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29.05.2020

»Positiv überrascht hat mich das konsequente Arbeiten am CAD-Modell im Homeoffice.«

Thomas Ellerstorfer, Geschäftsführer der Duo Design GmbH berichtet über seine Erfahrungen mit dem Remote Working im Homeoffice.

Thomas Ellerstorfer, Geschäftsführer der Duo Design GmbH. (Bild: Duo Design)

Herr Ellerstorfer, welche Produkte designen Sie bei Duo Design und wie gehen Sie dabei vor?

Als Agentur für Industriedesign gestalten und entwickeln wir Konsumgüter wie z. B. handgeführte Elektrowerkzeuge, Gartenwerkzeuge und Haushaltsartikel aller Art sowie Spielzeuge. Unsere Arbeit läuft so ab: Zunächst werden im Team Ideen kreiert, diskutiert und anschließend aus den Ergebnissen Entwurfszeichnungen erstellt. Nach der Abstimmung mit unseren Kunden mittels CAD-Technik wandeln wir die Entwürfe in 3D-Datensätze um, drucken oder CNC-fräsen daraus Muster und erstellen Renderings. Dabei arbeiten wir mit der CAD-Software Topsolid und werden von der West GmbH, Vertriebspartner von Topsolid, unterstützt. Schließlich stimmen wir uns mit Werkzeugmachern oder Lieferanten unserer Kunden international ab. Das findet normalerweise im ständigen Austausch innerhalb des Teams statt.

Sicher hat sich im Zuge der Corona-Krise einiges verändert. Wie viele Ihrer Mitarbeiter arbeiten aktuell im Homeoffice?

Wir sind insgesamt zu zehnt, davon arbeiten derzeit 5 Mitarbeiter teilweise im Homeoffice - unser zweiter Geschäftsführer und ich wechseln uns zum Beispiel ab. Das hat den Vorteil, dass wir in unseren Räumlichkeiten genug Abstand halten können, um Infektionen zu vermeiden. Mitarbeiter mit erhöhtem Risiko oder Kinderbetreuung sind natürlich zu Hause.

Was mussten Sie technisch tun, um Homeoffice zu ermöglichen?

Der technische Aufwand dafür hält sich bei uns in Grenzen, da wir nur einen VPN-Zugang für unsere Mitarbeiter anlegen mussten. Ihre Hardware konnten sie einfach mit nach Hause nehmen. Wir greifen also über einen VPN-Tunnel auf den PDM-Server mit unseren Daten zu. Die West GmbH stellt uns freundlicherweise zusätzliche Lizenzen für Topsolid gratis zur Verfügung - sodass die Software am Heimarbeitsplatz genutzt werden kann. Sollten einige Mitarbeiter dauerhaft im Homeoffice arbeiten, muss natürlich über doppelte Hardware etc. nachgedacht werden. Dann werden wir auch eine leistungsfähige Videokommunikation aufbauen.

Wie werden Sie bei der Nutzung der Software von der West GmbH unterstützt?

Wir haben schon im Vorfeld die Kompetenz der West GmbH genutzt und den PDM-Server auch auf Auslandsreisen und in der Geschäftsleitung an Wochenenden von zu Hause aus genutzt. Das hat uns jetzt bei der Umstellung von einzelnen Arbeitsplätzen sehr geholfen. Dadurch sind wir es gewohnt, am Server mit Topsolid an ein und demselben Projekt zu arbeiten. Sehr begrüßt habe ich das Angebot von Herrn Alt (Geschäftsführer der West GmbH) bei schwachen VPN-Verbindungen kurzfristig mit kostenlosen Topsolid Lizenzen auszuhelfen.

Läuft das Remote Working technisch einwandfrei? Wie zufrieden sind Sie und Ihre Mitarbeiter damit?

Das Ganze würde noch besser laufen, wenn Up- und Download-Geschwindigkeit unserer Internetverbindung gleich schnell wären – wir also einen synchronen Internetzugang hätten. Durch unseren asynchronen Internetzugang und zu hohe Latenzzeiten kommt es gelegentlich zu Fehlermeldungen oder langsamen Reaktionszeiten des Servers. Manche Mitarbeiter ziehen sich daher das Projekt in ein lokales PDM, arbeiten also lokal und checken abends wieder ein.

