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maschine+werkzeug 02/2020

Umdenken

Editorial

Nun also auch noch das Coronavirus. In seiner Erklärung für die düsteren Konjunkturaussichten – die deutsche Werkzeugmaschinenindustrie erwartet für 2020 einen Produktionsrückgang von 18 Prozent – steht die Seuche beim VDW in einer Reihe mit zyklischem Konjunkturverlauf, Strukturwandel in der Automobilindustrie und handelsstrategisch motivierten Turbulenzen, die im Zusammenspiel die Investitionsneigung weltweit dämpfen. In allererster Linie verursacht die Krankheit menschliches Leid. Wie sehr sich die Epidemie/Pandemie noch ausbreiten wird und wie viele Menschen in welchen Teilen der Erde ihr noch zum Opfer fallen, ist ungewiss. Das gilt auch für die Auswirkungen auf die Wirtschaft. Klar ist nur, dass die globalisierte Welt vom Geschehen in China nicht unangetastet bleiben wird.

Zur Abschätzung möglicher Folgen für die Industrie bietet sich eigentlich nur der Rückblick auf die Jahre 2002/2003 an, als die Sars-Epidemie die Welt in Atem hielt. Doch der Vergleich taugt nur bedingt. China selbst konnte das damals besser wegstecken, weil sich das Land in einer ausgesprochenen Boom-Phase befand. Und global hat sich in den vergangenen 17 Jahren erst recht eine Menge verändert. Zum einen ist Chinas Bedeutung als Handelspartner enorm gewachsen. Das spüren vor allem die deutschen Autobauer, die ein Drittel ihrer Fahrzeuge ins Reich der Mitte verkaufen. Auch die Produktion ist heute wesentlich enger mit Fertigern aus Fernost verzahnt. Prozentzahlen sagen dabei nur wenig aus. Fehlt in der Produktionskette ein wichtiges Zulieferteil aus China, so schlägt das fehlende Glied unweigerlich weitere Wellen.

Es war noch nie eine gute Idee, krank ins Büro zu kommen – selbst wenn es keine lebensbedrohliche Infektion ist, sondern lediglich eine harmlose Erkältung. Im Meeting noch die Köpfe zusammenzustecken, ehe man dann doch ausfällt und auch Teile des Teams aus dem Verkehr gezogen hat, das ist kontraproduktiv. Im Homeoffice zu erledigen, was unbedingt noch getan werden muss und kann, ist sicherlich die bessere Option. Vielleicht bewirkt die Seuchenangst ja auch ein Umdenken im internationalen Geschäftsgebaren und schafft mehr als die Klimahysterie (ja, das Unwort). Müssen Menschen wirklich so häufig reisen, um sich irgendwo gemeinsam an einen Tisch zu setzen? Ist die physische Präsenz tatsächlich so wichtig, dass nicht das eine oder andere Mal zeitgemäße technische Kommunikationslösungen gewählt werden könnten? Was 2003 vielleicht noch eine Zumutung war, klappt heute schon ganz gut für Besprechungen, Schulungen oder Service. Natürlich sind dem Grenzen gesetzt. Auch in der hochautomatisierten Produktion müssen irgendwann Menschen Hand anlegen. Material und Waren machen sich auch nicht von selbst auf den Weg. Bleiben Sie gesund!

Manfred Flohr Chefredakteur

manfred.flohr <AT> verlag-henrich.de

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