger hitzebedingte Krankheitstage, stabilere Maschinenleistung und höhere Mitarbeitendenzufriedenheit summieren sich. Wer die Anlage gleichzeitig zum Heizen nutzen kann (Stichwort: Wärmepumpentechnik), spart zusätzlich bei den Energiekosten im Winter. Eine saubere Kosten-Nutzen-Analyse vor der Anschaffung lohnt sich also in jedem Fall.
FAQ
Ab welcher Temperatur besteht eine Pflicht zur Klimatisierung?
Ab 30 °C Raumtemperatur ist der Arbeitgeber nach ASR A3.5 verpflichtet, wirksame Maßnahmen zu ergreifen. Ab 35 °C darf ohne Schutzmaßnahmen nicht mehr gearbeitet werden.
Welche Klimaanlage eignet sich für große Produktionshallen?
Für Hallen ab 500 m² kommen zentrale Lüftungsanlagen mit Kühlfunktion oder dezentrale Umluftkühlgeräte in Frage. Adiabatische Systeme bieten eine energiesparende Alternative.
Wie lassen sich die Kosten für eine Hallenklimatisierung senken?
Durch Kombination mit baulichem Wärmeschutz, Abwärmenutzung und den Einsatz von Wärmepumpensystemen, die im Winter heizen und im Sommer kühlen.
