nach oben
maschine+werkzeug 07/2019

Mapal lässt die Formen sprechen

Spanntechnik

Der Aalener Hersteller Mapal ist bekannt für seine hochwertigen Präzisionswerkzeuge. Weniger im Fokus der Kunden sind die Spannmittel aus demselben Haus. Die warten zwar mit einzigartigen technischen Finessen auf, doch sieht man ihnen ihr pfiffiges Innenleben nicht unbedingt an: Auf den ersten Blick sehen sie aus wie alle anderen auch. Das ändert Mapal zukünftig mit einem durchgehenden neuen Design seiner Spannfutter, das den Anwendern noch mehr verspricht.

Glatte, glänzende Flächen und blaue Bedienelemente kennzeichnen Mapals neue Spannfutter. Bild: Mapal

Glatte, glänzende Flächen und blaue Bedienelemente kennzeichnen Mapals neue Spannfutter. Bild: Mapal

Gibt man ein Stück Technik einem Designer in die Hand, ist mitunter absehbar, was er daraus macht: Ecken und Kanten werden beseitigt; an ihre Stelle treten eher runde, abgesoftete Formen. Die Designagentur Ottenwälder und Ottenwälder (kurz OundO) ist im Gegenteil für ihr kantiges Industriedesign und das ›Entrunden‹ von Objekten bekannt. Doch die Arbeit für Mapal führte fast zwangsläufig zu fließenden, bionischen Formen.

Bild: Mapal

Bild: Mapal

Dabei ging es nicht nur um die Gestaltung eines einzigen neuen Produkts. Mapals komplette Spanntechnik sollte ihr eigenes, unverwechselbares Gesicht bekommen. Zugleich wurde den Designern beim Projetstart im Herbst vergangenen Jahres auch eine ganze Reihe von Vorgaben gemacht.

Unter dem Motto ›Function meets Design‹ sollte das Design keinen Selbstzweck erfüllen, sondern einen spürbaren Mehrwert für den Kunden schaffen. Zugleich galt es, bestehende DIN-Normen zu berücksichtigen und einzuhalten. Die Maschinenschnittstelle und die Störgeometrie der Futter waren als unantastbar vorgegeben. Natürlich durften durch die neue Formgebung auch keine funktionellen Einbußen etwa bei den Drehmomenten oder der Biegesteifigkeit entstehen. Großen Wert legte Mapal darauf, dass die alten und die neuen Ausführungen vollständig zueinander kompatibel sind.

Damit war dem Betätigungsfeld für einen Designer ein sehr enger Rahmen gesteckt. Dass dies eine besondere Herausforderung war, bestätigt Max Ottenwälder: »Am Anfang schien es tatsächlich so, als ob wir überhaupt keine Freiheitsgrade hätten« In die Spur gekommen seien er und sein Team, weil sie den Leuten bei Mapal sehr lange und sehr intensiv zugehört haben.
Den Kunden zugehört: Worauf kommt es an?

»Wir wollten die Probleme kennenlernen, die mit solchen Futtern auftreten«, schildert Ottenwälder die Anfänge. »Dann mussten wir erfahren, wie die Kunden mit Spannfuttern umgehen. Wer kauft sie ein? Wer benutzt sie? Wie werden sie benutzt? Worauf kommt es eigentlich an bei so einem Futter?«

Antworten auf diese Fragen bekamen die Designer nicht nur am Besprechungstisch bei Mapal in Aalen, wo ein ums andere Mal Spannmittel aus dem aktuellen Sortiment ausgelegt waren, sondern auch in der Fertigung des Herstellers. Den Weg zur neuen Formensprache sollte eine Aussage weisen, die im Zusammenhang mit Details eines Spannfutters fiel: »Da ist unnötiges Material dran«. Bezeichnet wurden damit bestimmte Zonen des Spannwerkzeugs oder Materialanhäufungen, die für die Funktion gar nicht nötig sind. Verzichtet man auf solches Material, kommt man bereits FEM-Kurven sehr nahe, die den idealen Kraft- beziehungsweise Spannungsverlauf darstellen.

Ausgehend von vorhandenen Mapal-Produkten hat OundO aus Schwäbisch Gmünd beim neuen Design alles Material weggelassen, das für die Funktion nicht erforderlich ist. Zwischen den Funktionszonen wurden harmonische bionische Übergänge geschaffen. Die Formgebung bringt auch funktionale Verbesserungen. Kraft- und Spannungsverlauf wurden optimiert. Kleinste Gewichtseinsparungen zeigen hier bereits große Wirkung. Die nun leichteren Futter benötigen beim Beschleunigen und Abbremsen des Werkzeugs wesentlich weniger Energie. Jochen Schmidt, Produktmanager Spanntechnik bei Mapal, konnte darüber hinaus bestätigen, dass auch der Rundlauf weiter verbessert wurde.

Neben den neuen Formen sollten die Spannmittel auch eine hochwertig wirkende Oberfläche bekommen. Nach einer Reihe von Versuchen fiel die Wahl hier auf Hochglanz. Zuvor war auch mit perlglasgestrahlten Oberflächen experimentiert worden. Solche Oberflächen sehen zwar sehr wertig aus, doch zeigten Labortests, dass die satinierten Flächen anfälliger gegenüber Korrosion gewesen wären. Die glänzenden Oberflächen überzeugten, weil bei ihnen durch die abschließende Politur das Oberflächengefüge verdichtet und unempfindlicher gemacht wird. »Es ist ganz wichtig, dass wir so die Angriffsfläche für Korrosion verringern konnten«, bekräftigt Produktmanager Schmidt. »Wenn mit unseren Werkzeugen das µ gesucht wird, wäre es nicht vertrauensbildend, wenn da Rost am Spannfutter zu sehen wäre.«


Inhaltsverzeichnis
Unternehmensinformation

MAPAL Dr. Kress KG Präzisionswerkzeuge

Obere Bahnstraße 13
DE 73430 Aalen
Tel.: 07361-585-0
Fax: 07361-585-1029

Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren
Aktuelle Videos

Mikron: Multistar CX-24 – höhere Flexibilität mit bis zu 20 CNC-Achsen


Zu den Videos

Newsletter

Sie wollen immer top-aktuell informiert sein? Dann abonnieren Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!

Hier kostenlos anmelden

Aktuellen Newsletter ansehen

Special CNC Handbuch

Grundlagen, Definitionen und mehr - stöbern Sie in exklusiven Inhalten aus dem CNC-Handbuch und erfahren Sie mehr über CNC.

Zum Special