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maschine+werkzeug 11-12/2009

"Die Schnittstelle Maschine-Werkzeug sollte in modularen Werkzeugen einheitlich sein."

Technik

Interview Der Markt für Werkzeugschnittstellen ist in Bewegung. Der Grund sind neue Maschinengattungen. Jürgen Puschmann-Frenken erläutert dazu die Ziele von Kennametal.

Herr Puschmann-Frenken, wie hat sich der Markt für Werkzeugspannungen verändert?

Wenn ich mir die Historie der Werkzeugspannsysteme verdeutliche, hat sich eine kontinuierliche Entwicklung hin zum universellen Werkzeugsystem vollzogen. Es begann mit dem allseits bekannten, Steilkegel für rotierende Anwendungen, sowie dem Vierkantklemmhalter und der Bohrstange für Drehmaschinen. Es folgten die ersten Schnellwechselsysteme, wie das Multiflex-System, das Blocktool-System, das ABS-System und das FTS-System, um nur einige zu nennen. Einige waren ausschließlich für Drehmaschinen konzipiert (Blocktool) oder für Bearbeitungszentren (ABS). Andere zeigten den Ansatz der universellen Nutzbarkeit, wie etwa das Multiflex-System und das FTS-System. Die bekanntesten Werkzeugspannsysteme heute sind unser KM-System, das Capto-System von Sandvik Coromant und das HSK-Werkzeugsystem – inzwischen alles genormte Systeme.

Durch was wird diese Entwicklung getrieben?

Ausschlaggebend für die genannten Entwicklungen war und wird auch für die Zukunft die steigende Anforderung an die Genauigkeit der Werkstücke, sowie der Konkurrenzdruck bei den Kunden sein, immer wirtschaftlicher zu produzieren.

Gibt es noch weitere Veränderungen?

Zurückblickend kann ich sagen, dass der Markt sich noch zusätzlich verändert hat. Die Kunden fordern ein Werkzeugspannsystem, das nicht nur den Anforderungen bezüglich der Genauigkeit, Universalität und einfacher Handhabung gerecht wird. Wichtig ist auch, dass ein Werkzeugspannsystem ein technisches Potenzial für zukünftige Anwendungen in sich vereinigen sollte. Und diese künftigen Anwendungen liegen, wie wir heute wissen, in der zunehmenden Bedeutung von Dreh- Fräs- beziehungsweise Fräs-Dreh-Maschinen. Auf diesen sind Schnellwechselsysteme und Multitasking-Systeme nicht wegzudenken.

Wie passt das Segment Werkzeugspannung in die Gesamtstrategie von Kennametal?

Kennametal versteht sich als Partner und Dienstleister. Unsere Zielsetzung ist Kundenzufriedenheit und die Steigerung deren Wettbewerbsfähigkeit. Die Werkzeugspannung gehört für uns untrennbar dazu. Hier können wir nicht nur technisch den Prozess verbessern, sondern auch auf die Wirtschaftlichkeit Einfluss nehmen. Dafür steht nun seit über 20 Jahren unser erfolgreich am Markt etabliertes, und ständig verbessertes KM-System, das sich zu einem Kernprodukt entwickelt hat. Natürlich verlieren wir die weiteren wichtigen Werkzeugsysteme nicht aus den Augen, wie etwa unsere Neuvorstellung der Werkzeuge entsprechend der neuen ISO Norm HSK-T zeigt.

Betreiben Sie technologische Entwicklungen hinsichtlich der Schnittstellen Maschine-Spannsystem und Spannsystem-Werkzeug unabhängig voneinander?

Die Antwort ist ein klares ›Ja‹. Wir unterscheiden zwischen dem sogenannten ›Front-end‹ und ›Back-end‹ eines Werkzeuges. Gemeinsam ist beiden, dass, um an der Schneide ein optimales Bearbeitungsergebnis zu erzielen, eine feste, biege- und torosionssteife Verbindung unerlässlich ist.

Was sind die ›Trends‹ an den beiden Enden des Spannsystems?

In der modernen Fertigung geht der Trend eindeutig in die Richtung, dass die Schnittstelle Maschine-Werkzeug und mögliche weitere Schnittstellen in modularen Werkzeugen einheitlich sein sollten. Das ist die Stärke von unserem KM-System, dennoch entwickeln wir auch weitere Schnittstellen, je nach den Erfordernissen der jeweiligen Werkzeugplattform. Beispiele sind unsere Hydrodehnspanntechnik sowie die neue KST-Schnittstelle für modulare Reibwerkzeuge oder die FDS-Kupplung am KSEM- Plus Bohrer.

