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maschine+werkzeug 07/2014

Robust und filigran

Technik - Maschinen

Grossteilebearbeitung - Kinkele in Ochsenfurt ist ein Auftragsfertiger der besonderen Art. Bei Werkstücken von etwa 200 Kilogramm bis zu 50 Tonnen ist das Unternehmen stolz auf Fertigungsqualität, Termintreue und Mehrwert für die Kunden. Produziert wird überwiegend auf Maschinen von Schiess, die als robust und filigran geschätzt werden.

Man muss es gesehen haben, um tatsächlich zu begreifen, was in diesem Familienbetrieb alles entsteht und mit welcher Akribie im unterfränkischen Ochsenfurt Großteile produziert werden. Hier werden Werkstücke für vergleichsweise profane Anwendungen gefertigt wie etwa große Wendeln für Misch- und Rührgeräte, die Baustoffe mischen, lange Extruderwellen für die Kunststoffindustrie und Maschinenteile für die Kautschukgewinnung.

Raketenteile und hoch präzise Komponenten für einen Teilchenbeschleuniger stehen am anderen Ende des imposanten Teilespektrums. Daneben sieht man in der Produktionshalle das Entstehen von Unterbauten für einen Flugsimulator, der ein Cockpit realistisch bewegen soll, und für ein Teleskop, das für den Einsatz auf einem Gletscher in Grönland bestimmt ist. Nach hoher Präzision verlangen auch Produktionseinheiten für Solarzellen und diverse andere Bauteile, die in ihrer Endbestimmung dichtes Vakuum gewährleisten sollen. Die runden Deckel für Castor-Behälter repräsentieren die Sparte Energietechnik, in der Kinkele auch mit der Fertigung von Teilen für Bohrinseln oder Offshore-Anlagen vertreten ist.

Kurt Kinkele, der die Firma in der fünften Generation zusammen mit seiner Mutter leitet, weiß, dass es nicht einfach ist, einem neuen Kunden die vielseitige Leistungsfähigkeit seines Unternehmens zu vermitteln. »Es ist schwierig, das alles in ein Foto zu verpacken, in einem Prospekt zu zeigen oder in einem Besprechungszimmer zu erörtern«, berichtet er aus Erfahrung. Aber er hat eine elegante Lösung für dieses Problem gefunden: Wann immer es möglich ist, macht er mit Kunden und potenziellen Auftraggebern einen Rundgang durch die Fertigung. Dass dies für die meisten Besucher ein Aha-Erlebnis ist, nimmt man dem jungen Firmen-Chef gerne ab.

Das Unternehmen war 1885 als mechanische Werkstatt gegründet worden, die Reparaturen ausführte. Die Fertigung von Teilen begann mit Dezimalwaagen, Tabernakeln für Kirchen und Kassaschränken. Lange noch war die Arbeit bei Kinkele vom landwirtschaftlichen Umfeld der Region geprägt. Die Reparatur von Landmaschinen bildete einen großen Teil des Geschäfts. Nach und nach kam dann der Übergang zum Maschinen- und Apparatebau, für den sowohl repariert als auch gefertigt wurde. Für die Entwicklung des Unternehmens in seiner heutigen Form stellte Friedrich A. Kinkele, der Vater des heutigen Geschäftsführers, 1980 mit dem Umzug des Unternehmens ins geräumige Gewerbegebiet von Ochsenfurt-Hohestadt die Weichen. Dem über die Jahre gewachsenen Unternehmen stehen heute rund 35000 Quadratmeter in mehreren Hallen zur Verfügung, in denen nicht nur zerspant, sondern auch geschweißt, lackiert und montiert wird. Kinkele fertigt und produziert heute für alle 42 im VDMA vertretenen Branchen und macht einen Jahresumsatz von etwa 57 Millionen Euro.

Sich als Auftragsfertiger so breit aufzustellen, war ebenfalls der Grundgedanke des vor knapp zwei Jahren verstorbenen Friedrich A. Kinkele, dessen Leitsätze heute noch im Unternehmen allgegenwärtig sind. »Mein Vater hat damals gesagt: Auf mehreren Beinen zu stehen ist leichter als auf einem oder zwei, da fällt man nicht so schnell um«, erinnert sich Kurt Kinkele. Er hat bereits erfahren, wie sehr diese Strategie bis heute ihre Berechtigung hat: »Über die konjunkturellen Zyklen ergeben sich viele Schwankungen, die sich oft auch ausgleichen. Und deswegen konnten wir auch die Beständigkeit in der Firma wahren. Gerade in letzter Zeit merken wir sehr stark, dass die Märkte nervös geworden sind. Wir haben da etwa sehr hohe Auftragseingänge in einem Monat, im nächsten dann nur noch die Hälfte und dann geht es wieder hoch. Da ist Planung sehr schwer, und da fällt es leichter, je größer die Breite ist, auf die wir zielen.«

Vakuumtechnik, Forschung und Entwicklung, Medizintechnik sowie Offshore-Anlagen haben sich bei aller Vielfalt als gewisse Schwerpunkte herauskristallisiert. Welche Branche gerade boomt, kann Kinkele am Auftragseingang deutlich ablesen. »Momentan zieht auch die chemische Industrie stark an«, berichtet Robert Krämer, Technischer Leiter und Mitglied der Geschäftsleitung.

