Wo schwere Maschinen laufen, Gabelstapler rangieren und Materialien gelagert werden, lauern Gefahren. Oft reicht ein kurzer Moment der Unaufmerksamkeit, und es kommt zum Unfall. Genau deshalb spielt die visuelle Sicherheitskennzeichnung in Produktionsbetrieben eine so zentrale Rolle. Doch wie setzen Unternehmen sie wirklich wirksam um?
Das Wichtigste in Kürze
- Rund 80 % aller Unfallursachen in der Industrie hängen mit menschlichem Fehlverhalten zusammen, das sich durch klare visuelle Kennzeichnung nachweisbar verringern lässt.
- Die Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) und die DGUV Vorschrift 1 verpflichten Betriebe, Gefahrenbereiche eindeutig zu kennzeichnen und regelmäßig zu prüfen.
- Individuell bedruckte Absperrbänder mit kontextbezogenen Warnhinweisen erzeugen deutlich mehr Aufmerksamkeit als generische Standardlösungen.
Warum Gefahrenzonen oft unterschätzt werden
Viele Betriebe verlassen sich auf das Erfahrungswissen ihrer Belegschaft. Nach dem Motto: „Die wissen doch, wo es gefährlich ist.“ Das Problem? Neue Mitarbeitende, Leiharbeitskräfte oder Besuchende kennen die Risiken eben nicht. Und selbst erfahrene Fachkräfte werden nach Jahren im selben Umfeld betriebsblind.
Hier greift das Konzept der visuellen Sicherheitskennzeichnung. Sie macht Risiken sichtbar, bevor etwas passiert. Bodenmarkierungen, Warnschilder, Absperrbänder und Farbcodes schaffen eine Orientierung, die unabhängig von Sprachkenntnissen oder Erfahrung funktioniert. Besonders bei temporären Absperrungen lohnt sich ein Absperrband bedruckt mit firmenspezifischen Hinweisen, denn es liefert sofort den nötigen Kontext zur Gefahrenstelle.
Welche Kennzeichnungssysteme sich in der Praxis bewähren
Nicht jede Gefahrenstelle braucht dasselbe Mittel. Ein durchdachtes Sicherheitskonzept kombiniert verschiedene Elemente:
- Bodenmarkierungen in Signalfarben, die Fahrwege von Gehwegen trennen und Lagerflächen abgrenzen
- Warnschilder und Piktogramme nach ISO 7010, die international verständlich sind
- Absperrbänder und Absperrpfosten, um temporäre Gefahrenbereiche bei Wartungs- oder Bauarbeiten abzusichern
Gerade bei temporären Sperrungen zeigt sich der Unterschied zwischen einem generischen rot-weißen Band und einem bedruckten Band mit dem Hinweis „Achtung Dacharbeiten“ oder „Bereich gesperrt – Maschinenreinigung“. Letzteres sorgt dafür, dass Personen nicht nur stehen bleiben, sondern auch verstehen, warum.
Das Farbsystem der Sicherheitskennzeichnung verstehen
Hast du dir schon mal Gedanken darüber gemacht, warum bestimmte Farben in der Industrie immer wieder auftauchen? Dahinter steckt ein normiertes System. Die ASR A1.3 (Technische Regel für Arbeitsstätten) legt fest, welche Farbe welche Bedeutung hat:
Rot steht für Verbot und Brandschutzeinrichtungen. Gelb warnt vor Gefahren. Blau kennzeichnet Gebotszeichen wie Schutzhelmpflicht. Grün weist auf Rettungswege und Erste-Hilfe-Einrichtungen hin.
Diese Farbcodierung funktioniert intuitiv. Sie erfordert kein Vorwissen und überwindet Sprachbarrieren, was in Betrieben mit internationaler Belegschaft Gold wert ist.
Häufige Fehler bei der Sicherheitskennzeichnung
So simpel das Thema klingt, in der Praxis schleichen sich erstaunlich viele Fehler ein.
Erstens: Zu viele Schilder auf engem Raum. Wenn an einer Wand acht verschiedene Hinweise hängen, nimmt niemand mehr einen einzigen davon wahr. Weniger ist manchmal mehr.
Zweitens: Verblasste oder beschädigte Kennzeichnungen. Eine Bodenmarkierung, die nur noch schemenhaft zu erkennen ist, erfüllt ihren Zweck nicht mehr. Regelmäßige Kontrolle gehört zum Pflichtprogramm.
Drittens: Fehlende Aktualisierung nach Umbauten. Wird eine Produktionslinie umgestellt, ändern sich auch die Gefahrenbereiche. Die Kennzeichnung mitzuziehen, vergessen erstaunlich viele Betriebe.
Sicherheitskennzeichnung regelmäßig prüfen und aktualisieren
Einmal aufkleben und fertig? So einfach ist es leider nicht. Die Gefährdungsbeurteilung nach dem Arbeitsschutzgesetz verlangt, dass Sicherheitsmaßnahmen regelmäßig auf ihre Wirksamkeit geprüft werden.
Ein guter Rhythmus: Mindestens einmal jährlich eine systematische Begehung durchführen und alle Kennzeichnungen auf Sichtbarkeit, Aktualität und Vollständigkeit prüfen. Nach jedem Umbau oder jeder neuen Maschine steht eine Sonderprüfung an. Pack das am besten direkt in dein bestehendes Audit-System, dann geht es im Tagesgeschäft nicht unter.
