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maschine+werkzeug 05/2019

»100 Prozent Industrie 4.0 für den Mittelstand – das ist uns gelungen.«

Interview

Im positiven Sinn macht Schumacher Precision Tools allen etwas vor: Der Remscheider hat eine Industrie-4.0-Fabrik realisiert. Firmenchef Dr. Bernd Schniering erklärt den digitalen Weg des Familienunternehmens mit 40 Mitarbeitern.


Was kann Schumacher dank Industrie 4.0?

Wenn Sie heute ein Produkt bei uns bestellen und uns dazu per E-Mail eine Zeichnung senden, dann können wir innerhalb einer Stunde ein 3D-Modell bis zum ersten Span an der Maschine erzeugen – einschließlich der kompletten Digitalisierung. Dazu ein Hinweis: Wir sprechen oft über Komplexitätskosten, die laut einer Fraunhofer-Studie einen hohen Prozentsatz bei dem Durchlauf eines Auftrags ausmachen. Das können Sie mit eindeutiger, standardisierter Digitalisierung reduzieren.

Was unterscheidet Ihr Konzept von denen der Konzerne?

So wie Industrie 4.0 in den Medien beschrieben wird, funktioniert es nicht im Mittelstand. Bei einem typischen heterogenen, prozessorientierten Mittelständler gibt es viele Zwischenschritte, die gar nicht digitalisierbar sind. Sie brauchen intelligente Strukturen, um den Durchfluss trotzdem zu gewährleisten. Das ist die Kunst.

Wie sieht es mit den bestehenden Standards aus?

Ja, da gibt es etwa die Richtlinie VDI 5600 zum Aufbau eines Manufacturing Execution System. Sie ist super, aber sie funktioniert nicht. Das bestätigen Ihnen auch alle Fachleute.

Und was nehmen Sie stattdessen?

Ein selbstentwickeltes System. Gehen wir aber zunächst auf die typischen Defizite der KMU ein: hohe Redundanz der Daten sowie fehlende Datenarchitektur und Prozessanalyse. Die Analyse soll als Erstes geschehen, denn sie müssen beschreiben, was sie überhaupt machen wollen. Zur Definition der Produkteigenschaften eignen sich Modelle. Außerdem brauche sie Daten für die NC-Maschinen und Standards für die Zulieferer. Zudem braucht man dann sehr viele IT-Bausteine, die sich leider oft nicht vertragen.

Was ist das Erfolgsrezept?

Für die digitale Prozesskontrolle bedarf es strukturierter Daten, transparenter Aufbereitung und solider Standards. Ein riesiges Rationalisierungspotenzial steckt in den Algorithmen: Sie können mit ihnen nämlich auch Sonderprozesse standardisieren. Wir haben uns damit beschäftigt – es geht!

Was empfehlen Sie anderen?

Das ist ein Thema, das wir mit der Politik besprechen. Wenn Sie mit so einem Projekt anfangen, dann lassen Sie erst mal die IT weg. Sie müssen sich erst einmal darüber im Klaren sein, was Sie überhaupt wollen. Und dann erst beginnt die Digitalisierung. Neueinsteigern rate ich: Fangen Sie mit der Digitalisierung erst nach analoger Analyse an.

Was zeichnet Ihr System aus?

Es umfasst den kompletten Prozess bis zum Versand – also inklusive Finanz-, Betriebs- und Dispositionslogistik, Produktentwicklung, Produktion, Qualitätsmanagement und Lagermanagement. Das ist alles komplett digital abgebildet. Industrie 4.0 sind dann die Smart Services für den Markt. Das bedeutet nichts anderes, als dass Sie diese ganzen Abteilungen in Realtime, also online, anzapfen und ihren Partnern über das Web selektiv zur Verfügung stellen.

Sie haben das ja erstmalig bei sich selbst ausprobiert. Wie lässt sich das auf eine Werkzeugproduktion mit einer durchschnittlichen Losgröße 100 umsetzen? Was sind Ihre Erfahrungen?

Für einteilig industriell gefertigte Produkte funktioniert das System mithilfe eines Baukastens. Das Erstellen gelingt mit einer grafischen Programmiersprache, die sich bei den gängigen guten und teuren CAD-Systeme automatisieren lässt. Der Anwender programmiert für seine Produktlinien entsprechend kennwertfreie Software. Später muss er nur noch die Konstruktionsdaten in das Programm einschleusen, das dann das digitale Modell erstellt. Da ist ein enormes Potenzial dahinter. Wenn sie sonst ein digitales Modell von einem unserer Werkzeuge »zu Fuß« konstruieren, dauert es vier, fünf Tage – und jetzt sind es nur noch vier Minuten. Das sind enorme Rationalisierungseffekte.


Inhaltsverzeichnis
Unternehmensinformation

Schumacher Precision Tools GmbH

Küppelsteiner Str. 18-20
DE 42857 Remscheid
Tel.: 02191-9704-0
Fax: -30

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