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maschine+werkzeug 05/2019

»Wir sorgen für den schnellen, produktiven Einsatz der FFS.«

Interview

Starrag verkettet erfolgreich Ecospeed-Bearbeitungszentren zu flexiblen Fertigungssystemen (FFS). Wie Starrag die Erfolgsstory fortschreibt, erklärt Alfred Lilla, Sales Director Aero Structures.

Bild: Starrag

Bild: Starrag

Aktuell 60 der insgesamt über 130 weltweit installierten Ecospeed-Anlagen arbeiten im Verbund als FFS. Herr Lilla, wie kam es zu den 19 FFS, die sich in der Flugzeugindustrie im Einsatz befinden?

Unser Stammkunde Korea Aerospace Industries – kurz KAI – hat seit 2009 insgesamt zwölf Werkzeugmaschinen des Typs Ecospeed für die Hochgeschwindigkeitsbearbeitung großer Strukturbauteile aus Aluminium geordert. Für die Zerspanung von Flügelrippen bestellte KAI ein FFS mit neun Ecospeed F 2060, weil eine Analyse ergab, dass sie 30 Prozent produktiver als verkettete Maschinen des Wettbewerbs arbeiten. Seit 2016 steht dort nun eines der weltweit größten Ecospeed-FFS-Systeme mit neun Maschinen, vier Rüststationen, zwei Transportwagen und insgesamt 90 Paletten.

Wie beurteilt KAI heute die Performance dieser Linie?

Sehr gut, denn die Südkoreaner bearbeiten nach eigenen Aussagen die Flügelrippen des Airbus A350 fünfmal schneller als auf vorherigen konventionellen Bearbeitungszentren. KAI stellt daher zusammen mit lokalen Zulieferern mittlerweile alle Airbus-A350-Flügelrippen auf Ecospeed her. Alles in allem entstehen derzeit mehrere Hundert Flügelrippen pro Monat für diesen Flugzeugtyp. Doch nicht nur diese Performance ist beeindruckend, sondern auch die hohe Verfügbarkeit des FFS von 97 Prozent. Laut Aussagen unserer Kunden ist die Ecospeed-Technologie damit deutlich weniger störanfällig als Maschinen mit Rundachsen (AC- oder AB-Kinematik). Performance und Zuverlässigkeit überzeugten schließlich auch andere Kunden in Europa, den USA und China, in Ecospeed-FFS zu investieren. Außer den chinesischen Unternehmen CAC, Chengdu Aviation und AVIC Shengyang Aircraft, die zusammen vier FFS mit 20 Ecospeed F bestellten, interessierte sich zum ersten Mal ein amerikanischer Aerospace-Zulieferer besonders für unsere verketteten Lösungen.

Konnten Sie ihn als Kunden gewinnen?

Ja, es handelt sich um den Aerospace-Zulieferer Orizon Aerostructures, der bei der Übernahme eines Unternehmens erstmals eine Ecospeed F 2060 im Einsatz sah. Begeistert von der Performance nahm der Aerospace-Zulieferer die FFS-Lösung bei KAI unter die Lupe und entschloss sich dann spontan zum Bau einer neuen Produktionshalle mit sechs verketteten Ecospeed F 2060. Wir konnten nicht nur bei der schnellen Inbetriebnahme – es waren nur acht Monate – und der Performance punkten: So arbeitet das neue FFS laut Orizon 40 Prozent schneller als vergleichbare vorhandene Maschinen. Daher orderte Orizon drei weitere Ecospeed F 2060, die 2019 in Betrieb gehen. Für dieses Investment in ein FFS mit neun Ecospeed spricht laut Orizon, dass es sich – bis auf eine jährliche kurze Produktionsunterbrechung von fünf Tagen – mit hoher Verfügbarkeit rund um die Uhr im Einsatz befindet. Die Besitzer des Unternehmens freuen sich, dass sie dank der neuen Maschinen die Produktionskapazität um mindestens 50 Prozent erweitern können.

Kommt diese Technik nur für große Firmen infrage?

