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maschine+werkzeug 09/2017

"Mit unserer Lösung lässt sich berechnen, wie viel an einem Teil verdient wird."

Software

Interview - Das Softwarehaus Adequate Solutions hat ein einzigartiges Konzept entwickelt: ›Adequate4Industry‹ vereint Simulation, CAD/CAM, MDE/BDE, Einbindung zum ERP, Werkzeugmanagement und Feinplanung. CEO Jørgen Lorenzen erklärt die Vorteile.

Herr Lorenzen, was ist für Sie Industrie 4.0?

Industrie 4.0 bedeutet für mich, die Maschinen über intelligente Software miteinander zu vernetzen. Ziel ist es, die Fertigung mit all ihren unterschiedlichen Bereichen miteinander zu verbinden, um sie intelligenter zu gestalten.

Wie sieht das bei Ihrer Lösung aus?

Wir bilden nicht mehr nur den CAD-/CAM-Teil ab, sondern betrachten die Fertigung in ihrer ganzen Tiefe. Relevante Informationen wie Aufträge, Termine, Qualitätsanforderungen, Werkzeugparameter, NC-Programme und Maschinenzustände werden in Echtzeit erfasst, gemanagt und ausgewertet. Die drei Hauptbestandteile ›Toolflakes‹, ›Topsolid‹ und ›Eureka‹ sorgen für Transparenz, Effizienz, Sicherheit und Qualität in der Fertigung.

Macht heutzutage nicht jeder irgendetwas mit Industrie 4.0? Haben Sie keine Angst vor der Konkurrenz? ?

Die Big Player der IT gehen alle in Richtung Vernetzung und Industrie 4.0. Unser Ansatz ist jedoch ein anderer. Unser Fokus ist ganz klar auf die Fertigung gerichtet, wo die Wertschöpfung stattfindet. Theoretische Lösungen sind der falsche Ansatz. Was es braucht, sind Lösungen aus der Praxis für die Praxis.

Was genau steckt hinter Adequate4Industry?

Adequate4Industry besteht aus dem CAD-/CAM-System Topsolid, dem MES Toolflakes und der Simulationslösung Eureka. Diese Komponenten sind optimal miteinander vernetzt. Die Programmierer profitieren von einem leistungsstarken CAD-/CAM-System inklusive NC-Code-Simulation, die Mitarbeiter aus der Fertigung bis hin zum Management von der Transparenz durch Toolflakes. Mithilfe von Toolflakes werden Rüst- und Einfahrzeiten drastisch reduziert und gleichzeitig bekommen die Mitarbeiter aus der Arbeitsvorbereitung ein detailliertes Monitoring über die gesamte Fertigung, die Aufträge sowie die Kosten.

Wie schafft Toolflakes das?

In dem System werden unterschiedlichste Daten aus der Fertigung verwaltet. Dadurch hat der Bediener einen Überblick über die ganzen Aufträge, Maschinen und Werkzeuge. ERP macht eine grobe Planung, Toolflakes übernimmt die Feinplanung. Der entscheidende Punkt ist: Sobald ein Werkstück fertig bearbeitet wurde, werden die Werkzeuge nicht demontiert und ins Lager geräumt. Die Idee hinter Toolflakes ist, so wenig Werkzeuge wie möglich zu montieren und demontieren. Über Toolflakes sieht der Maschinenbediener, dass einige der Werkzeuge, die für seinen Auftrag notwendig sind, bereits auf der Maschine sind. Ebenso sieht er, dass weitere benötigte Werkzeuge in Nachbarmaschinen oder Gruppenlagern vorhanden wären. So müssen viel weniger Werkzeuge gerüstet werden. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Werkzeuge wirklich bis zum Ende ihres Lebenszyklus benutzt werden, da Toolflakes auch deren Standzeit verwaltet. Die Produk-tion wird somit deutlich effizienter. Aber das ist noch nicht alles.

Wie profitiert das Unternehmen sonst noch?

Adequate4Industry sorgt auch für Effizienz, Qualität und Sicherheit. Dank Toolflakes wissen die Maschinenbediener immer, welche Werkzeuge vorhanden sind, in welchem Zustand diese sind und wo sie sich befinden. Den Zustand der Werkzeuge erfassen wir automatisch, da wir die Maschinen anbinden und die Standzeiten somit direkt aus der Maschine bekommen. Das verhindert, dass Werkzeuge mit Gebrauchsspuren nicht in Schubladen verschwinden oder gar entsorgt werden: Die Werkzeuge werden wirklich bis zum Ende genutzt. Gleichzeitig können ein Mindestbestand verwaltet und Bestellungen über das ERP automatisiert werden. In Summe verringert sich der Werkzeugbestand um 20 bis 30 Prozent. Darüber hinaus erhält das Unternehmen die Fähigkeit der Kostenanalyse. Die meisten Zulieferer warten bis Jahresende, um zu schauen, an welchen Teilen sie Geld verdient haben. Aufträge werden nach Erfahrungswerten zugesagt. Mit unserer Lösung lässt sich berechnen, wie viel an einem Teil verdient werden würde, da alle Daten im System sind.

