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maschine+werkzeug 07/2019

»Hartmetall ist für uns heute wichtiger als Keramik.«

Interview

In Kyoceras Firmenzentrale in Kyoto beantwortete Senri Nagashima, Geschäftsführer der Industrial Tool Group, Fragen deutscher Journalisten.

Senri Nagashima, Deputy General Manager Kyocera Industrial Tool Group, Kyoto. Bild: maschine+werkzeug

Senri Nagashima, Deputy General Manager Kyocera Industrial Tool Group, Kyoto. Bild: maschine+werkzeug

Herr Nagashima, welchen Marktanteil haben die Zerspanwerkzeuge von Kyocera?

In Japan haben wir einen Marktanteil von 22 bis 23 Prozent. Weltweit sind wir weniger stark, haben global einen Marktanteil von etwa 7 bis 8 Prozent. In Europa dürfte unser Anteil bei 3 bis 4 Prozent liegen.

Wie sehen hier Ihre weiteren Ziele aus?

Wir streben nicht den Massenmarkt an, sondern wollen mit High-End-Werkzeugen präsent sein. Aus der Sicht eines japanischen Herstellers ist besonders der europäische Markt sehr schwierig. Um hier mitzuhalten, müssen wir hochwertige Werkzeuge mit einem entsprechenden Support anbieten, was wir zum Beispiel mit unseren Technologiezentren tun.

Aber Sie sehen da Potenzial?

Ja, das sehen wir. Europa hat einen ausgesprochenen High-End-Markt. Um hier unsere Stärken zu zeigen, haben wir entsprechende Werkzeuge eingeführt. Alles andere würde der Markt nicht annehmen.

Kyocera hat in den vergangenen Jahren mehrere Firmen aufgekauft. Sie haben hohe Ziele für Europa. Ist es denkbar, dass Kyocera einen deutschen Werkzeughersteller übernimmt?

Wir haben in der Tat etliche Firmen übernommen. Aber es geht in unserer Branche nicht zu wie im Supermarkt. Vor allem müsste sich da eine Gelegenheit auftun. Die hatten wir bislang aber nicht. Mit der Unimerco in Dänemark konnten wir 2011 ein sehr gutes Unternehmen übernehmen. Wenn sich uns solche Chancen bieten, nutzen wir diese. Wichtig ist aber auch, dass man zusammenpasst und die Chemie stimmt.

Was würde Ihnen noch fehlen?

Wir sind nicht auf Massenproduktion aus. Eher würden wir ein kleines Unternehmen mit hoch entwickelter Technologie vorziehen. Da kann es um Maschinenbau, Geometrie, Beschichtung oder Material gehen. Wenn wir Unternehmen akquirieren, streben wir eine gute Zusammenarbeit zwischen den Firmen an.

Ein gutes Unternehmen mit interessanter Technologie könnte also interessant für Sie sein?

Ja, durchaus. Bislang kennen wir aber keines. Vielleicht ergibt sich ja in der Zukunft etwas, wir sind da offen für alles.

Kyocera verkauft in Deutschland vor allem über Händler. werden sie damit langfristig weiterkommen oder denken Sie auch über Alternativen nach?

Nach meiner Ansicht wird eine Mischung der beste Weg sein. Großkunden legen Wert auf Direktkauf und den Support direkt durch den Hersteller. Der Kunde sollte immer die Wahl haben zwischen einem Händler in seiner Nähe, der Werkzeuge am Lager verfügbar hat, oder uns als Hersteller.

Bei den Werkzeugen hatte Kyocera mit Keramik und Cermet begonnen. Wann kam Hartmetall hinzu und wie hat sich dieser Bereich entwickelt?

Mit beschichtetem Hartmetall kamen wir 1984 auf den Markt mit unseren Wendeschneidplatten CA225. Das Produkt lief sehr gut, wurde aber zwischenzeitlich natürlich abgelöst. Heute bestehen etwa zwei Drittel unserer Werkzeuge aus Hartmetall.

Wächst dieser Bereich weiter?

Ja. Wir entwickeln vor allem neue Beschichtungen in PVD und CVD. Es werden aber auch neue Cermet-Produkte kommen. Hartmetall ist für uns heute wichtiger als Keramik. Keramikwerkzeuge bieten wir zwar weiterhin an, aber der Kundenkreis dafür ist sehr begrenzt. Beschichtetes Hartmetall kann wesentlich flexibler eingesetzt werden und diese Produkte entwickeln sich auch ständig weiter.

Heißt dass, Ihre Entwicklungsaktivitäten sind in den kommenden Jahren auf Hartmetall ausgerichtet?

Ja, wir arbeiten hier an vielen neuen Produkten, aber auch in den Bereichen CBN, PCD und Cermet wird Neues entwickelt. Wir stellen uns hier breit auf und brauchen dafür mehr Produkte und Applikationen. Wir müssen daher in alle Bereiche investieren.

Haben Sie eine Strategie für die E-Mobilität?

Die Zahl der Elektrofahrzeuge wächst. Entsprechend werden im Automobilbau weniger mechanische Teile benötigt, was vor allem die Getriebe betrifft. Auf der anderen Seite kommt die Bearbeitung von Leichtbauwerkstoffen wie Aluminium und Kohlefaser hinzu. Der Wandel im Automobilbau wird einen großen Einfluss auf unsere Branche haben, aber es werden auch neue Geschäftsfelder entstehen. Kurzfristig werden wir Zerspaner einige Schwierigkeiten zu bewältigen haben. Wenn wir aber für die Bearbeitung der neuen Materialien gute Produkte und Lösungen zeigen, sehen wir Chancen, in diesem Markt zu wachsen.

Welches Ihrer zahlreichen Technologiecenter ist das beste?

Aus meiner Sicht ist es das in Deutschland. Das rührt daher, dass wir in Europa einen High-End-Markt und viele schwierige Kunden haben. Natürlich ist Japan für uns wichtig, aber in Deutschland können wir uns weiterentwickeln. Typischerweise findet die Materialentwicklung in Japan statt und unsere deutschen Kollegen kümmern sich um die Auslegung der Geometrien und um die Applikationen. Wir stimmen uns da eng ab.

Gilt das nur für Sonderlösungen oder auch für Standardwerkzeuge?

Für beides. Alle unsere Technologiezentren arbeiten eng mit dem Headquarter in Japan zusammen, um auf die Anforderungen der Kunden einzugehen.

Welchen Anteil haben Sonderwerkzeuge?

Insgesamt überwiegen bei uns sicherlich die Standardprodukte. Sonderlösungen spielen vor allem bei Automotive eine große Rolle. Unser Unimerco-Werk in Dänemark fertigt dafür nahezu ausschließlich kundenspezifische Werkzeuge.

www.kyocera.de

Unternehmensinformation

Kyocera Fineceramics GmbH

Fritz-Müller-Str. 27
DE 73730 Esslingen
Tel.: 0711-93 934 -0
Fax: 0711-93 934 - 950

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