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maschine+werkzeug 07/2016

Zahlen von der Stange

Maschinen

Drehen - Mit Nummerierwerken, die unter anderem Seriennummern auf Geldscheine drucken, ist das Unternehmen Paul Leibinger groß geworden. Heute sind industrielle Tintenstrahldrucker ein zweites Standbein. Drehteile für beide Produktgruppen entstehen effizient auf der Index C100.

Die Paul Leibinger GmbH & Co. KG in Tuttlingen ist ein inhabergeführtes Familienunternehmen, mittlerweile in der dritten Generation. Den Grundstein hatte Paul Leibinger 1948 mit gleichermaßen zuverlässigen und langlebigen Nummerierwerken gelegt. Bis heute werden sie in der Druckindustrie eingesetzt, um veränderbare variable Daten zu drucken. Das Anwendungsspektrum reicht von Kirmeslosen, über Banknoten bis zu Pässen und anderen Dokumenten.

Waren die Nummerierwerke früher rein mechanisch, so sind die neuen Generationen voll elektrisch angetrieben. Jedes Nummerierwerk verfügt über mehrere Servomotoren, um variabel nummerieren zu können, anstatt nur fortlaufend hinaufzuzählen. Die Position der Ziffern wird über eingelassene Magnete und eine Elektronik gesteuert und überwacht. Jedes Nummerierwerk hat seinen eigenen Controller. Der Rechner nimmt nicht nur die Einstellung vor, sondern überprüft anschließend auch, ob alles richtig gemacht wurde.

Bei allem technischen Fortschritt bilden nach wie vor die Ziffernräder den Kern jedes Nummerierwerks. So ein Ziffernrad hat sehr viele unterschiedliche Merkmale. Augenfällig sind die unterschiedliche Zahl von Ziffern, der Durchmesser oder die Dicke der Rädchen, die auch innerhalb eines Nummerierwerks variieren kann. Für die Fertigung bedeutet dieser Variantenreichtum, dass jeweils nur kleine Serien oder gar Einzelteile produziert werden. Form und Größe der Ziffernräder legen den Gedanke nahe, sie auf einem Drehautomaten von der Stange zu fertigen. In Leibingers Produktion hielt eine derartige Lösung erst auf einem Umweg Einzug.

Bei Nummerierwerken für Banknoten gehört Leibinger bis heute international zu den Marktführern. In anderen Bereichen hat vielfach die günstigere digitale Drucktechnik Einzug gehalten. Bei Paul Leibinger wurden daher neue Geschäftsfelder erschlossen. Zunächst kamen industrielle Bildverarbeitungssysteme dazu, später folgten Tintenstrahldrucker für die Industrie. Wie schon mit seinen Nummerierwerken spricht Leibinger auch bei seinen Inkjets mit technologisch hochwertigen Produkten Bereiche an, in denen es in besonderem Maße auf Zuverlässigkeit und Schnelligkeit ankommt. Mit herkömmlichen Bürodruckern haben diese Geräte nur wenig gemein. In der Verpackungs-, Stahl-, Kabel-, Automobil-, Lebensmittel- und Pharmaindustrie werden sie direkt in der Produktion eingesetzt und drucken auf nahezu jedes Material.

Im industriellen Einsatz heben sich die Systeme vor allem durch den Düsenverschluss ab, der ein Austrocknen verhindert. Leibinger produziert die Geräte, die heute das Hauptgeschäft des Unternehmens darstellen, in Tuttlingen mit einer Fertigungstiefe von rund 50 Prozent. In der Zerspanung entstehen dafür präzise Dreh- und Frästeile für Schreibköpfe, Düsen, Ventile und Pumpen. Um diese Teile selber fertigen zu können und dabei auch die Qualität und die terminliche Verfügbarkeit der benötigten Teile im Griff zu haben, legte sich Leibinger 2012 die erste von inzwischen drei Index C100 zu. »Wir sind nicht den Weg des Outsourcings gegangen, sondern betreiben eher Insourcing«, erläutert Axel Stehle, Technischer Leiter bei Leibinger. »Wir haben gute Beispiele im Haus, wo wir sehen, dass dies der richtige Weg für uns war.«

Mit der Investition in die C100 hat Leibinger den Fokus in die Zukunft gesetzt. Die drei Revolver dieses Produktionsdrehautomaten ermöglichen die flexible Bearbeitung aller Drehteile der Fertigung im Bereich bis 40 Millimeter Durchmesser. Darüber hinaus bietet die C100 mit ihren insgesamt zehn Achsen auch reichlich technologische Reserven für künftige Teile. Neben den technischen Features der Maschine war für Leibinger auch deren gute Zugänglichkeit entscheidend was Index letztendlich zum Vorzug gegenüber anderen Herstellern verhalf. »Das war eine eindeutige Entscheidung. Die anderen Konzepte hatten eine viel zu schlechte Zugänglichkeit und auch bei der Maschinenkinematik sahen wir die Vorteile eindeutig bei der Index«, begründet Stehle die Kaufentscheidung.

