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maschine+werkzeug 10/2013

»Wir haben die modernste Maschinenfabrik der Welt.«

Perspektive - Interview

Interview - Welch wichtige Rolle hochmoderne Produktionsstätten wie die neue ›Dream Site 1‹ für die Zukunft des Unternehmens spielen, erläutert Okuma-Chef Yoshimaro Hanaki.

Bild 1: »Wir haben die modernste Maschinenfabrik der Welt.«

Herr Hanaki, wie sehen Okumas Zukunftspläne aus?

Aus dem 1889 gegründeten Unternehmen Okuma haben wir einen der weltweit führenden Werkzeugmaschinenhersteller gemacht. Die Werkzeugmaschinenindustrie ist in eine neue Ära globalen Wachstums getreten. Für unser laufen-des Geschäftsjahr haben wir die Wachstumsstrategie »Global 70« ausgegeben, deren Ziel es ist, unseren Auslandsumsatz auf 70 Prozent zu erhöhen. Im vergangenen Finanzjahr lag er bei 63 Prozent.

Wie wollen sie diese Steigerung erreichen?

Wir müssen den Markennamen Okuma noch bekannter machen, vor allem in Europa, aber auch in Amerika und Schwellenländern. Ein wichtiger Bestandteil unserer Zukunftsstrategie ist unser jetzt in Betrieb gegangenes Werk »Dream Site 1« am Hauptsitz Oguchi. Es soll die Wachstumsstrategie unterstützen und unsere globale Wettbewerbsfähigkeit steigern.

Was ist das Besondere an Dream Site 1?

DS 1 ist die derzeit modernste Werkzeugmaschinenfabrik der Welt. Auf einer Fläche von 23600 Quadratmetern umfasst sie die komplette Maschinenfertigung vom Rohmaterial bis zur Verladung der fertigen Maschinen. Modernste Technologien sind hier ebenso mit eingeflossen wie die handwerkliche Erfahrung unserer Mitarbeiter. Eine wirtschaftliche Fertigung in hoher Variantenvielfalt ist so auch bei kleinen Stückzahlen möglich. 40 automatisierte Bearbeitungsmaschinen arbeiten rund um die Uhr. Die Kapazität der neuen Fabrik liegt bei 120 Maschinen pro Monat. Mit kürzeren Bearbeitungszeiten konnte die bisherige Produktion um 30 Prozent gesteigert werden.

Wie viel wurde in das neue Werk investiert?

DS1 hat rund 80 Millionen Euro gekostet.

Mit DS 1 erreichen Sie höhere Produktivität und senken Kosten. Erlaubt Ihnen das, Preise zu senken?

Natürlich können Kosten gesenkt werden, aber die Preise unterscheiden sich von den Kosten. Preise sind immer auch etwas politisch. Unser neues Werk soll uns helfen, auf den internationalen Märkten wettbewerbsfähig zu sein – natürlich auch, was Preise anbelangt. Wir messen uns aber weder mit Herstellern aus Taiwan oder Korea noch mit aufkommenden Herstellern aus China.

Sehen Sie chinesische Maschinenhersteller in den nächsten Jahren als Bedrohung an?

Nein, das glaube ich nicht. China kann nicht jeden Markt bedienen. Über 97 Prozent der produzierten Werkzeugmaschinen sind für den eigenen Markt bestimmt, für den sie auch konzipiert sind. Mag sein, dass das in fünf bis zehn Jahren anders sein wird, was ich aber nicht glaube. Es gehört viel Können dazu, hochwertige Maschinen zu bauen. Auch Taiwan und Korea ist es nicht gelungen, zu Japan aufzuschließen. China ist noch weiter entfernt davon.

Was ist die größte Herausforderung für Okuma in den kommenden Jahren?

