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maschine+werkzeug 06/2019

Potenzial bei Stahl und Guss

Expertentag

Die spanende Bearbeitung von Stahl- und Gusswerkstoffen ist ein gängiges Verfahren. Die Möglichkeiten einer Effizienzsteigerung sind aber keineswegs ausgereizt – wie der Mapal-Expertentag ›Dialog‹ bewies.

Im Versuchszentrum von Mapal in Aalen informierten sich die Teilnehmer des Mapal-Dialogs über die Neuheiten des Präzisionswerkzeugherstellers für die Bearbeitung von Stahl und Guss. Bild: Mapal

Im Versuchszentrum von Mapal in Aalen informierten sich die Teilnehmer des Mapal-Dialogs über die Neuheiten des Präzisionswerkzeugherstellers für die Bearbeitung von Stahl und Guss. Bild: Mapal

Rund 150 Kunden und Zerspanungsinteressierte haben sich zum Expertentag ›Dialog‹ bei Mapal am Hauptsitz in Aalen getroffen. Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen neue Entwicklungen bei der Zerspanung von Stahl- und Gusswerkstoffen.

Mapal komme aus der Stahl- und Gussbearbeitung, sagte Dr. Jochen Kress, geschäftsführender Gesellschafter von Mapal: »Hier liegen unsere Wurzeln, auch wenn uns viele Anwender vor allem im Bereich der Aluminiumbearbeitung wahrnehmen.« Im Zuge der Erweiterung des Kerngeschäfts hat sich Mapal in den vergangenen Jahren intensiv mit diesen Werkstoffen beschäftigt. Zum einen wurde die Geometrie der Werkzeuge untersucht, zum anderen der Einsatz neuer Hochleistungsbeschichtungen. Das Unternehmen besitzt eigene Beschichtungsanlagen und einen großen Analytikbereich. Damit können nicht nur die Werkzeuge selbst, sondern auch die Werkstoffe analysiert werden. Mapal arbeitet bei der Entwicklungs- und Forschungsarbeit zudem eng mit Universitäten und wissenschaftlichen Instituten zusammen.

Einen Einblick in eines dieser Forschungsprojekte gab Prof. Dr. Dirk Biermann, Leiter des Instituts für spanende Fertigung der Technischen Universität Dortmund. Basis des Projektes war eine zentrale Anwendung, ein Bauteil eines großen Automobilherstellers. Biermann erläuterte die optimale Prozessstrategie beim Wendeltiefbohren mit Vollhartmetallwerkzeugen sowie den Einfluss der Minimalmengenschmierung auf die Temperaturentwicklung bei der Bearbeitung der Bauteile. Mit seinem Team hat Biermann ebenfalls untersucht, welche Veränderungen der Zerspanprozess an den Randzonen der Bauteile hervorruft und wie additiv gefertigte Werkzeughalter für die Schwingungsdämpfung beim Drehen genutzt werden können.

»Wir wollen unsere Stellung bei der Bearbeitung von Komponenten für Elektrofahrzeuge ausbauen.«
Dr. Jochen Kress, geschäftsführender Gesellschafter von Mapal. Bild: Mapal

»Wir wollen unsere Stellung bei der Bearbeitung von Komponenten für Elektrofahrzeuge ausbauen.«
Dr. Jochen Kress, geschäftsführender Gesellschafter von Mapal. Bild: Mapal

Ulrich Krenzer, Geschäftsführer des Mapal-Kompetenzzentrums VHM-Werkzeuge in Altenstadt, und Jochen Schmidt, Produktmanager Spanntechnik, zeigten Best-Practice-Beispiele und neue Spannfutter. Zunächst bewies Krenzer, dass ein dreischneidiges Bohrwerkzeug Höchstleistungen in Guss und Stahl erbringt. Beim Bearbeiten einer Axialkolbenpumpe wurde die Bearbeitungszeit mit einem Dreischneider im Vergleich zu einem zweischneidigen Bohrer halbiert, die Standmenge stieg von 5.400 auf 10.800 Bohrungen. Jochen Schmidt verwies auf die Vorteile der additiven Fertigung in der Hydrodehnspanntechnik. Der Spannbereich kann näher an der Wirkstelle platziert werden und die Futter bieten mehr Stabilität.

Markus Zapke, Teamleiter Tooling, Equipment & Processes im Siemens-Gasturbinenwerk in Berlin, berichtete über die Herausforderung bei der Bearbeitung der Schaufelnut einer großen Gasturbine. Üblicherweise setzt Siemens für die Bearbeitung der Nut auf das Räumen, ein spanabhebendes Verfahren zur Herstellung von Innen- und Außenprofilen. »In diesem Fall waren die Nuten zu tief, wir hätten eine neue Maschine anschaffen müssen.« Man wandte sich an Mapal. Innerhalb kurzer Zeit wurden Sonderwerkzeuge zum Fräsen entwickelt, mit denen die Bearbeitung der Nut reibungslos vonstattengeht.

Im Forschungs- und Entwicklungszentrum von Mapal sahen sich die Teilnehmer die Performance der Werkzeuge auf den Bearbeitungszentren an. Vorgestellt wurde unter anderem das Trochoide-Fräsen, die Hochleistungsbearbeitung mit den Bohrerserien ›Mega-Speed-Drill-Steel‹ und ›Tritan-Drill-Steel‹ sowie der Fräserserie ›Optimill-Uni-Wave‹. Ebenfalls im Fokus: ein neuer Spanbrecher für Stahl sowie ein Fräserprogramm mit radialen ISO-Wendeschneidplatten für die Stahl- und Gusszerspanung.

Strategische Ziele

Eine begleitende Produktausstellung zeigte weitere Einsatzfelder, in denen Mapal tätig ist, etwa den Werkzeug- und Formenbau sowie den Bereich der E-Mobilität. In diesen Branchen will Mapal sein Engagement verstärken. Gerade in der Automobilbranche warten Herausforderungen, wie Kress auf der jährlichen Pressekonferenz bekannt gab: »Wir wollen unsere Stellung bei der Bearbeitung von Komponenten für elektrisch angetriebene Fahrzeuge ausbauen und ganz vorne mit dabei sein.«

Ein Schwerpunkt liegt zudem auf der Digitalisierung und damit auf der Mapal-Tochter C-Com. Der Fokus des Tochterunternehmens hat sich erweitert. »In der Praxis haben wir gesehen, was vielen, besonders kleinen, Unternehmen fehlt – ein Angebot zum einfachen Einstieg in die digitale Welt«, so Kress. Daher bietet C-Com zahlreiche Module, die diesen Einstieg ermöglichen, darunter ein Modul zum effizienten Nachschliffhandling oder die neue C-Connect-Box zur einfachen Maschinenüberwachung.

Um seine Stellung weiter auszubauen, wurde im vergangenen Jahr kräftig in die Standorte investiert. »In Asien haben wir unter anderem ein Joint Venture in Vietnam gegründet und die Mehrheit an Adico, einem Hersteller von PKD- und PcBN-Schneidstoffen, übernommen«, präzisierte Kress. Im Februar wurde ein komplett neues Werk in Mexiko eröffnet. In Deutschland wird momentan durch eine neue Produktionshalle die Kapazität des Kompetenzzentrums für Vollhartmetallwerkzeuge in Altenstadt erhöht.

www.mapal.com

Unternehmensinformation

MAPAL Dr. Kress KG Präzisionswerkzeuge

Obere Bahnstraße 13
DE 73430 Aalen
Tel.: 07361-585-0
Fax: 07361-585-1029

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