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maschine+werkzeug 07/2019

Kyocera scheut keinen Vergleich

Unternehmen

Erstmals hat Kyocera seine Werkzeugproduktion für deutsche Journalisten geöffnet. Neben Einblicken in Fertigung und Technologiecenter gab es auch Informationen zu neuen Produkten.

Sendai ist das größte Werk der Kyocera Industrial Tools Group. Bild: Kyocera

Sendai ist das größte Werk der Kyocera Industrial Tools Group. Bild: Kyocera

Die Anfänge des Weltkonzerns Kyocera nehmen sich unspektakulär aus. 1959 begann der damals 27-jährige Kazuo Inamori mit der Herstellung von Isolatorstäbchen, die für Bildröhren von Fernsehgeräten benötigt wurden.Im Laufe der Jahrzehnte taten sich immer mehr Bereiche auf, in denen die Feinkeramik eingesetzt werden konnte. Aus Kyoto Ceramic wurde Kyocera.

Im Technologiezentrum begutachten Techniker die Testergebnisse und stellen Vergleiche an. Bild: maschine+werkzeug

Im Technologiezentrum begutachten Techniker die Testergebnisse und stellen Vergleiche an. Bild: maschine+werkzeug

Heute füllen die Produkte ein ganzes Museum in der Konzernzentrale in Kyoto und dokumentieren den Aufstieg des Unternehmens zum Technologiekonzern. Dazu gehören die vielfältigen Einsatzbereiche für die Feinkeramik, aber auch Komponenten für Kommunikations- und Unterhaltungselektronik bis hin zu Endprodukten wie Kameras und Druckern. Daneben ist Kyocera zu einem der weltweit größten Produzenten von Solarenergie-Systemen geworden. Und natürlich stellt Kyocera auch Zerspanwerkzeuge her, die bei der Kyocera Industrial Tool Group angesiedelt sind.

Kyoceras neue, goldfarbene CCX-Platte mit CVD-Beschichtung (rechte Bilder) zeigt im Test weniger Freiflächenverschleiß als eine herkömmliche PVD-beschichtete Platte eines Wettbewerbers. Bild: maschine+werkzeug

Kyoceras neue, goldfarbene CCX-Platte mit CVD-Beschichtung (rechte Bilder) zeigt im Test weniger Freiflächenverschleiß als eine herkömmliche PVD-beschichtete Platte eines Wettbewerbers. Bild: maschine+werkzeug

Das Kyocera-Hochhaus war lange Kyotos höchstes Gebäude. Nebenan ist dem Firmengründer ein eigenes Museum gewidmet, die Inamori Library. Hier werden politische und wirtschaftliche Entwicklungen thematisiert, vor allem aber das humanistische Weltbild des heutigen Zen-Buddhismus-Priesters Inamori und seine Unternehmensphilosophie.

Von Inamori stammt das sogenannte ›Amöben-Management‹. Es teilt das Personal in oft winzige Bereiche auf, die ihre eigenen Pläne machen und als unabhängige Gewinn- und Verlust-Einheiten wie kleine Profit-Center geführt werden. Zusammengenommen haben all die ›Amöben‹ mit knapp 76.000 Mitarbeitern im vergangenen Geschäftsjahr einen Umsatz von rund 13,4 Milliarden Euro für den Konzern erwirtschaftet.

Hinterlässt weniger Späne in der Bohrung (untere Probe) als andere: Das neue Innen-Einstechwerkzeug SIGC. Bild: maschine+werkzeug

Hinterlässt weniger Späne in der Bohrung (untere Probe) als andere: Das neue Innen-Einstechwerkzeug SIGC. Bild: maschine+werkzeug

Von Kyoto aus erreicht man mit dem Shinkansen in vierstündiger Fahrt im äußersten Südwesten Japans die Stadt Kagoshima, in deren Nähe sich Sendai befindet. Hier in der Provinz ist der größte von drei Produktionsstandorten der Kyocera Industrial Tool Group in Japan entstanden.

Sendai ist Kyoceras Werkzeugschmiede. Den Anstoß für die Herstellung von Zerspanwerkzeugen hat Kazuo Inamori dem Vernehmen nach beim Besuch eines deutschen Autobauers bekommen. Als 1972 die Produktion in Sendai aufgenommen wurde, fuhr der Hersteller von Beginn an zweigleisig und fertigte neben Keramikwerkzeugen auch solche aus Cermet. Später folgen dann Hartmetallwerkzeuge. Das ursprüngliche Werk mit 19 Gebäuden wurde inzwischen um einen zweiten Block erweitert, der die Fläche des Werks auf insgesamt 200.000 Quadratmeter vergrößerte.

