nach oben
maschine+werkzeug 07/2019

Werkzeugkosten und Zeit gespart

Toolmanagement

In der Fertigung von Robert Höhne ist alles penibel sortiert. Jedes Werkzeug hat einen festen Platz. Sämtliche Werkzeuginformationen sind in ›Toolflakes Shopfloormanagement 4.0‹ hinterlegt. Höhne konnte mit diesem System die Werkzeugkosten und die Rüstzeiten enorm reduzieren.

 In der Fertigung von Robert Höhne sind sämtliche Werkzeuge penibel sortiert und ordentlich aufgeräumt. Alles hat seinen festen Platz. Bild: Robert Höhne

In der Fertigung von Robert Höhne sind sämtliche Werkzeuge penibel sortiert und ordentlich aufgeräumt. Alles hat seinen festen Platz. Bild: Robert Höhne

Toolflakes 4.0 sei aus der eigenen Notwendigkeit heraus entstanden, so Robert Höhne, Geschäftsführer von Robert Höhne Präzisionsmaschinen, der die Software 2013 entwickelt hat. Das 60 Mitarbeiter große Unternehmen mit Sitz in Wagenhofen, unweit von Augsburg, fertigt Teile für die Luft- und Raumfahrtindustrie sowie für die Elektronikbranche. Für den Prototypenbau und die Kleinserien mit Stückzahlen von 1 bis 20 stehen rund 30 Werkzeugmaschinen zum Fräsen, Drehen, Schleifen, Läppen und Honen bereit.

Zustand, Einsatzort und Auftragsbezug des Werkzeugs sind zu jeder Zeit bekannt. Bild: Robert Höhne

Zustand, Einsatzort und Auftragsbezug des Werkzeugs sind zu jeder Zeit bekannt. Bild: Robert Höhne

Das Ziel bei der Entwicklung von Toolflakes war, die Rüstzeiten bei kleinen Losgrößen und hoher Teilevielfalt zu optimieren. Die Arbeitsabläufe sollten transparenter und effizienter werden. Das Manufacturing Execution System (MES) versorgt dazu jeden Mitarbeiter in Echtzeit mit Informationen über Aufträge, Stückzahlen, Qualitätsanforderungen, Termine, benötigte Werkzeuge und NC-Programme bis hin zum Maschinenzustand und Wartungsbedarf. Jeder im Betrieb hat jederzeit die für ihn relevanten Informationen und kann in seinem Bereich Verantwortung übernehmen.

Wie Office fürs Büro

Ein wichtiges Modul von Toolflakes ist der ›Pottmanager‹ für das Werkzeugmanagement. Robert Höhne sieht hier noch viel Potenzial bei mittelständischen Unternehmen. »Die Betriebe investieren viel Geld in Maschinen und Werkzeuge, aber ein System, um alles zu managen, fehlt häufig«, sagt Robert Höhne. »Der Pottmanager sollte so selbstverständlich sein wie Office fürs Büro.«

Die Idee hinter Toolflakes ist, so wenige Werkzeuge mit Reststandzeit wie möglich auszuspannen und zu zerlegen. Bild: Robert Höhne

Die Idee hinter Toolflakes ist, so wenige Werkzeuge mit Reststandzeit wie möglich auszuspannen und zu zerlegen. Bild: Robert Höhne

Gewöhnlich rüsten die meisten Betriebe bei Auftragswechsel alle Werkzeuge an der Maschine ab. Beim neuen Auftrag kommen dann neue Werkzeuge auf die Maschine. Jedes Tool wird montiert und wieder demontiert. Gebrauchte Werkzeuge verschwinden in Schubladen oder werden gar weggeschmissen.