Welche Anforderungen muss ein Spannsystem erfüllen?

Ein Werkzeugwechselsystem muss in erster Linie einfach in der Handhabung sein, biege- und torsionssteif unter Last sein, sowie eine hohe Wiederholgenauigkeit beim Werkzeugwechsel aufweisen. Es muss die heutige und zukünftige Anforderung seitens der inneren Kühlmittelzufuhr von Schneidwerkzeugen unterstützen und dem Trend nach gesteigerten Kühlmitteldrücken gewachsen sein. Es ist ideal, wenn die Schnittstelle Maschine-Werkzeug standarisiert ist, was bei unseren KM-Systemen der Fall ist. Ein nicht zu unterschätzender Faktor ist die Herstellbarkeit der Schnittstelle. Eine Standarisierung ist nicht allein ausschlaggebend für eine weite Verbreitung. Die Schnittstelle muss mit den vorhandenen Fertigungsmitteln herstellbar sein, was für HSK und KM spricht.

Wäre es da nicht im Sinne der Kunden, wenn man zu einer weitgehenden Standardisierung der Schnittstelle zwischen Werkzeug und Maschine käme?

Eine Standardisierung der Schnittstelle Maschine-Werkzeug ist natürlich die Optimallösung, die es anzustreben gilt. Es existieren bereits drei standarisierte Werkzeugsysteme am Markt, die für stehende- und rotierende Anwendungen gleichermaßen geeignet sind. Eines dieser drei Systeme ist unser KM-System, dass 2008 zum internationalen Standard erklärt wurde. Unser KM-System bietet den Nutzen einer universellen Schnittstelle. Zudem arbeiten wir eng mit den Entwicklungsabteilungen unser Kunden und Partner zusammen, um optimale Lösungen zu erarbeiten.

Neben dem von Kennametal entwickelten KM-System sind ja nun auch die Wettbewerbssysteme ›Capto‹ und ›HSK-T‹ ISO-Standard. Wie sehen Sie die Position des KM-Systems in Zukunft?

Natürlich verfolgen wir die Marktdurchdringung der Wettbewerbssysteme genau. Wir verfolgen verständlicherweise die Strategie, unsere Eigenentwicklung in den Vordergrund zu stellen. Wir haben aber auch handfeste Gründe, warum wir das KM-System für zukunftsweisend halten.

Sind das technologische Gründe?

Ja. Vom technologischen Standpunkt aus betrachtet haben die beiden Herstellersysteme eindeutig Vorteile seitens Genauigkeit und Steifigkeit. Das KM-System hat jedoch den entscheidenden Vorzug, dass es nach dem Dreiflächenprinzip arbeitet. Das heißt zur Anlage kommen die Plananlage sowie der vordere und hintere Kegelbereich. Dadurch ist eine bestmögliche Steifigkeit gewährleistet. Außerdem ist es rotationssymmetrisch, sodass ein Werkzeug auch um 180 Grad gedreht eingesetzt werden kann. Ebenso möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass die Betätigungskräfte für manuelle Spannung beim KM-System geringer sind als die von anderen Systemen.

Als weiteren Vorteil sehe ich die fertigungstechnische Nähe zum HSK-System. Werkzeughersteller, respektive Spindelhersteller, müssen nicht über den Kauf neuer Maschinen nachdenken, um den KM-Anschluss zu fertigen. Somit liegt unserer Auffassung nach eigentlich nur beim KM-System die Kombination aus technischer Eignung als Schnellwechsel- und Multitaskingsystem plus einer ›echten‹ Standardisierung vor.

Stellt Kennametal auch die anderen Systeme her?

Selbstverständlich bieten wir Werkzeuge mit dem Steilkegel- und HSK-Anschluss an. Gerade jetzt starten wir die Markteinführung des neuen HSK-T-Systems, das speziell für Drehanwendungen konzipiert ist. Eigenfertigung und Eigenentwicklung des Polygonanschlusses betreiben wir nicht. Werden von unseren Partnern Aufnahmelösungen mit Polygonanschluss explizit angefragt, so sind wird gerne bereit, eine optimale Lösung im Sinne der gesamten Prozesskette anzubieten.

