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maschine+werkzeug 01/2019

Evolution oder Revolution?

Werkzeuge

Fachtagung – Der Werkzeugtechnik der Zukunft widmete sich die 13. Schmalkalder Werkzeugtagung mit der Frage »Evolution oder Revolution?«. Nicht weniger als 23 Fachvorträge in zwei Tagen lieferten Antworten.


Werkzeugbedarf steigt

Lothar Horn, Vorsitzender des Fachverbands Präzisionswerkzeuge im VDMA, zeigte in seiner Keynote auf, dass digitale Prozesse ein Weg in die Zukunft seien und digitale Dienstleistungen rund um die Werkzeuge an Bedeutung gewinnen, die Werkzeughersteller das Geld aber auch mit den Werkzeugen verdienen müssen. Hier gehe es in erster Linie um immer höhere Produktivität. Die Produktionsleistung betrage 20,7 Prozent am Bruttosozialprodukt, doch sei sie kein Selbstläufer. »Wir müssen alle etwas tun, um die Produktionsleistung zu gewährleisten. Ansonsten verschiebt sich die globale Gewichtung«, warnte Horn.

Neue Werkstoffe verändern laut Horn die Möglichkeiten der Zerspanung, machen neue Bearbeitungsstrategien möglich. Dabei werde noch höhere Präzision erreicht. »Die Genauigkeit wird erhöht, nicht nur µ-genau, sondern das µ wird auch noch gespalten«, so Horn. »Unsere Aufgabe ist es, dies voranzutreiben, denn wir leben alle davon.« Trotz E-Mobilität geht er von einem steigenden Bedarf an Werkzeugen bis 2030 aus. Ein Problem könnte dabei die Versorgung mit Hartmetall bereiten. Das dafür benötigte Kobalt wird zunehmend auch für Batterien, beispielsweise in Elektrofahrzeuge und Handys, verwendet. Ab 2024 drohe eine Unterdeckung bei diesem Rohstoff.

Zukunftsvisionen für die Fertigungstechnik kamen von Prof. Dr. Friedrich Bleicher, Institutsvorstand an der TU Wien. Eine zentrale Rolle werden künftig Kommunikationssysteme in der Fertigung spielen, so Bleicher. Die Leistung von Mikroprozessoren werde bis 2035 an jene des menschlichen Gehirns herankommen und auch in Geräten genutzt. Der extensive Einsatz von Industrierobotern, die Einführung von Manufacturing Execution Systems (MES) oder die Nutzung von kognitiven Teilsystemen in Fertigungsanlagen dienen der Umsetzung einer ganzheitlichen Vision einer weitestgehenden automatisierten Wertschöpfungskette.

Jacek Kruszynski von Walter in Tübingen referierte über traditionelle Fertigungsmodelle im Umbruch. Visionen und Ansätze für eine vernetzte Fertigung seien in der zerspanenden Industrie bereits angekommen, teilweise sogar schon weit fortgeschritten. Aber wie Kruszynski ausführte, fällt die Orientierung schwer: »Digitalisierung befindet sich auf einer exponentiellen Kurve, aber wir wissen nicht genau, an welchem Punkt wir sind.« Sensoren produzieren eine Unmenge unstrukturierter Daten, wobei sich die Frage stelle, wie damit umgegangen wird. Dabei stelle sich auch die Frage, welche Entscheidungen künftig noch von Menschen getroffen werden und welche von Systemen. Digitale Assistenten werden dem Menschen künftig sehr viele Entscheidungen zu Prozessen und Bearbeitungsstrategien abnehmen, so Kruszynskis Ausblick. Bereits 2025 könnte die Mehrzahl dieser Entscheidungen von Systemen und Maschinen getroffen werden. »Unsere Branche digitalisiert sich, aber wir zerspanen nach wie vor«, so Kruszynski. »Wir sammeln aber Wissen, das künftig in weitere Produkte und Services einfließen wird.«

  • Im Hörsaal der Hochschule Schmalkalden ging es um die Werkzeugtechnik der Zukunft. Bild: maschine+werkzeug

    Im Hörsaal der Hochschule Schmalkalden ging es um die Werkzeugtechnik der Zukunft. Bild: maschine+werkzeug

  • Veranstalter (v. l.): Lothar Horn (VDMA Präzisionswerkzeuge), Prof. Dr. Elmar Heinemann (Hochschule Schmalkalden), Prof. Dr. Frank Barthelmä (GFE). Bild: maschine+werkzeug

    Veranstalter (v. l.): Lothar Horn (VDMA Präzisionswerkzeuge), Prof. Dr. Elmar Heinemann (Hochschule Schmalkalden), Prof. Dr. Frank Barthelmä (GFE). Bild: maschine+werkzeug

  • Digitale Prozesse waren das Thema von Jacek Kruszynski (Walter AG). Bild: maschine+werkzeug

    Digitale Prozesse waren das Thema von Jacek Kruszynski (Walter AG). Bild: maschine+werkzeug

  • Dr. Uwe Schleinkofer (Ceratizit) präsentierte innovative Werkzeuglösungen. Bild: maschine+werkzeug

    Dr. Uwe Schleinkofer (Ceratizit) präsentierte innovative Werkzeuglösungen. Bild: maschine+werkzeug

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