Gut an den Arbeitsraum heranzukommen war für die Tuttlinger deshalb so wichtig, weil die vielen verschiedenen Bauteile und die Losgrößen sehr viele Rüstvorgänge erforderlich machen. Die Losgrößen bei Leibinger gehen von 1 bis 2.000, ein Großteil bewegt sich allerdings unterhalb von 50 Stück. Als es um die erste C100 ging, wurden die Drehmaschinen alle 1,2 Tage umgerüstet. Stehle: »Bei solchen Mehrachsmaschinen ist das schon eine Nummer. Heute rüsten wir noch alle 1,8 Tage um, weil wir nochmals gewachsen sind.«

Leibinger nutzt die Nachtschicht nach Möglichkeit zur mannlosen Produktion. Stehle schildert den Ablauf: »In der Regel programmieren und rüsten wir morgens. Mittags läuft die Produktion an und von abends bis morgens läuft die Maschine dann stabil mannlos durch. »Wir können im Vorfeld vieles voreinstellen, das ist auch ein Vorteil der C100«, ergänzt Bernd Schilling, Leiter der CNC-Fertigung bei Leibinger. In einer Nacht schafft die Maschine ein normales Los von gut 300 Teilen. Für mehrere kleinere Lose untersucht Leibinger gerade Möglichkeiten, nachts automatisch von einer Teilevariante auf die nächste zu wechseln.

Von Anfang an wurde auch daran gedacht, den Drehautomaten für die Fertigung der Ziffernräder einzusetzen. Dem machte zunächst der große Erfolg der Inkjets und den damit gebundenen Produktionskapazitäten für die entsprechenden Drehteile einen Strich durch die Rechnung. Doch da der Bedarf da war und die ersten Erfahrungen mit der Index positiv ausfielen, folgte alsbald eine zweite C100, die nun tatsächlich auch dafür eingesetzt wird, die Ziffernräder als Drehteile von der Stange zu produzieren.

  • Die drei Revolver der Index C100 brachten Flexibilität in die Fertigung bei Leibinger. Die insgesamt zehn Achsen des Produktionsdrehautomaten bieten noch Reserven für künftige Teile.

    Die drei Revolver der Index C100 brachten Flexibilität in die Fertigung bei Leibinger. Die insgesamt zehn Achsen des Produktionsdrehautomaten bieten noch Reserven für künftige Teile.

  • Die Ziffernräder kommen jetzt in vielen Variationen als Drehteile in kürzerer Zeit von der Stange als zuvor vom Bearbeitungszentrum.

    Die Ziffernräder kommen jetzt in vielen Variationen als Drehteile in kürzerer Zeit von der Stange als zuvor vom Bearbeitungszentrum.

  • Begutachten Drehteile (v.l.): Ralf Ziegler (Index), Axel Stehle (Leibinger), Michael Czudaj (Index), Bernd Schilling (Leibinger).

    Begutachten Drehteile (v.l.): Ralf Ziegler (Index), Axel Stehle (Leibinger), Michael Czudaj (Index), Bernd Schilling (Leibinger).

  • Daniel Marginean, Meister CNC-Drehtechnik bei Leibinger, an der Steuerung der Index C100.

    Daniel Marginean, Meister CNC-Drehtechnik bei Leibinger, an der Steuerung der Index C100.

  • Ziffernrad für ein LEN-Servo-Nummerierwerk.

    Ziffernrad für ein LEN-Servo-Nummerierwerk.

  • Modernes Nummerierwerk für Banknoten.

    Modernes Nummerierwerk für Banknoten.

  • Über große Stangenlader verfügen alle drei Index-Maschinen bei Leibinger.

    Über große Stangenlader verfügen alle drei Index-Maschinen bei Leibinger.

  • In der Fertigung (v.l.): Daniel Marginean (Meister CNC-Drehtechnik), Axel Stehle (Technischer Leiter Leibinger), Bernd Schilling (Leiter CNC-Fertigung Leibinger), Ralf Ziegler (Gebietverkaufsleiter Index).

    In der Fertigung (v.l.): Daniel Marginean (Meister CNC-Drehtechnik), Axel Stehle (Technischer Leiter Leibinger), Bernd Schilling (Leiter CNC-Fertigung Leibinger), Ralf Ziegler (Gebietverkaufsleiter Index).

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Unternehmensinformation

INDEX-Werke GmbH & Co.KG Hahn & Tessky

Plochinger Straße 92
DE 73730 Esslingen
Tel.: 0711-3191-0
Fax: -587

Paul Leibinger GmbH & Co. KG

Daimlerstr. 14
DE 78532 Tuttlingen
Tel.: 07461-9286-0
Fax: 07461-9286-199

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