Welche Aufgabe hat Eureka?

Die Simulationssoftware hat zwei wesentliche Aufgaben: Zum einen kann der Bediener damit direkt an der Maschine kurzfristige Änderungen simulieren. Denn in CAD/CAM so zu programmieren, wie es in der Fertigung läuft, ist oft eine Wunschvorstellung. Teilweise wird mit Vorgabewerkzeugen gearbeitet, die nicht vor Ort sind und so wird zum Beispiel ein 12er-Fräser statt einem 20er-Fräser genommen. Oder aber die Maschine ist nicht frei und es muss umgeplant werden. Deshalb muss der Maschinenbediener manuell den NC-Code ändern und mit Eureka simulieren. Zum anderen lassen sich mit Eureka die Einfahrzeiten senken. In Kombination mit Toolflakes kann die NC-Ausgabe des Post-Prozessors eins zu eins in der virtuellen Maschine simuliert werden. Da in Eureka die Steuerung abgebildet ist, wird das Programm nicht mehr am teuersten Platz in der Fertigung – der Maschine – eingefahren, sondern im Programmierbüro. Neue Maschinen, neue Bauteile oder neue Technologien lassen sich durch Eureka sicher und schnell erproben.

Für welche Verfahren eignet sich die Lösung?

Adequate4Industry eignet sich für alle Fertigungsverfahren. Wir sind sehr stark im Fräsen, Drehen und Drehfräsen. Die Zielgruppe sind Unternehmen mit einem Maschinenpark von zehn Maschinen und mehr, auf denen sie kleine bis mittlere Serien fertigen. Branchenseitig sind wir absolut unabhängig.

Ist das System herstellerunabhängig?

Theoretisch ja. Alle Maschinen sind mehr oder weniger über Ethernet im Netz eingebunden. Seit einigen Jahren gibt es noch eine tiefergehende Schnittstelle in der Steuerung: die SPS. Dort wird alles aufgenommen, was die Maschine macht. Die Maschine weiß über die SPS genau, wann und wie lange welche Werkzeuge an welchem Teil eingesetzt worden sind. Mit den Informationen der SPS wird das System sehr intelligent. Aber an die Informationen heranzukommen, ist relativ neu. Dazu wird die SPS-Schnittstelle an jeden Maschinen- und Steuerungstyp angepasst werden.

Wer ist bisher eingebunden?

Siemens, Fanuc, die ersten Heidenhain-Maschinen und Mazak sind schon eingebunden. Aber es gibt eben für jeden Hersteller eine andere Schnittstelle – daran arbeiten wir momentan sehr stark.

Wie lange dauert die Anbindung des Systems?

Erste Pilotmaschinen können in kurzer Zeit in Betrieb genommen werden. Wir denken dabei von Maschine zu Maschine. Die Werkzeuge und Halter werden erfasst und nachdem die Maschine angeschlossen wurde, sind wir startklar. Die Programmierer greifen mit Topsolid direkt auf die Werkzeuge in Toolflakes zu und Eureka simuliert diese Daten eins zu eins. Erste Ergebnisse werden nach sechs bis zehn Wochen erreicht.

Und Sie machen die Anbindung vor Ort?

Ja, klar – das müssen wir. Wir haben für diese Aufgabe eigens Spezialisten bei uns im Team.

Wem gehören die Daten?

Die Daten gehören dem Kunden. Wir verkaufen Adequate4Industry als autarke Lösung, die wir beim Kunden installieren. All die Informationen aus den verschiedenen Systemen speichert der Kunde bei sich auf dem Server.

Wie viele Kunden setzen Adequate4Industry bereits ein??

An die ersten Kunden sind wir im Herbst 2016 herangetreten. Ak-tuell nutzen zwölf Kunden die Lösung – natürlich auf jeden individuell zugeschnitten.

www.adequatesolutions.com

  • »Relevante Informationen wie Aufträge, Termine, Qualitätsanforderungen, Werkzeugparameter und Maschinenzustände werden in Echtzeit erfasst, gemanagt und ausgewertet.« Jørgen Lorenzen, CEO von Adequate Solutions. Bild: Adequate Solutions

    »Relevante Informationen wie Aufträge, Termine, Qualitätsanforderungen, Werkzeugparameter und Maschinenzustände werden in Echtzeit erfasst, gemanagt und ausgewertet.« Jørgen Lorenzen, CEO von Adequate Solutions. Bild: Adequate Solutions

  • Bild: Adequate Solutions

    Bild: Adequate Solutions

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Inhaltsverzeichnis
  • 1: "Mit unserer Lösung lässt sich berechnen, wie viel an einem Teil verdient wird."
  • 2: Vita
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Unternehmensinformation

Adequate Solutions GmbH

Werderstraße 34
DE 77933 Lahr
Tel.: 07821-92376-0
Fax: -20

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