Die Idee hinter Toolflakes ist hingegen, so wenige Werkzeuge mit Reststandzeit wie möglich auszuspannen und zu zerlegen. Sobald ein Auftrag fertig ist, gibt es drei Möglichkeiten: Häufig verwendete Werkzeuge bleiben in der Maschine. Werkzeuge, die seltener gebraucht werden, kommen ins Vorhaltelager. Und für Werkzeuge, die für mehrere Maschinen im Einsatz sind, gibt es das Gruppenlager. Nur Sonderwerkzeuge, die nicht mehr gebraucht werden und teilespezifisch sind, werden zerlegt. Robert Höhne: »Mit dem Vorhaltelager – direkt gegenüber der Maschine – wird das Werkzeugmagazin von 30 auf 150 oder mehr Werkzeuge erweitert.«

95 Prozent montiert

Am Anfang müssen zwar deutlich mehr Aufnahmen und Lagerplätze angeschafft werden, aber diese Investitionen rechnen sich laut Robert Höhne schnell: »Das ist, als ob ich einen Baum mit einer Hand- oder einer Motorsäge fälle: Die Motorsäge ist zwar teurer, aber ich bin damit schneller.« Antonio Höhne, Betriebsleiter im elterlichen Unternehmen, fügt hinzu: »Wenn man einmal den Pool an Aufnahmen angeschafft hat, sind 95 Prozent an Werkzeugen über alle Aufträge hinweg montiert. Nur rund fünf Prozent werden neu zusammengebaut.«

Ob ein Werkzeug ausgespannt werden muss und in welches Lager es kommt, kann der Maschinenbediener mithilfe des Pottmanagers entscheiden. »Wir binden sämtliche Maschinen und Geräte in unser System ein«, beschreibt Thomas Maier, Vertriebsleiter von Adequate Solutions. »Alle zwei Sekunden fragen wir den Maschinenstatus ab und erhalten daraus sehr viele Informationen«, ergänzt er. Das Unternehmen mit Sitz in Lahr/Schwarzwald ist Vertriebspartner von Toolflakes und bietet mit dem ›AQ Factory Manager‹ eine Industrie-4.0-Lösung für Fertigungsbetriebe an.

Mit Toolflakes haben sich die Rüstzeiten bei Höhne enorm verkürzt. Im Schnitt wird zwei- bis dreimal am Tag gerüstet. Der Rüstaufwand für den Werker liegt nur »bei einer halben Stunde bis einer Stunde«, so Antonio Höhne. Bei jedem Werkzeugwechsel spart sich der Hersteller fünf Minuten – plus die Kosten des Werkzeugs. »Wenn wir das bei einem Betrieb unserer Größe rechnen, kommt ein Betrag von 500.000 Euro pro Jahr heraus«, beziffert Robert Höhne die Kostenersparnis.

Ein großer Unterschied zur Werkzeugverwaltung: Die Werkzeugverwaltung definiert die Werkzeuge, ist statisch und gibt keine Auskunft über den momentanen Ort und den Zustand der Werkzeuge. Das Werkzeugmanagement hingegen monitort sämtliche Werkzeuge. Das heißt, zu jeder Zeit ist der Zustand, Einsatzort und Auftragsbezug des Werkzeugs bekannt. Mit dem Rüsten bucht das System selbstständig die Werkzeuge auf die Maschine um.

»Um ein Werkzeug zusammenzubauen, sind nur wenige Schritte erforderlich. Das kann jeder«, ist sich Robert Höhne sicher. Außerdem findet das Anlegen eines neuen Komplettwerkzeugs nur ein einziges Mal automatisch statt. Über eine Seriennummer ist das Werkzeug eindeutig definiert und auffindbar, und alle werkzeugspezifischen Daten sind im Pottmanager hinterlegt. »Das ist in der Praxis sehr nützlich«, verrät Robert Höhne, »so weiß der Maschinenbediener immer, ob er das richtige Werkzeug hat.«


Inhaltsverzeichnis
Unternehmensinformation

Adequate Solutions GmbH

Werderstraße 34
DE 77933 Lahr
Tel.: 07821-92376-0
Fax: -20

Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren
Aktuelle Videos

Mikron: Multistar CX-24 – höhere Flexibilität mit bis zu 20 CNC-Achsen


Zu den Videos

Newsletter

Sie wollen immer top-aktuell informiert sein? Dann abonnieren Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!

Hier kostenlos anmelden

Aktuellen Newsletter ansehen

Special CNC Handbuch

Grundlagen, Definitionen und mehr - stöbern Sie in exklusiven Inhalten aus dem CNC-Handbuch und erfahren Sie mehr über CNC.

Zum Special