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maschine+werkzeug 03/2019

Abgedreht

Editorial

Manfred Flohr, Chefredakteur. Bild: maschine+werkzeug

Während sich für die meisten Messen im Bereich der Metallbearbeitung ein Zwei-Jahres-Rhythmus als sinnvoll erwiesen hat, gibt es für die Dreher dieses Jahr nun gleich derer zwei – in kurzem Abstand, beide im Südwesten Deutschlands: die Turning Days im Februar in Friedrichshafen und die Dreh- und Spantage (DST) im April in Villingen-Schwenningen. Das konnte nicht gut gehen und ging auch nicht gut. Die Abstimmung mit den Füßen war abzusehen. Gewonnen hat Villingen-Schwenningen, das steht schon vor Beginn der DST nächste Woche fest. Friedrichshafen war ein Flop.

Wie kam es dazu? Die ersten Turning Days der Pforzheimer Kongress- und Marketing GmbH fanden 2005 in Villingen-Schwenningen statt. Fortan traf sich dort bis 2015 alle zwei Jahre die Branche. Allerdings nicht die ganze Branche, denn das Gelände der Messe in Schwenningen wurde schnell zu klein, die Warteliste von Mal zu Mal länger. Zudem erwies sich der Hallenboden als problematisch, ließ die Präsentation hochgenauer Werkzeugmaschinen unter Span oft kaum zu.

Bei der Suche nach einem neuen Veranstaltungsort fiel die Wahl auf Friedrichshafen. Die Voraussetzungen schienen gut, wurden aber nicht angenommen. War das Interesse schon bei der Premiere 2017 überschaubar, gerieten die Turning Days 2019 zum Desaster. Von den beiden angemieteten Messehallen benötigte der Veranstalter lediglich eine. Auch die Besucher bleiben aus. Den Drehern vom Heuberg und aus dem Schwarzwald war Friedrichshafen offensichtlich bereits zu weit entfernt. Und in der Bodenseeregion zusätzliche Aussteller und Besucher aus Österreich und der Schweiz ansprechen zu können, entpuppte sich als Irrglaube. Vor allem aber machte die Südwest Messe in Villingen-Schwenningen mit ihrer konkurrierenden eigenen Drehermesse DST den Turning Days gleich 2017 eine Kampfansage.

Wie geht es weiter? Eine dritte Auflage der Turning Days in Friedrichshafen wird es nicht geben, Veranstalter und Messegesellschaft haben sich im Streit getrennt. Höchst unzufrieden zeigten sich am Ende beide. Die Südwest Messe hat bereits die Marke ›Turning Days‹ übernommen und will in Schwenningen beide Messen zusammenführen. Möglicherweise wird für die eigene Veranstaltung sogar umgesetzt, was der Gastmesse verwehrt blieb: Investitionen in weitere Hallenkapazitäten mit Schwerlastböden.
Unterdessen macht das Schwenninger Beispiel auch in Friedrichshafen Schule: Nach dem Wegfall der Turning Days hat die Messegesellschaft für 2021 die ›ZET Expo‹ als eigne Messe für das Themenfeld Zerspanungstechnologie angekündigt. Wohlgemerkt: Zerspanung, nicht Drehen. Vielleicht lässt sich der Ausspruch des Highlanders ja auch auf Drehermessen beziehen: »Es kann nur einen geben.«

Manfred Flohr

Chefredakteur

manfred.flohr <AT> verlag-henrich.de

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