Im Gespräch mit den beiden Geschäftsführern fällt auf, wie gut sie mit den Bauteilen und Produkten vertraut sind, die in ihrem Unternehmen entstehen. Bei einem Auftragsfertiger ist dieses profunde Wissen um die beabsichtigte Einsatzweise der Erzeugnisse durchaus nicht selbstverständlich. Doch das gehört mit zum Konzept von Kinkele und wird hier als Mehrwert verstanden. Kurt Kinkele schildert das Vorgehen: »Das Know-how kommt grundsätzlich vom Kunden, und wir versuchen den Kunden fertigungstechnisch zu unterstützen und dann in den Fertigungsprozess möglichst früh einzugreifen, um Ressourcen zu heben, die da noch drin schlummern, um möglichst günstig fertigen zu können. Das ist der Mehrwert, den wir den Kunden bieten wollen.«

  • Bei der Bearbeitung dieser Vakuumkammern spielt die Horimaster von Schiess ihre Stärken aus. Die Teile werden im vollen Umfang präzise im Gegen- und Gleichlauf gefräst.

    Bei der Bearbeitung dieser Vakuumkammern spielt die Horimaster von Schiess ihre Stärken aus. Die Teile werden im vollen Umfang präzise im Gegen- und Gleichlauf gefräst.

  • Die hydrostatisch gelagerte Spindel der Horimaster überzeugt mit hoher Antriebsleistung und hervorragender Dämpfung.

    Die hydrostatisch gelagerte Spindel der Horimaster überzeugt mit hoher Antriebsleistung und hervorragender Dämpfung.

  • Die Gantry-Maschine DSA 2 von Schiess wird bei Kinkele wegen ihrer Flexibilität geschätzt. Hier werden gleich drei völlig unterschiedliche Werkstücke für die anstehende Bearbeitung aufgespannt.

    Die Gantry-Maschine DSA 2 von Schiess wird bei Kinkele wegen ihrer Flexibilität geschätzt. Hier werden gleich drei völlig unterschiedliche Werkstücke für die anstehende Bearbeitung aufgespannt.

  • Mit der Schiess bestens vertraut: Maschinenbediener bei Kinkele in Ochsenfurt.

    Mit der Schiess bestens vertraut: Maschinenbediener bei Kinkele in Ochsenfurt.

  • Die Schiess Vertimaster ist Kinkeles größte Karusselldrehmaschine.

    Die Schiess Vertimaster ist Kinkeles größte Karusselldrehmaschine.

  • Die 4,00 Meter große Planscheibe der Vertimaster erlaubt die Bearbeitung von Teilen bis zu einer Größe von 5,20 Meter.

    Die 4,00 Meter große Planscheibe der Vertimaster erlaubt die Bearbeitung von Teilen bis zu einer Größe von 5,20 Meter.

  • V.l.: Kurt Kinkele (Geschäftsführer), Robert Krämer (Technischer Leiter Kinkele), Kersten John (Regional-Vertriebsleiter Schiess).

    V.l.: Kurt Kinkele (Geschäftsführer), Robert Krämer (Technischer Leiter Kinkele), Kersten John (Regional-Vertriebsleiter Schiess).

  • Hochpräzise gefertigt, nachgemessen und das Ergebnis dokumentiert: Der XFEL-Undulator geht in die Forschung.

    Hochpräzise gefertigt, nachgemessen und das Ergebnis dokumentiert: Der XFEL-Undulator geht in die Forschung.

  • Für die ›Pieter Schelte‹, das größte Arbeitsschiff der Welt, wird auf der DSA 1 eine Grundplatte gefertigt, ...

    Für die ›Pieter Schelte‹, das größte Arbeitsschiff der Welt, wird auf der DSA 1 eine Grundplatte gefertigt, ...

  • ... auf der Kinkele ein ›Toplifting device‹ montiert, eine Hebeeinrichtung des Schiffs für Bohrinseln.

    ... auf der Kinkele ein ›Toplifting device‹ montiert, eine Hebeeinrichtung des Schiffs für Bohrinseln.

  • Deckel für Castor-Behälter zum Transport radioaktiver Abfälle entstehen bei Kinkele in einer kleinen Serie.

    Deckel für Castor-Behälter zum Transport radioaktiver Abfälle entstehen bei Kinkele in einer kleinen Serie.

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Inhaltsverzeichnis
Unternehmensinformation

KINKELE GmbH & Co. KG Maschinen-Apparate-Stahlbau

Rudolf-Diesel-Straße 1
DE 97199 Ochsenfurt
Tel.: 09331-909-0
Fax: 09331-909-10

SCHIESS GmbH

Ernst-Schiess-Str. 1
DE 06449 Aschersleben, Sachs-Anh
Tel.: 03473-968-0
Fax: -130

SCHIESS Tech GmbH c/o SMTCL Deutschland GmbH

Orber Str. 8
DE 60386 Frankfurt
Tel.: 069-4305328-34

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