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maschine+werkzeug 05/2019

»100 Prozent Industrie 4.0 für den Mittelstand – das ist uns gelungen.«

Interview

Im positiven Sinn macht Schumacher Precision Tools allen etwas vor: Der Remscheider hat eine Industrie-4.0-Fabrik realisiert. Firmenchef Dr. Bernd Schniering erklärt den digitalen Weg des Familienunternehmens mit 40 Mitarbeitern.

Bild: Fecht

Bild: Fecht

Herr Dr. Schniering, Sie behaupten, eine komplett digitalisierte Produktion zu besitzen. Wie sind die Randbedingungen?

Wir stellen in Losgröße 1 bis 1.000 Werkzeuge mit 85 Prozent Fertigungstiefe her. In erster Linie sind es Gewindebohrer für Anwendungen in nahezu allen produzierenden Branchen – von der Autoindustrie bis zur Energiebranche.

Was ist Ihre Spezialität als Werkzeughersteller?

Wir decken die gesamte Technologie zur Herstellung von Innengewinden ab – für Materialien aller Art wie Kupfer, Kunststoff, Aluminium oder Stahl und vielen anderen.
Ein Hype-Thema bei der Herstellung von Innengewinden ist wegen der Nachhaltigkeit ja die Trockenbearbeitung. Wie gehen Sie damit um?
Wir setzen auf Minimalmengenschmierung: Wir unterstützen die Trockenbearbeitung, in dem wir hohe Wärmeentwicklung mit Beschichtungen ausgleichen. Außerdem bedarf es einer Geometrie mit hohen Freiwinkeln, sogenannten Hinterschliffen, damit keine Reibung und dadurch keine Wärme entsteht. Das ist aber ein Kompromiss.

Dann investieren Sie sicherlich viel in Forschung und Wissenschaft?

Ja, und das war auch unser Rettungsanker in den vergangenen Jahrzehnten. Daher sind wir heute relativ gut aufgestellt.

Das verdanken Sie gewiss auch Ihrer besonderen Industrie-4.0-Lösung. Was galt es hier bei der Einführung zu beachten?

Die Variantenvielfalt macht den kleinen und mittleren Unternehmen, den KMUlern unserer Branche, zu schaffen. Wenn Sie zum Beispiel einen typischen Gewindebohrer beschreiben wollen, dann kommen schnell mehr als 100 Parameter ins Spiel. Und diese Variantenvielfalt begann in den 1990er-Jahren zu wachsen. Mittlerweile verdoppelt sich bei uns alle zehn Jahre die Anzahl an Varianten, während sich die Losgrößen halbieren. Das führte bei vielen KMU zu hohem Aufwand.

Mittelständler brauchen also eine ganz andere Form von Industrie 4.0?

Ja, die Struktur eines KMU ist anders: So gibt es ein Management, das über Jahrzehnte konstant ist. Der Kunde hat die Durchwahl bis zum Inhaber. Es sind daher ganz andere Verhältnisse als bei einem konzernstrukturierten Unternehmen. Das haben wir uns bei der Gründung unserer Gesellschaft für angewandte Prozesslenkung GAP auf die Fahne geschrieben, die Module und Methoden für KMU entwickelt. Wir arbeiten dabei unter anderem mit Professor Dirk Biermann vom Dortmunder Institut für Spanende Fertigung zusammen – aber auch mit Experten der Hochschulen in Aachen, Wuppertal und Stuttgart. Wir entwickeln Systeme, um den besonderen Charakter vom Mittelstand zu erhalten. Und das ist uns gelungen.

Bild: Fecht

Bild: Fecht


Inhaltsverzeichnis
Unternehmensinformation

Schumacher Precision Tools GmbH

Küppelsteiner Str. 18-20
DE 42857 Remscheid
Tel.: 02191-9704-0
Fax: -30

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