Auf der Managementseite sind das die Bestrebungen, unseren Exportanteil zu erhöhen. Auf der Technologieseite sieht unsere Philosophie so aus, dass wir die komplette Verantwortung übernehmen. Das heißt, wir stellen außer der Maschine auch die Steuerung selber her und produzieren Schlüsselkomponenten in unseren eigenen Werken.

Die Fertigungstiefe ist also sehr hoch?

Ja, das ist sie zwangsläufig, denn im Gegensatz zu Deutschland haben wir hier in Japan nicht so viele Zulieferer von Komponenten. Spindeln, Revolver, Reitstöcke und Tische stellen wir selber her. Wir kaufen keine kompletten Einheiten zu. Vor allem in den Spindeln steckt sehr viel von unserem Know-how, daher findet von der Entwicklung bis zur Fertigung alles bei uns im Haus statt.

In welchen Branchen ist Okuma stark vertreten?

Unser größter Markt ist die Automobilindustrie. Nach wie vor verzeichnen wir hier Wachstum. Eine zweite für uns sehr wichtige Branche ist die Luft- und Raumfahrt. Der stark wachsende Markt macht dieses Segment für uns Maschinenhersteller sehr attraktiv. Der Bedarf an neuen Flugzeugen in den nächsten 20 Jahren wird auf etwa 33000 geschätzt.

Warum baut Okuma eine weitere Fabrik in Japan anstatt ins Ausland zu gehen?

Die Entscheidung dafür habe ich vor zwei Jahren getroffen, weil wir hier unsere Produktivität am besten steigern können. Neben modernen Produktionsmaschinen gehören dazu auch die neuen IT-Systeme, die wir hier einsetzen. Da bei vielen Teilen Handarbeit erforderlich ist, sind wir auch auf gut ausgebildete Mitarbeiter angewiesen.

Wäre eine strategische Partnerschaft mit anderen Unternehmen eine Option?

Mit dem richtigen Partner können wir uns durchaus eine Kooperation vorstellen. Bislang haben wir allerdings noch keinen passenden gefunden.

Wie kamen Sie auf die Bezeichnung Dream Site 1 für die neue Fabrik in Oguchi?

Für uns ist Dream Site die Zukunft. Junge Leute haben Träume. Ich habe den Traum, im globalen Markt noch stärker zu werden, der dann bis zu 80 Prozent unseres Geschäfts ausmachen könnte.

Hat Okuma ein eigenes Ausbildungssystem?

Derzeit haben wir das nicht. Wir hatten schon mal ein eigenes System, setzen inzwischen aber wieder auf öffentliche Schulungsmöglichkeiten. Sehr interessant ist ein Wettbewerb, den wir jährlich ausrichten und auf den sich unsere jüngeren Mitarbeiter sehr gut vorbereiten. Ein wichtiger Grund dafür, dass der Maschinenbau in Japan so stark geworden ist, sind dessen handwerkliche Wurzeln. Käme es nur auf vollautomatisch arbeitende Maschinen und Montagesysteme an, wären wir heute nicht in dieser starken Position, dann läge vermutlich China vorne.

Wann wird Dream Site 2 gebaut werden?

Die Weltwirtschaft wächst, aber sie wächst langsam. Wenn dieses Wachstum anhält, werden wir in ein bis zwei Jahren gleich unser nächstes Werk bauen.

Vita

Yoshimaro Hanaki ist seit 2006 President & CEO der Okuma Corporation. Hanaki war im April 1965 in das Unternehmen eingetreten. 1995 wurde er hier General Manager der Electrical Equipment Operations Division. Der Okuma America Corporation stand er seit 2001 als President vor.

Weitere Informationen:

Okumas neue Traumfabrik

www.maschinewerkzeug.de/138513

Unternehmensinformation

Hommel GmbH

Donatusstraße 24
DE 50767 Köln
Tel.: 0221-5989-0
Fax: -200

OKUMA Europe GmbH

Postfach 101654
DE 47716 Krefeld
Tel.: 02151-374-0
Fax: -100

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