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maschine+werkzeug 02/2019

»Der Werkzeugrevolver reicht nicht mehr, um Wachstum zu generieren.«

Markt

Interview – Sauters Weg vom mittelständischen Hersteller von Werkzeugrevolvern zum marktführenden Systemanbieter von intelligenten Werkzeug-/Werkstückträgersystemen beschreibt Geschäftsführer Michael F. Rudloff.


Den Namen Sauter verbindet man unweigerlich mit Werkzeugrevolvern. Ist das Fluch oder Segen?

Wir sind stolz darauf, dass unser Unternehmensgründer und die zweite Generation des Unternehmens den Mut, das Durchhaltevermögen und die Kraft aufgebracht haben, sich erfolgreich vom Hersteller von sogenannten ›Kopiermaschinen‹ zum Erfinder und Marktführer von Werkzeugrevolvern weiterzuentwickeln. Eine Aufgabe von Sauter ist es nun, sich vom führenden Hersteller von Werkzeugrevolvern zum marktführenden Systemanbieter von intelligenten Werkzeug-/Werkstückträgersystemen zu entwickeln. Daran arbeiten wir aktuell mit Hochdruck. Das erzeugt nicht nur einen Mehrwert für den Maschinenhersteller, sondern auch für den Endverbraucher, denn da geht es um Produktivität.

Wie steht Sauter im Vergleich zum Wettbewerb da?

Unsere Entwicklungskompetenz liegt auf technisch anspruchsvollen Komponenten, Modulen und Systemen, die höchsten Zuverlässigkeitsanforderungen genügen. Wir streben eine Marktpositionierung als führendes Technologieunternehmen in den Themenfeldern Werkzeug-/Werkstückträgersysteme von Werkzeugmaschinen an. Andere Hersteller von Werkzeugrevolvern sind oft Maschinenhersteller und damit auch Kunden von uns. Wenn wir nun komplette Systeme automatisiert und digitalisiert anbieten, kann ich mir vorstellen, dass sie von ihren eigenen Produkten abrücken und auf unsere umschwenken. Das geht sicher nicht über den Preis, sondern über die Technologie und den Service.

Dreht sich auch in Zukunft alles um den Revolver?

Der Revolver ist nach wie vor eine wichtige Komponente in unserem Leistungsportfolio. Aber Sauter ist inzwischen ein Komplettausstatter von Werkzeugmaschinen. Unser Anspruch ist es, der Experte für alle drehenden Achsen in Werkzeugmaschinen zu sein. Deshalb haben wir den Ausbau unserer Produktpalette kontinuierlich weiter vorangetrieben und unsere Entwicklungskapazitäten verstärkt. Im Bereich Werkzeugträgersysteme bieten wir unseren Kunden neben den Werkzeugrevolvern ein breites Spektrum an leistungsstarken Tooling-Komponenten wie Werkzeughalter für angetriebene und statische Werkzeuge und Motorspindeln an. Mit unseren Rundtischen sind wir im Jahr 2018 erfolgreich in den Markt eingetreten. Die Präsentation unseres vollautomatischen und halb automatischen Robofix rundet unser Streben nach der Komplettausstattung von Werkzeugmaschinen ab. Aber dass wir neben Revolvern und den statischen/angetriebenen Werkzeugen auch Motorspindeln und Rundtische produzieren, ist dem Markt nicht durchgängig bekannt. Jetzt ist es wichtig, unseren Kunden zu vermitteln, welch breites Wissen und Know-how wir in diesen Produkten ebenfalls haben.

Hat Sauter Ihrer Ansicht nach lange sein Licht zu sehr unter den Scheffel gestellt?

Unser Unternehmen agierte in der Vergangenheit wie viele deutsche mittelständische Familienunternehmen. Vertrauend auf unsere Innovationskraft, dem Know-how unserer Mitarbeiter und der gewachsenen langjährigen Zusammenarbeit mit einem festen Kundenstamm hat sich Sauter mit seinem Produkt – seiner Erfindung – dem ›Werkzeugrevolver‹ in den Markt Drehmaschinen gestellt. Heute reicht der Werkzeugrevolver nicht mehr aus, um profitables Wachstum in der Zukunft zu generieren, die Kundenzufriedenheit auf hohem Niveau zu halten und neue engagierte Mitarbeiter für ein Unternehmen zu gewinnen. Die Märkte und deren Anforderungen, die Entwicklungszyklen, die Informationsfluss- und die Reaktionsgeschwindigkeiten entwickeln und verändern sich immer rasanter. Wir müssen daher mehr auf Geschwindigkeit gehen, brauchen kürzere Entwicklungszyklen. Unternehmen müssen sich anpassen und sich stets neu in zeitlichen Abständen hinterfragen. Das tut Sauter. Wir bewahren nicht die Asche unseres Unternehmensgründers, sondern tragen sein Feuer, seinen Erfindergeist mit uns und adaptieren unsere Innovationskraft an veränderte Marktbedingungen.