In der Tat finden sich unter unseren FFS-Kunden viele große, namhafte Aerospace-Firmen. Die Bandbreite reicht jedoch vom Zulieferer Premium Aerotec, unserem größten und ältesten Stammkunden mit insgesamt acht FFS und 20 Ecospeed, bis hin zum kleinen, aber feinen Schweizer Flugzeughersteller Pilatus, der ein FFS mit zwei Ecospeed F 2040 orderte. FFS eignen sich also auch für kleine und mittlere Firmen.

Wenn Sie auf die Erfolge in Sachen FFS zurückblicken: Welchen gemeinsamen Nenner haben alle Käufer von FFS? Was schätzen FFS-Käufer besonders, worauf legen sie Wert?

Die Kunden setzen vor allem auf Wachstum und Sicherheit. Wir kommen diesen Anforderungen mit einer deutlich höheren Produktivität nach, die wir mit durchschnittlichen Performancesteigerungen von 300 bis 500 Prozent zu alten konventionellen Maschinen beziehungsweise von 30 bis 40 Prozent zu neuen Wettbewerbsmaschinen erfüllen, sowie einer dank robuster Technik extrem hohen Anlagenverfügbarkeit von über 96 Prozent. Den meisten kommt es aber auch auf einen raschen Return on investment an. Wir entsprechen diesem Wunsch, in dem wir dank schneller Lieferung und Inbetriebnahme für den schnellen, produktiven Einsatz der FFS sorgen. So ging Orizon davon aus, dass ihre neue FFS-Lösung innerhalb von nur acht Monaten nach dem »Letter of intent« in Betrieb geht – was uns auch gelang. Dies trägt zu mehr Wachstum und Sicherheit bei.

Spielt im Lastenheft der Kunden die digitale Transformation schon eine wichtige Rolle? Wie kommen Sie dem nach?

Das beste Beispiel dafür steht in Korea bei KAI. Als Kernelement des FFS dient ein Leitrechner, der alle Prozesse überwacht. Er sorgt dafür, dass alles automatisch abläuft. Der Anwender muss nur die zu bearbeitenden Teile auf den Paletten aufspannen. Der Rest geschieht vollautomatisch. Der Leitrechner kontrolliert den gesamten Prozess – vom automatischen Beladen und Speichern des Rohmaterials bis hin zum Entladen der fertigen Bauteile. Dazu läuft das gesamte Management aller Daten und Ressourcen über den Leitrechner, der die Aufträge von dem übergeordneten ERP-System des Endkunden erhält. Der Leitrechner sorgt für digitale Transparenz in der Fabrik, denn er verwaltet zentral alle Informationen des FFS, die er bei Bedarf über Standardschnittstellen an übergeordnete EDV-Systeme weiterleitet. Industrie 4.0 ist für uns keine Zukunftsvision, sondern bereits Realität und sorgt hier für hohe Sicherheit und Effektivität in der Produktion.

Handelt es sich um eine maßgeschneiderte Lösung, die sich nur große, solvente Kunden leisten können?

Ja, es ist maßgeschneidert. Wir setzen dabei auf unseren »Baukasten« Integrated Production System (IPS), aus dem die Kunden à la carte ihre individuelle Industrie-4.0-Lösung auswählen. Nein, denn es kommt auch für mittelständige Zulieferer infrage: Starrag IPS dient als Plattform, auf der sich die Produktion – auf Wunsch schrittweise – automatisieren und digitalisieren lässt. IPS reicht von Einzelmaschinen, FFS bis hin zu kompletten Fertigungslinien. Im Gegensatz zu anderen Anbietern setzen wir übrigens bei allen wichtigen Komponenten auf Eigenentwicklungen: Als Kernelement dient ein selbst entwickelter Leitrechner (Cell Controller), der FFS und Fertigungslinien prozesssicher überwacht. Dieses digitale i-Tüpfelchen zeichnet nicht nur aus, dass es den gesamten Fertigungsprozess – bei Bedarf im Zusammenspiel mit einem übergeordneten ERP-System – steuert und regelt. Darüber hinaus sorgt der Leitrechner für digitale Transparenz in der Fabrik – beispielsweise durch Visualisierung des Anlagenzustands. Und dank der Eigenentwicklung stellen wir auch bei der Digitalisierung eine hohe Verfügbarkeit sicher.

www.starrag.com

Unternehmensinformation

Starrag Group

Seebleichestraße 61
CH 9404 RORSCHACHERBERG
Tel.: 004171-8588-111
Fax: -122

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