In welchen Bereichen erwarten Sie Maschinenausrüstungsaktivitäten und somit Marktchancen für Ihre Spannsysteme?

Das ist natürlich ein ganz aktuelles Thema. In allen Medien wird derzeit über die Reduktion des CO2-Ausstoßes diskutiert. Die umweltverträgliche Energiegewinnung, wie Solar-, Wasser und Windkraft spielt eine wesentliche Rolle. In den Bereichen ›Energie‹ und ›Transport‹ wird es in Zukunft Veränderungen geben. Lassen Sie mich den Bereich Energie aufgreifen, und hier speziell die Windkraftanlagen. In diesem Bereich erwarte ich kurz- und mittelfristig Investitionen zur Ausweitung der Fertigungskapazitäten in Deutschland, um das Ziel unserer Bundesregierung, die Abhängigkeit von fossilen Kraftwerken zu reduzieren, zu erreichen.

In welchen Segmenten und Anwendungen spielt KM seine besonderen Stärken aus?

Natürlich wird es das Segment ›Transport‹ betreffen. Wir beobachten jedoch auch das Energiesegment genau und bieten unseren Kunden jeweils eine adäquate Lösung für die wirtschaftlichste Fertigung der Einzelkomponenten an. Ein Werkzeugschnellwechsel-System, wie das KM-System, ist ein kaum verzichtbarer Ansatz für eine wirtschaftliche Fertigung.

Welche Ansätze verfolgt Kennametal, um den Weg aus der derzeitigen Krise zu bewältigen?

Wenn unsere Kunden von der Rezession betroffen sind, so sind auch wir nicht ›immun‹ dagegen. Auch wir spüren die Auswirkungen. Erste zarte Anzeichen der Erholung sind zu lesen. Diese leichte Trendwende vermerken wir positiv. Wir hoffen, dass in den nächsten Monaten eine konjunkturelle Belebung eintritt. Wichtig ist, dass wir unsere Produkte während der schwierigen Phase des vergangenen halben Jahres mit Nachdruck verbessert haben. Eine neue Plattform für Drehbearbeitungen mit Alleinstellungsmerkmalen ist entwickelt worden, eine neue Wendeplattengeneration ›Beyond‹ und die neuen schwingungsgedämpften Bohrstangen mit KM-Schnittstelle gehören zu den Top-Innovationen von Kennametal.

www.kennametal.com

  • Bild 1: Die Schnittstelle Maschine-Werkzeug sollte in modularen Werkzeugen einheitlich sein.

    Bild 1: Die Schnittstelle Maschine-Werkzeug sollte in modularen Werkzeugen einheitlich sein.

  • Das KM-System von Kennametall ist ein äußerst flexibles Werkzeugsystem. Mit ihm sind Adapter für Reibahlen ebenso ausgerüstet wie Werkzeuge für Wendeplatten, Spannzangenfutter zum Spannen von Fräsern oder auch Sonderwerkzeuge für die Großserienfertigung. Besonders Kombinationsmaschinen wie etwa Dreh-Fräszentren profitieren von dessen Einsatz.

    Das KM-System von Kennametall ist ein äußerst flexibles Werkzeugsystem. Mit ihm sind Adapter für Reibahlen ebenso ausgerüstet wie Werkzeuge für Wendeplatten, Spannzangenfutter zum Spannen von Fräsern oder auch Sonderwerkzeuge für die Großserienfertigung. Besonders Kombinationsmaschinen wie etwa Dreh-Fräszentren profitieren von dessen Einsatz.

  • Bsp: Werkzeuge für Wendeplatten

    Bsp: Werkzeuge für Wendeplatten

  • Bsp: Spannzangenfutter zum Spannen von Fräsern

    Bsp: Spannzangenfutter zum Spannen von Fräsern

  • Bsp: Sonderwerkzeuge für die Großserienfertigung

    Bsp: Sonderwerkzeuge für die Großserienfertigung

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Inhaltsverzeichnis
  • 1: "Die Schnittstelle Maschine-Werkzeug sollte in modularen Werkzeugen einheitlich sein."
  • 2: Vita
Unternehmensinformation

Kennametal Shared Services GmbH

Wehlauer Straße 73
DE 90766 Fürth
Tel.: 0911-9735-0
Fax: -388

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