Was hat sich organisatorisch und in der Kommunikation innerhalb des Teams verändert?

Organisatorisch bringt die Umstellung vor allem beim Führungspersonal Mehrarbeit mit sich. Unsere Leistungsfähigkeit beruht auf Kreativität und diese kommt durch direkte Kommunikation zustande. Man geht beispielsweise an einem Bildschirm vorbei, wirft einen Blick darauf und hat einen Gedanken dazu, über den man sich direkt im unmittelbaren Gespräch mit dem Kollegen austauschen kann. Momentan können wir nur geplant und nicht spontan kommunizieren, das ist der Kreativität abträglich. Es ist unmöglich geworden, kurzfristig die Arbeit von Mitarbeitern zu beurteilen. Man spricht nun mehr über Ergebnisse anstatt in einem dynamischen Prozess die Aufgabe ergebnisorientiert zu steuern. Deshalb würde ich derzeit sagen, dass die kreative Leistungsfähigkeit des Unternehmens beeinträchtigt ist.

Und wo findet jetzt das ›Kaffeemaschinengespräch‹ statt?

Das ›Kaffeemaschinengespräch‹ findet definitiv nicht mehr statt. Und auch dadurch fehlt es an spontaner Kreativität und gestalterischer Gruppendynamik. Es ist eine spannende Frage, wie lange es dauert, die Dynamik eines kreativen Teams mittels Homeoffice und Video-Kommunikation auf Vorkrisenniveau zu bringen.

Was hat Sie an der Umstellung positiv überrascht?

Positiv überrascht hat mich das konsequente Arbeiten am CAD-Modell im Homeoffice. Diesbezüglich habe ich den Eindruck gewonnen, dass es fast schneller geht als in der Firma – solange kein Diskussionsbedarf besteht. Im Homeoffice ist theoretisch weniger Ablenkung, manche Mitarbeiter brauchen diese Ruhe und sind deshalb dort zufriedener. Andere brauchen den Kontakt und auch die Wettbewerbssituation mit Kollegen. Positiv überrascht bin ich auch davon, wie man weit entfernte Kunden nun besser betreut. Hier stellt sich offensichtlich eine gewisse Übung im Umgang mit Videokommunikation ein.

Welche Chancen und Risiken gibt es aus Ihrer Sicht durch die Corona-bedingten Umstellungen?

So manche Reisetätigkeit könnte sich erübrigen, was positiv für die Umwelt ist und den Unternehmen Ausgaben erspart. Die sozialen Strukturen im Unternehmen könnten jedoch massiv leiden und es wird eine Herausforderung sein, die Identifikation mit dem Unternehmen bei den einzelnen Mitarbeitern zu bewahren und zu fördern.

Was raten Sie anderen Unternehmen, die sich mit Plänen zur Umstellung auf Remote Working tragen?

Grundsätzlich kann ich jedem Unternehmer nur raten, genau zu überlegen, welcher Arbeitsplatz für Homeoffice geeignet ist. Die derzeitige Umstellung auf Remote Working hat ja mit Corona zu tun und nicht mit unternehmerischer Planung. Manche Tätigkeiten können mit mehr Ruhe zu Hause sehr produktiv erledigt werden, andere wiederum benötigen die Reibungsflächen eines interagierenden Teams um erfolgreich bearbeitet zu werden.

Vita

Thomas Ellerstorfer ist einer der beiden Geschäftsführer der Duo Design GmbH. Der ausgebildete Diplom-Industrie-Designer (FH) gründete das Unternehmen 2005. Heute betreut das Unternehmen mit insgesamt zehn Mitarbeitern einen internationalen Kundenstamm im Konsum- und Investitionsgüterbereich. Die Arbeiten von Duo Design wurden vielfach mit Designpreisen, wie unter anderem dem German Design Award oder dem Red Dot Design Award, ausgezeichnet.

Unternehmensinformation

WeSt GmbH

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