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maschine+werkzeug 07/2012

Gratfreie Gussoberflächen

Technik - Werkzeuge

Entgraten - Um das Entgraten in einen flexiblen Fertigungsprozess zu integrieren, bedarf es entsprechender Entgratwerkzeuge. Wolfensberger macht dabei mit Engraflexx EC von Gravostar Technologies gute Erfahrungen.

Auslöser war ein Automatisierungskonzept. Für die Solartechnik sollten bei Wolfensberger im schweizerischen Bauma, nahe Zürich, ursprünglich Bauteile aus Sphäroguss in hohen Stückzahlen gefertigt werden.

Dabei war es den Verantwortlichen wichtig, die Werkstücke komplett fertig bearbeitet von der Maschine zu bekommen. So weit war für Peter Reusser, Leiter der Zerspanungstechnik und Logistik bei der Wolfensberger AG, auch alles klar definiert: »Wir wollten dieses Projekt mit einem flexiblen Fertigungssystem automatisieren. Für mich war das anfangs kein Problem, bis mich unsere Mitarbeiter auf das Thema des Entgratens aufmerksam machten. Das war der Grund, weshalb wir nach einer Lösung suchten.«

Die Lösung war zu diesem Zeitpunkt allerdings im Haus schon bekannt. Der Geschäftsführer von Gravostar Technologies, Urs Schiltknecht, hatte die neu entwickelten Entgratwerkzeuge Engraflexx EC bereits vorgestellt und bei Wolfensberger wegen Praxistests unter Produktionsbedingungen angefragt. Das Problem war allerdings, dass das Werkzeug nicht zu funktionieren schien.

Der Grund hierfür war, dass man die Kontur der Gussteile mit dem Fräser eins zu eins abfuhr. Durch die mögliche Auslenkung der Werkzeuge aber ist es wichtig, den Fräser neben der Kontur anzusetzen. Da durch die unregelmäßigen Oberflächen beziehungsweise Konturen beim Guss ein Entgraten mit herkömmlichen Fräsern nicht möglich war, wurde das Entgraten bei Wolfensberger deshalb weiter von Hand durchgeführt. Eine Situation, mit der sich Peter Reusser nicht zufriedengeben wollte. Zumal der Hersteller des Engraflexx EC verspricht, dass durch die flexibel auslenkbare Spindel alle Abweichungen zwischen programmierter und effektiver Werkstück-Kontur automatisch ausglichen werden. So ist gewährleistet, dass jede abgefahrene Kante unabhängig von den Positionsdifferenzen immer gleichmäßig entgratet wird.

Das Projekt mit den großen Stückzahlen ist in Bauma mittlerweile ebenso auf Eis gelegt wie die angestrebte Automatisierung. Dennoch setzt man jetzt insgesamt drei dieser Entgratwerkzeuge ein. Wolfensberger hatte das Werkzeugsystem in einem zweiten Anlauf nochmals getestet und für gut befunden. Das war wichtig, denn man wollte das Problem des Entgratens, auch aus wirtschaftlichen Gründen, in den Griff bekommen und für eventuell künftige Automatisierungen gerüstet sein.

Für René Keller, Leiter der CNC-Fertigung bei Wolfensberger, ist der Einsatz der Entgratwerkzeuge allerdings nicht als Allheilmittel zu sehen: »Das Entgraten innerhalb des Fertigungsprozess ist zunächst sicher motivierend für die Mitarbeiter. Es verlängert allerdings auch die Maschinenlaufzeiten. Deshalb muss man hier Abwägen zwischen Bearbeitungszeiten und Stückzahlen.«

Peter Reusser sieht allerdings alles, was keine Wertschöpfung bringt, als Verschwendung und dazu zählt auch das Handling der Werkstücke zum manuellen Entgraten. Deshalb ist das Werkzeugsystem Engraflexx bei Losgrößen zwischen 10 und 100 Stück und zahlreichen Wiederholteilen häufig im Einsatz. »Man mag das vielleicht Schweizer Overengineering nennen, aber unsere Kunden legen auch Wert auf optische Qualität und die erreichen wir damit«, sagt Reusser.

Das Entgraten ist seit Jahren ein Thema. Vor allem wenn es wie bei Wolfensberger vorrangig um Guss, also um undefinierte Konturen geht, denn mit herkömmlichen Werkzeugen kommt es unweigerlich zu unterschiedlichen Breiten der Phasen.

Umso mehr verwundert es, dass Wolfensberger außer Gravostar Technologies keinen weiteren Anbieter fand. Dazu Urs Schiltknecht: »Es gibt einige Hersteller, die ähnliche Werkzeuge anbieten. Das Problem beim Einsatz im Bearbeitungszentrum ist jedoch, dass alle diese Werkzeuge mit einer Druckluftspindel arbeiten und eine Luftzufuhr häufig an der Maschine nicht zur Verfügung steht.« Der Engraflexx EC dagegen ist überall ohne Zusatzinstallation problemlos zu integrieren und wird wie ein Fräser eingesetzt. »Das heißt, die Einwechslung erfolgt automatisch über das vorhandene Werkzeugwechselsystem, der Antrieb direkt über die Maschinenspindel«, so Urs Schiltknecht.

www.gravostar.de

  • Das Problem bei Guss sind die undefinierten Oberflächen und Konturen.

    Das Problem bei Guss sind die undefinierten Oberflächen und Konturen.

  • Bei Wolfensberger kommen die Engraflexx-Werkzeugen bislang ausschließlich bei der Bearbeitung von Sphäroguss zum Einsatz.

    Bei Wolfensberger kommen die Engraflexx-Werkzeugen bislang ausschließlich bei der Bearbeitung von Sphäroguss zum Einsatz.

  • Bei Wolfensberger kommen die Engraflexx-Werkzeugen bislang ausschließlich bei der Bearbeitung von Sphäroguss zum Einsatz.

    Bei Wolfensberger kommen die Engraflexx-Werkzeugen bislang ausschließlich bei der Bearbeitung von Sphäroguss zum Einsatz.

  • Peter Reusser (l.), Leiter der Zerspanungstechnik und Logistik, mit René Keller, Leiter der CNC-Fertigung bei Wolfensberger.

    Peter Reusser (l.), Leiter der Zerspanungstechnik und Logistik, mit René Keller, Leiter der CNC-Fertigung bei Wolfensberger.

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Tel.: 0041-52-3961-111
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