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maschine+werkzeug 03/2018

"Wir haben nicht den Anspruch, Experte auf allen Gebieten zu sein."

Extra Industrie 4.0

Interview - Das Start-up Contractus aus Eisenach macht die Blockchain-Technologie für Unternehmen aller Branchen nutzbar. Wie Unternehmen von der Blockchain profitieren können, erläutert Co-Founder und CEO Thomas Müller.

Herr Müller, wer steckt hinter Contractus?

Wir sind ein kleines, agiles Start-up. Das Team umfasst momentan acht Leute. Dieses Team entwickelt Blockchain-Lösungen für ganz unterschiedliche Industrien. Mit Festo beispielsweise haben wir eine maßgeschneiderte Lösung für das Servicemanagement entwickelt. Die Grundfrage dabei war, wie es ein Maschinenhersteller schafft seinem Kunden im Verbund mit den Servicepartnern ein homogenes Serviceprodukt anzubieten, bei dem die unterschiedlichen Partner aber miteinander agieren können. In Zukunft soll das so weit perfektioniert werden, dass die Maschine selbst den Serviceprozess steuert. Letztlich sollen Unternehmen in unserem Netzwerk Geschäfte ohne Medienbrüche abwickeln können, wobei die Leistungserbringung stets nachvollziehbar und manipulationssicher dokumentiert sein soll.

Thomas Müller, Co-Founder und CEO von Contractus. Bild: Contractus

Welche Vorteile bietet die Blockchain-Technologie für Unternehmen?

Der größte Vorteil der Blockchain ist, dass sie durch direkte Transaktionen Vertrauen in die Beziehung von zwei oder mehreren Geschäftspartnern bringt. Das lässt sich sehr gut an der Bitcoin-Blockchain verdeutlichen. Bei Bitcoin lassen sich Finanztransaktionen zwischen Personen oder Unternehmen direkt ohne einen Dritten wie eine Bank abwickeln.

Dann ist eine Transaktion vergleichbar mit einer Barzahlung?

Das ist in der Tat ähnlich. Nur das sich bei einer Transaktion in der Blockchain die Parteien nicht gegenüberstehen und sehen können. Sobald aber die Transaktion getätigt wurde – bei einer Barzahlung reicht der eine dem anderen das Geld rüber – ist das Geschäft vollzogen. Das Problem bei digitalen Gütern war bislang, dass Unternehmen beispielsweise im Servicemanagement unterschiedliche Ticketsysteme verwenden, die die Kommunikation untereinander erschweren. Hier musste der Intermediär die verschiedenen Daten übersetzen. Die direkte Kommunikation über die Blockchain macht den Intermediär überflüssig.

Wer sind die Kunden von Contractus?

Wir versuchen eine Blockchain zu etablieren, die sich für beliebige B2B-Geschäfte einsetzen lässt. Bestehende Public-Blockchains wie Bitcoin oder Ethereum bilden in der Regel nur B2C-Anwendungen ab und sind mit zahlreichen negativen Eigenschaften behaftet – etwa hohen Energiekosten und unkalkulierbaren Transaktionskosten aufgrund von Währungskapriolen. Unsere Businessplattform ist eine Private-Blockchain und steht Unternehmen aus allen Branchen offen. Sie ermöglicht es Geschäftspartnern vertrauensvoll miteinander zu agieren, garantiert verlässliche Transaktionskosten und geht nachhaltig mit der Energie um. Unsere Zielgruppe ist daher nicht auf eine bestimmte Branche festgelegt. Wir sind deshalb auf der Suche nach Partnern, die sagen, in meinem Umfeld ergibt die Blockchain Sinn.

Contractus bringt also das IT-Know-how ein und der Kunde die fachliche Expertise?

Richtig. Wir haben nicht den Anspruch Experte auf allen Gebieten zu sein. Wir wollen vielmehr eine europäische Blockchain-Plattform aufbauen, die es Unternehmen sehr einfach macht, daran teilzunehmen, ohne dass sie selbst Blockchain-Experte sein müssen. Das macht den Einsatz attraktiv und schafft Vertrauen, da die Daten nicht rund um den Globus verteilt sind.

Womit verdienen Sie mit Ihrer Lösung Geld?

Eine unserer Einnahmequellen ist das Projekt, das wir mit einem Unternehmen realisieren – etwa die Entwicklung und Implementierung der Blockchain bei Festo. Dann suchen wir aber auch IT-Partner mit einschlägigen Branchenkenntnissen, mit denen wir weitere Business-Center aufbauen, die dann die Blockchain-Plattform betreiben. Für diese Leistung erhalten wir ebenfalls eine Vergütung. Doch der Aufbau von Business-Centern ist eine eher kurz- bis mittelfristige Einnahmequelle. Langfristig streben wir an, dass die Plattform selbst Einnahmen generiert. Dies läuft dann über die Transaktionen. Das sieht folgendermaßen aus: Ein Unternehmen schließt einen Vertrag mit einem Kunden über einen Betrag X. Für diese Transaktion erhalten nun das Business-Center und wir einen definierten Betrag.


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