Die Neuheiten bewährten sich im Vergleich (von oben): JCT-Halter mit IK bis 300 bar, MEAS-Fräser zur Aluminiumbearbeitung, SIGC-Einstechwerkzeug für kleine Durchmesser. Bild: maschine+werkzeug

Die Neuheiten bewährten sich im Vergleich (von oben): JCT-Halter mit IK bis 300 bar, MEAS-Fräser zur Aluminiumbearbeitung, SIGC-Einstechwerkzeug für kleine Durchmesser. Bild: maschine+werkzeug

Wie in Kyotos Tempeln sind hier in der Fertigung Straßenschuhe tabu, Besucher werden in Badeschlappen herumgeführt. Station für Station erläutern Mitarbeiter alle Schritte der Fertigung von Hartmetallwerkzeugen. Ein Joint Venture mit einer chinesischen Firma macht es möglich, sich mit Pulver als wichtigem Rohstoff aus der eigenen Unternehmensgruppe zu versorgen.

Museumsstücke: Mit Isolatoren für Bildröhren fing bei Kyocera alles an. Bild: maschine+werkzeug

Museumsstücke: Mit Isolatoren für Bildröhren fing bei Kyocera alles an. Bild: maschine+werkzeug

Erster Prozessschritt ist der Pulverturm. Das Material, das am Schluss eine Partikelgröße von 50 bis 100 µm hat, wird hier getrocknet und mit einem von Kyocera entwickelten Verfahren so aufbereitet, dass es sehr gut fließt. Das ist wichtig, um für das anschließende Pressen eine homogene Dichte zu bekommen. Die automatisierten Pressen spucken alle fünf Sekunden eine Wendeschneidplatte aus. 26 davon sind Im Werk Sendai im Einsatz. Beim darauf folgenden Sinterprozess schrumpfen die Rohlinge um die Hälfte. In diesem Prozessschritt steckt wieder viel Know-how von Kyocera, mit dem unter die Entstehung der Kristallstruktur gesteuert wird. Nach dem Schleifen und der Kantenpräparation werden die Schneidplatten in CVD- oder PVD-Anlagen beschichtet.

Fertigung und Forschung

Zur Unternehmensphilosophie gehört es, die jeweiligen Produktionsstandorte mit Forschung und Entwicklung zu verknüpfen. Die Technologiezentren sichern die Qualität, treiben die Entwicklung voran und sind Schnittstellen zu den Kunden. Im Technologiezentrum Sendai präsentieren die Japaner nicht nur ihre neuesten Produkte, sondern fahren auch Vergleiche – mit älteren Werkzeugen, anderen Technologien und Konkurrenzprodukten.

Die Firmenzentrale in Kyoto. Bild: Kyocera

Die Firmenzentrale in Kyoto. Bild: Kyocera

Werkzeuge, die in Deutschland erstmals auf der EMO zu sehen sein werden, treten hier gegen Produkte internationaler Marktführer an. Stolz führen die Techniker vor, wie ihre neuen CVD-beschichteten Cermet-Schneidplatten CCX auch bei hoher Bearbeitungsgeschwindigkeit weniger Verschleiß zeigen und ein höheres Zeitspanvolumen erzeugen.

Nach einem Vergleichstest von Stechwerkzeugen werden die Löcher inspiziert. In allen drei präzise gelungenen Bohrungen sind Späne zu sehen, die wenigsten allerdings in der mit Kyoceras neuem Innen-Einstechwerkzeug SIGC erzeugten. Dank Kühlmittelbohrung und optimierter Spankammer des SIGC wurden mehr Späne abgeführt als mit den Werkzeugen zweier Marktführer. Die Techniker lächeln zufrieden: Sendai hat einen guten Job gemacht.

Das Werk fungiere als Forschungsstandort für die ganze Gruppe, lässt Senri Nagashima wissen, Kopf der Industrial Tool Group. Im Interview verrät er aber, dass es für die Tool-Gruppe noch ein wichtigeres Technologiezentrum gibt (siehe nächste Seite).

Unternehmensinformation

Kyocera Fineceramics GmbH

Fritz-Müller-Str. 27
DE 73730 Esslingen
Tel.: 0711-93 934 -0
Fax: 0711-93 934 - 950

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