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22.03.2019

Was Kollege Roboter ermöglichen kann

Welche Chancen für eine bessere Teilhabe am Arbeitsleben bietet die kollaborierende Robotik für Menschen mit einer Schwerbehinderung? Ein Interview mit Dr. Matthias Umbreit, Fachmann für kollaborierende Robotersysteme der Berufsgenossenschaft Holz und Metall (BGHM).

Dr. Matthias Umbreit (BGHM). Bild: BGHM

Welche Chancen kann die kollaborierende Robotik für Menschen mit einer Schwerbehinderung bieten? In der Diskussion über die Vor- und Nachteile der Industrie 4.0 findet dieser Aspekt bislang wenig Beachtung. Aus diesem Grund stellte Dr. Matthias Umbreit, Fachmann für kollaborierende Robotersysteme der Berufsgenossenschaft Holz und Metall (BGHM), dieses Thema in den Mittelpunkt seines Vortrags bei der 6. Fachtagung „Arbeitsplanung und Prävention“ am 20. März in Mainz. Weitere Themen der Veranstaltung waren unter anderem praxisgerechte Ergonomie-Normungen bei Maschinen und Anlagen, neue Entwicklungen beim Einsatz von Exoskeletten sowie weitere neue Aufgaben für den Arbeitsschutz, wie Künstliche Intelligenz oder der vermehrte Einsatz innovativer Assistenzsysteme.

Herr Dr. Umbreit, Sie vertreten die BGHM in der Präventionsallianz des Projekts AQUIAS. Können Sie uns erläutern, was sich dahinter verbirgt?

AQUIAS steht für Arbeitsqualität durch individuell angepasste Arbeitsteilung zwischen Servicerobotern und schwer-/nichtbehinderten Produktionsmitarbeitern. Ziel des vom Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation koordinierten Projekts ist es, attraktive Arbeitsaufgaben für Beschäftigte mit Schwerbehinderung durch eine Mensch-Roboter-Kooperationen (MRK) zu gestalten. Dazu wurden Musterarbeitsplätze konzipiert und in der Praxis getestet. Anhand dieser Anwendungsbeispiele wird die Vereinbarkeit von Wirtschaftlichkeit und Teilhabe untersucht und deren Machbarkeit bewiesen. MRK-Systeme besitzen den Vorteil, dass sie flexibel auf individuelle Bedürfnisse abgestimmt werden können. Außerdem sind diese Systeme mobiler als beispielsweise einzelne Montageplätze an Fertigungsstraßen und ermöglichen Menschen mit Behinderung anspruchsvollere Aufgaben.

Das klingt nach einer deutlich besseren Teilhabe?

In der Tat. Das Projekt ist ein vielversprechender Ansatz dafür, dass Menschen mit Schwerbehinderung künftig an wesentlich mehr Arbeitsplätzen tätig sein könnten als heute. Unternehmensverantwortlichen soll damit praxisnah aufgezeigt werden, welche Möglichkeiten die MRK im Umfeld von Montageaufgaben mit schwerbehinderten Beschäftigten bietet. Dabei spielen natürlich die vorliegenden betrieblichen Bedingungen eine Rolle, beispielsweise wie umfangreich das Teilespektrum, also die hergestellte Produktpalette, ist.

Wieso engagiert sich die BGHM an dem Projekt AQUIAS?

Die Fachleute der BGHM wurden hier vor allem aufgrund ihrer Expertise für die sicherheitstechnische Ausrüstung von Arbeitsplätzen mit kollaborierenden Robotern einbezogen. Auch wenn die Anforderungen von einem üblichen Industriearbeitsplatz im Produktionsbetrieb abweichen, konnten ihre Erfahrung und ihr Wissen dadurch frühzeitig in die Anlagenplanung einfließen. In puncto Arbeitssicherheit muss bei einer Beteiligung von Menschen mit Behinderung ein wesentlicher Bestandteil dieser Planung gesondert betrachtet werden: die Risikobeurteilung. Ergonomische Aspekte - wie beispielsweise Greifweiten und Körperhöhen - sind ebenso relevant wie psychische Gefährdungen. Beispielsweise das Reaktionsvermögen kann sehr unterschiedlich ausfallen. Die Risikobeurteilung des Anlagenherstellers und die Gefährdungsbeurteilung des Maschinenbetreibers müssen deswegen eng aufeinander abgestimmt sein.

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