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maschine+werkzeug 03-04/2010

»Wer seine Kosten nicht im Griff hat, ist schnell weg.«

EXTRA

Interview Für Lothar Schmale ist Kosteneffizienz Programm. Vor allem im Automobilbau ist seine Software zur Messlatte für einen fairen Wettbewerb geworden.

Bild 1: »Wer seine Kosten nicht im Griff hat, ist schnell weg.«

Herr Schmale, warum ist Kosteneffizienz so enorm wichtig?

Dabei geht es um das Überleben einer Firma! Ein Unternehmen muss stets wissen, wo es gerade steht. Den Benchmark dafür, an dem sich jeder messen kann, geben wir an. Wir setzen die Richtlatte durch die Vielzahl an Lizenzen, die wir bereits verkauft haben. Daran können sich die Firmen messen. Unsere Kalkulation baut nicht nur auf theoretisches Wissen auf, sondern auch auf die praktische Seite, das Machbare. Damit wird es vermieden, unrealistische Werte anzusetzen.

Woher wissen Sie, was machbar ist?

Das wissen wir unter anderem aus langjährigen Berufserfahrungen. Ich war 23 Jahre lang Geschäftsführer eines Unternehmens im Werkzeug- und Formenbau. Wichtig ist auch, dass die ganze Kalkulation auf unser Werkstatt-Tool aufbaut. Diese Software ist bei allen namhaften Automobilisten und namhaften Systemlieferanten, aber auch bei ganz kleinen Werkzeugbauern im Einsatz. Wir halten ständig Kontakt zu diesen Kunden und bekommen so ein sehr genaues Feedback: Können die angesetzten Zeiten umgesetzt werden? Braucht man länger? Können die Zeiten noch getoppt werden? Durch diesen ständigen Informationsfluss sind wir auf dem aktuellen Stand dessen, was machbar ist.

Wie wird denn überprüft, ob eine Firma, die Ihre Werte toppen kann, noch wirtschaftlich arbeitet?

Solche Fälle prüfen wir sehr genau und gehen ganz tief ins Detail. Dabei überprüfen wir die gefahrenen Schnittwerte, Vorschübe, Drehzahlen, Hochgeschwindigkeitsspindeln und vieles mehr. Aber erst wenn entsprechende Werte sich über längere Zeit umsetzen lassen, müssen auch wir unsere Werte korrigieren.

Geht es dabei nur um die Optimierung des Gewinns?

Wer denkt denn jetzt nur an Gewinn! Die Frage ist doch oft viel eher: Wie überlebe ich als Firma? Der Knackpunkt ist jetzt viel eher, wo gewisse Grenzen nach unten liegen, die man tunlichst nicht unterschreiten sollte. Bei den Firmen macht mittlerweile nicht mehr der Vertrieb allein die Preise, sondern recht früh wird bereits die Geschäftsleitung eingeschaltet. Hier ist unser Tool eine große Möglichkeit, die Kosten transparent auf einem Blatt darzustellen. Hier ist auf einen Blick zu erkennen, wo die Grenze ist, oder wo bei einem bestimmten Preis der durchschnittliche Stundensatz liegen muss. In mittelständischen Unternehmen hatten sich die Inhaber schon sehr früh eingeschaltet und wollten wissen, wo die jeweilige Preisgrenze ihrer Produkte liegt.

Was bedeutet kosteneffiziente Produktion für die Arbeitsplätze?

Wenn wir keinen Benchmark haben, könnten wir ja annehmen, wir seien die Besten im internationalen Wettbewerb. Auch um die eigenen Schwächen festzustellen taugt das Tool. Man kann damit Aussagen treffen, ob es sinnvoll ist, alles selber herzustellen oder ob es im Sinne der Wettbewerbsfähigkeit sinnvoll ist, gewisse Produkte zuzukaufen. Natürlich lässt sich auch messen, was eine Firma tun muss, um wieder wettbewerbsfähig zu werden. Wenn wir das nicht tun, werden wir von Billiglohnländern überholt. Die Frage sollte daher eher sein, wie man mit diesen Ländern kooperieren kann, wenn das sinnvoll ist.

Was ist die Stärke Ihres neuen Tools?

Die Dockingstation ist nicht nur dazu gut, Daten zu importieren. Man kann damit schneller die Kostentreiber analysieren – in Verbindung mit dem Werkzeug zum Teil. Das Werkzeug ist nur Mittel zum Zweck, entscheidendes Kriterium ist der Teilepreis.

Voraussetzung ist aber doch, dass der Anwender einen relativ guten Forecast für die Stückzahlen hat?

Ganz richtig. Das ist die ausschlaggebende Zahl. Viele Firmen hat es ja schon das Genick gebrochen, dass hier andere Zahlen eingetreten sind als die ursprünglich geplanten.

Wo schlummern in Ihren Kalkulationen noch Reserven?

Im Moment wird weniger investiert, Maschinen werden länger genutzt. Wir rechnen beim Stundensatz aber immer mit Vollkosten. Bei Kaufteilen werden bei uns auch Montagezeiten dafür berücksichtigt. Wir suchen den günstigsten Anbieter, lassen aber Rabatte außen vor.

Wir wissen auch, dass Firmen, die technologisch gut aufgestellt sind und über entsprechende Maschinenparks verfügen unsere Zeiten toppen können. Da sind noch 10 bis 20 Prozent drin. Wenn sehr viele schneller sind als unsere Vorgaben, kann die Richtlatte neu gesetzt werden. In der Kalkulation für den Werkzeugbau ist das nicht anders als beim Sport.

Kommt in Ihrem Programm auch Doping vor?

Es gibt Leute, die versuchen das – bisher konnte das aber abgewehrt werden. Bei uns gibt es kein Doping, das lassen wir nicht zu. Wir als Softwarehersteller beliefern alle Kunden gleich. Es gibt nur ein Tool und das ist für alle gleich. Jeder kann aber seine Parameter, seine Effektivität selber einstellen oder nachkalkulieren.

Wie hat sich der Markt gewandelt?

Früher wurden noch Gewinne erwirtschaftet. Wenn dann eine oder zwei Kalkulationen mal nicht so aufgegangen sind, konnte das ausgeglichen werden. Da der Markt jetzt enger zusammengerückt ist, sind die Gewinne schmaler geworden. Wenn jetzt eine Kalkulation danebenliegt, ist das kaum noch wettzumachen. Ein Werkzeugbauer kann so schnell in die roten Zahlen kommen.

Wie entwickelt sich Ihre KalkulationsSoftware weiter?

Zunächst war das Tool für uns nur Mittel zum Zweck, um schnell einen Preis zu ermitteln. Jetzt kann es viel mehr. Da wir inzwischen auch international aufgestellt sind, wurde die Darstellung mit Bildern sehr wichtig. Das reine Funktionsprogramm hat sich zu einem Darstellungsprogramm gewandelt. Man sieht nun gleich, wovon man spricht.

www.schmale-gmbh.com


Inhaltsverzeichnis
  • 1: »Wer seine Kosten nicht im Griff hat, ist schnell weg.«
  • 2: Vita
Unternehmensinformation

Schmale Werkzeug- und Formtechnik GmbH

Limbergstraße 9
DE 35649 Bischoffen
Tel.: 06444-92-1780
Fax: -1781

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