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12.11.2018

Risikobeurteilung von Maschinen in allen Lebensphasen

Die Ce-Con hat sich auf die Zertifizierung von Maschinen spezialisiert und trifft im Alltag oft auf fehlerhafte Risikobeurteilungen. Diese können die Ursache für vermeidbare Unfälle sein. Was sind die häufigsten Fehler und wie lassen sie sich vermeiden?

Sicherheitshinweise sollten sparsam eingesetzt werden. Bild: Ce-Con

Um Mitarbeiter, die an und mit Maschinen arbeiten, vor Gefahren zu schützen, sollte die Sicherheit in allen Lebensphasen der Maschine betrachtet werden. Viele Maschinen sind für den Normalbetrieb abgesichert, was sich in der Risikobeurteilung widerspiegelt. Dabei werden oft Gefährdungen vernachlässigt, denen Personen während der Reinigung, Wartung oder Instandhaltung von Maschinen ausgesetzt sind. Um zum Beispiel an höher gelegene Komponenten oder Schaltkästen in schwer zugänglichen Schutzbereichen zu gelangen, muss das Personal nicht selten waghalsige Kletterpartien wagen, weil Trittmöglichkeiten fehlen. Werden also Gefahren in dieser Lebensphase der Maschine vernachlässigt, führt dies häufig zu Unfällen.

Risikoeinstufung vor der Wahl der Schutzeinrichtung

Die Höhe des Risikos muss vor der Wahl von Schutzeinrichtungen bestimmt werden. Um einen Risikofaktor zu ermitteln, betrachtet der Hersteller die Höhe des Schadensausmaßes und die Eintrittswahrscheinlichkeit. So gibt es die Norm DIN EN ISO 12100:2010 vor. Daher werden oft nur diese Kriterien berücksichtigt. Dass auch die Anzahl gefährdeter Personen, die Zutrittshäufigkeit und die Qualifikation des Personals eine Rolle spielen, wird vernachlässigt. Verfahren zur Einstufung von Risiken sind in der Norm nicht beschrieben. Doch das Verfahren nach Hazard Rating Numbers, das international anerkannt ist, erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Hat der Produktanbieter eine Gefahr erkannt und Maßnahmen zur Minimierung getroffen, muss er bestimmen, ob das Risiko hinreichend reduziert ist. Ist das Restrisiko vernachlässigbar, war die Risikobeurteilung erfolgreich. Ansonsten müssen weitere Maßnahmen getroffen werden.

Drei-Stufen-Verfahren

Maßnahmen gegen Gefährdungen werden nach dem Drei-Stufen-Verfahren bestimmt. Oft beginnen die Hersteller zu spät mit der Risikobeurteilung. Dadurch kann kein Einfluss auf die erste Stufe, die inhärent sichere Konstruktion, genommen werden. Aber nur in dieser Stufe ist es möglich, Gefährdungen zu eliminieren. Schutzmaßnahmen werden in der zweiten Stufe festgelegt. Zusätzlich müssen Personen informiert werden. Auf welche Weise das geschieht, wird in der letzten Stufe definiert. Warnhinweise wie „Nicht in laufende Maschine fassen“ lassen erkennen, dass der Hersteller das Verfahren nicht berücksichtigt hat, denn die Möglichkeit des Hineinfassens hätte er sonst konstruktiv vermieden. In solchen Fällen kann von Konformität keine Rede sein.

Funktionale Sicherheit

Sicherheitseinrichtungen wie Lichtgitter, Trittschutzmatten, Schutzzäune oder mechanische Abdeckungen zählen zur zweiten Stufe des Verfahrens. Die erwartete Schutzfunktion wird mit dem Performance Level (PL) angegeben, das während der Risikobeurteilung ermittelt wird. Das aus dem ersten Teil der Norm EN ISO 13849 zu bestimmende PLr (r=required) wird aber nicht immer in Betracht gezogen. Dies hat zur Folge, dass der Konstrukteur nicht weiß, ob er ein- oder zweikanalig beim Auslösen einer Schutzfunktion abschalten muss. Das PL hat direkten Einfluss auf das Design von Schutzfunktionen. Am Ende des Prozesses muss das PLr validiert werden. Diese rechnerische Prüfung zeigt, ob die Schaltung den Anforderungen aus der Risikobeurteilung genügt. Im Alltag fehlt das PL oft in den Risikobeurteilungen und somit der Nachweis, ob das gewünschte Schutz-Ziel einer Maschine erreicht wurde.


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