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maschine+werkzeug 04/2019

»Wir bringen die Maschine und ihre Daten in Relation.«

Interview

Clemens Kirner, CEO und Gründer von Insider Navigation aus Wien erklärt, wie Industrieunternehmen von Augmented-Reality-Anwendungen wirtschaftlich profitieren.

Clemens Kirner, CEO von Insider Navigation Systems mit Sitz in Wien. Bild: Kate Prokofieff

Clemens Kirner, CEO von Insider Navigation Systems mit Sitz in Wien. Bild: Kate Prokofieff

Herr Kirner, was ist Insider Navigation?

Ich bin seit 16 Jahren Unternehmer. Damals waren wir in der Systemintegrator-Branche tätig und haben als einer der ersten Kunden von Metaio, einem Augmented-Reality-Start-up aus München, für VW und andere Firmen Lösungen in diese Richtung angeboten. Unser Problem war immer, dass wir in hohem Maße von den Technologie-Zulieferern abhängig waren, die der Reihe nach aufgekauft wurden. Daher haben wir uns dazu entschlossen, eigene Forschung zu betreiben.

Wann fingen Sie damit an?

Für das Projekt ›Indoor Navigation‹ haben wir bereits im Jahr 2012 in Österreich mit der Forschung begonnen. Partner war die Technische Universität Wien. Unser Ansatz war: Kann man Augmented Reality verwenden, um zu verstehen, wo man sich in einem Gebäude befindet?

Warum gerade Augmented Reality?

Klassische Technologien wie GPS funktionieren in Gebäuden nicht, weil die Verbindung zum Satelliten nicht hergestellt werden kann. Alternativen wie Beacons, Bluetooth, WLAN oder Ultra-wideband haben den großen Nachteil, dass man viel neue Hardware benötigt und die Installation relativ aufwendig ist.

Was sieht Ihr Ansatz aus?

Wir haben uns überlegt, ob man die Kamera in einem Handy oder Tablet für die Navigation verwenden kann. Nach zwei Jahren Forschung haben wir gesehen, dass das funktioniert. Das war auch der Anlass dafür, im Jahr 2014 ›Insider Navigation‹ zu gründen und die alte Firma zu verkaufen.

Wie funktioniert Ihre Lösung im Detail?

Uns ging es darum, mit einem mobilen Gerät – etwa einem Handy, Tablet oder Windows-PC – in einem Gebäude von A nach B zu kommen und gleichzeitig auf eine Distanz von einem bis fünf Zentimetern zu verstehen, wo sich der Anwender befindet und wo er hinschaut, und ihm gleichzeitig wichtige Informationen anzuzeigen. Wir haben daraufhin einen Prozess entwickelt, mit dem man sehr große Gebäude in fünf bis zehn Tagen erkennbar machen kann – etwa bei VW mit 1,5 Millionen Quadratmetern.

Woher kommen die Positionsdaten?

Wir arbeiten mit Barcodes, wodurch wir die Hallen sehr schnell vermessen und damit erkennbar machen können. Ein Algorithmus erkennt dann aufgrund des Codes, wo ich bin und wie ich mich im Raum bewege.

Wie kann man sich das praktisch vorstellen?

Die QR-Codes sind in der Regel 50 Meter voneinander platziert und müssen nicht auf jeder Maschine kleben. Sie können mit beliebigen Daten unterfüttert werden. Ein Algorithmus errechnet die Position und die Blickrichtung. Im Backend werden die Daten zur Position in Relation gesetzt und dann angezeigt.

Wo kommen die Maschinendaten her?

Wir bringen die Maschine und ihre Daten in Relation. Das heißt, wir verstehen, wo sich das mobile Gerät befindet und wo es hinsieht. Jetzt holt sich unsere App über eine Webtechnologie die nötigen Daten von der IoT-Plattform des Unternehmens, die etwa die Maschinendaten vorhält.

Wer implementiert Ihre Lösung in der Fertigung?

Das kann der Kunde individuell festlegen. Entweder er kontaktiert uns oder wir vermitteln einen kompetenten Partner. Oft kommen auch Systemintegratoren auf uns zu, weil sie einen Kunden haben, dessen Prozesse sie optimieren sollen.

Wie sieht die Integration in die Infrastruktur aus?

Wir setzen auf Webservices, daher verläuft die Integration unserer Software so, als wenn man etwas für eine Webseite programmiert. Egal ob unsere Kunden Oracle, SAP oder eine andere Software verwenden, wir docken uns an die bestehenden Schnittstellen an.

Welche Branchen haben Sie im Fokus?

Wir sind auf keine Branche festgelegt. Momentan kommen die meisten unserer Kunden aus den Bereichen Automotive, Kraftwerke, Flughäfen oder Logistik. Da wir keine Branchenexperten sind, suchen wir ständig nach Partnern, die den Mehrwert unserer Lösung für ihren Bereich erschließen.

Welche Kosten kommen auf den Kunden zu?

Da es sich bei unserer Lösung um Software und nicht um Hardware handelt, verfolgen wir ein Abo-Modell. Die monatliche Gebühr orientiert sich dabei an der Größe des Gebäudes.

Funktioniert Ihre Lösung mit Augmented-Reality-Brillen?

Derzeit noch nicht. Das Problem ist, dass die derzeitigen AR-Brillen noch nicht leistungsstark und ausdauernd genug sind. Es existiert zwar die Hololens, doch mit ihren 185 Gramm ist sie für den Produktiveinsatz nicht geeignet. Da wir unsere Software jedoch in C++ entwickeln, ist es ein Leichtes, unsere Lösung an andere Geräte anzupassen.

Wie erleben Sie das Interesse der Kunden an Ihrer Lösung?

Ich blicke auf 16 Jahre Projektgeschäft zurück und bin lange Zeit Kunden hinterhergelaufen. In letzter Zeit bekommen wir jedoch vermehrt Anfragen von großen Kunden. Ohne übertreiben zu wollen, hatten wir letztes Jahr 140 qualitativ hochwertige Anfragen weltweit und dieses Jahr bereits 50. Das Thema AR ist erwachsen geworden. 2007 mussten wir noch kämpfen und kräftig die Marketing-Trommel rühren. Jetzt wird das Thema ernst genommen und produktiv eingesetzt. Hinzu kommt, dass wir mittlerweile anhand von Projektdaten zeigen können, welchen Mehrwert ein Unternehmen erzielt und wie viel Geld es mit unserer Lösung spart.

www.insidernavigation.com

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