Wohin soll sich das Unternehmen technologisch entwickeln?

Sauter arbeitet an Lösungen für den digitalen Informationsaustausch zwischen Werkstück, Werkzeug und Bearbeitungsmaschine. Ziel ist es, auf der EMO 2019 erste marktreife Produkte zu präsentieren.

Wo sehen Sie Wachstumspotenziale für Sauter?

In Europa sind wir gesetzt und mit unseren Standorten in Deutschland und Ungarn gut positioniert. International verfolgen wir eine klare Wachstumsstrategie. Wachsen müssen wir vor allem in Asien und Amerika. In Asien sind wir über unsere Kunden schon gut vertreten, aber dort gibt es auch einen riesigen Binnenmarkt und es geht um wesentlich höhere Losgrößen. Da kann es sinnvoll sein, mit einem Kooperationspartner zu arbeiten und zunächst komplette Systeme aus Europa zu liefern, dann nur noch Baugruppen für die Montage vor Ort und irgendwann die Systeme für diesen Markt komplett dort zu fertigen.

In welcher diese Phasen sind Sie aktuell?

Wir haben bereits eine solche Kooperation im Großraum Schanghai und planen ein weitergehendes Joint Venture. Ziel ist es, für China in China zu produzieren. Für Nordamerika haben wir mit unserer neuen Sales- und Serviceniederlassung in Detroit bereits den Grundstein für weiteres Wachstum gelegt. Ein Vertriebsbüro eröffnen wir im Frühjahr in Mexiko.

Tut sich auch im deutschen Stammhaus etwas?

Der Umsatz aus Europa soll stark bleiben, auch aufgrund der Exportstärke der europäischen Länder. Zur Bewältigung des Wachstums ist eine solide finanzielle Basis erforderlich. Diese gilt es kontinuierlich zu verbessern. Wichtige Themen sind hier die kontinuierliche Verbesserung der Produktivität und die Verbesserung des Cashflows. In der letzten Abstimmung mit unseren Gesellschaftern haben wir ein großes Investitionsprogramm für Maschinen hier am Standort Metzingen beschlossen. Das ist ein Paket von über 10 Millionen Euro für die nächsten zwei Jahre, mit dem hier auch zukünftig qualifizierte Arbeitsplätze in Deutschland abgesichert werden. Wir setzen damit auch zunehmend auf automatisierte Anlagen. Die Mitarbeiterzahl soll konstant bleiben.

Metzingen liegt im Einzugsbereich großer Firmen. Haben Sie es dadurch schwer, Fachkräfte in ausreichender Zahl zu finden?

Nein. Wir bilden selber aus und stellen so seit Jahrzehnten einen regelmäßigen ›Fachkräftenachschub‹ für unser Unternehmen sicher. Im Umkreis befinden sich großartige Hochschulen für alle Berufsfelder. Sauter Feinmechanik genießt einen hervorragenden Ruf als attraktiver Arbeitgeber. Selbstverständlich gibt es aktuell Tätigkeitsfelder, bei denen auch uns die Rekrutierung schwererfällt, etwa bei Elektroingenieuren, Elektrikern und Softwarespezialisten. Das ist bei der derzeitigen Lage am Arbeitsmarkt und bei den Veränderungen in der Wirtschaft auch nicht verwunderlich, aber das regionale Umfeld ist für uns eher hilfreich als hinderlich.


Vita
Michael F. Rudloff wurde 1960 in Bad Kissingen geboren. Seinen Abschluss zum Diplom-Wirtschaftsingenieur machte er an der Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt. Berufliche Stationen waren Hansa Metallwerke, Behr, Mahle und Bystronic, ehe er im April 2017 zur Sauter Feinmechanik GmbH nach Metzingen kam, wo er zunächst Vorsitzender der Geschäftsleitung war. Seit Januar 2018 ist Rudloff CEO / alleiniger Geschäftsführer.

www.sauter-feinmechanik.com


Inhaltsverzeichnis
Unternehmensinformation

Sauter Feinmechanik GmbH

Carl-Zeiss-Strasse 7
DE 72555 Metzingen
Tel.: 07123-926-0
Fax: -191

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