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maschine+werkzeug 06/2013

Interview / Weiler

»In allen Vergleichsmessungen hatten unsere Zyklenmaschinen immer die Nase vorn.«

Interview - Hersteller Weiler Werkzeugmaschinen verkauft seit 75 Jahren erfolgreich Drehmaschinen. Auf der Jubiläumsfeier verrieten Geschäftsführer Friedrich K. Eisler und Sohn Michael das Erfolgsgeheimnis des Unternehmens.

Weiler ist im deutschsprachigen Raum Markführer von konventionellen und zyklengesteuerten Drehmaschinen. Sind Sie stolz auf diese Leistung?

Friedrich K. Eisler: Wir haben schon einige Tiefen durchlebt, denn Anfang der 90er-Jahre stand Weiler beinahe vor dem Aus. Das österreichische Stahlunternehmen Voest-Alpine hat Weiler im Zuge der Expansionspläne im Werkzeugmaschinenbereich gekauft, in der kurz darauffolgenden Struktur- und Wirtschaftskrise aber wieder abgestoßen. 1995 habe ich Weiler im Management-Buy-out von Voest-Alpine komplett übernommen, nachdem ich das Unternehmen zuvor saniert hatte. Aus drei Standorten wurde einer, die ehemals 730 Mitarbeiter mussten auf 118 reduziert werden. Das war die Basis für den Wiederaufstieg zum heutigen Unternehmen, das inzwischen mehr als 550 Mitarbeiter an zwei Standorten beschäftigt.

Was ist das Erfolgsgeheimnis von Weiler?

Friedrich K. Eisler: Für den Erfolg von Weiler steht natürlich unser guter Name einerseits, aber natürlich auch unser Programm an Werkzeugmaschinen andererseits. Dafür tragen wesentlich die Mitarbeiter bei. Nur durch innovative Ideen und ihre Treue zum Unternehmen sind wir zu dem geworden, was wir heute sind. Man muss auch weitsichtig agieren. Drehmaschinen für die Ausbildung wurden beispielsweise schon mehrmals totgesagt. Dennoch habe ich beschlossen, diese Produktgruppe zu behalten und sogar auszubauen. Heute ist Weiler in Deutschland der einzige Hersteller, der noch Maschinen für die Ausbildung produziert.

Wie groß ist denn der Anteil von Ausbildungsmaschinen im Vergleich zu Maschinen für die Produktion?

Friedrich K. Eisler: Rund 60 bis 70 Prozent unserer konventionellen Drehmaschinen gehen in den Bereich Ausbildung sowie in den Formen- und Werkzeugbau, der Rest in die Produktion. Auch wissenschaftliche Einrichtungen wie beispielsweise das Fraunhofer-Institut nutzen unsere Maschinen für Versuche bei technologischen Analysen und die Produktion hochgenauer Versuchsvorrichtungen. Aus der umfangreichen Produktpalette der zyklengesteuerten Drehmaschinen sind vor allem die kleineren Typen auch häufig in der Ausbildung zu finden.“

Wo liegen denn die Vorteile einer zyklengesteuerten Drehmaschine?

Friedrich K. Eisler: Eine zyklengesteuerte Drehmaschine hat eine Steuerung mit einer speziellen, anwenderfreundlichen und einfach zu bedienenden Weiler-Benutzeroberfläche, die wir in Zusammenarbeit mit Siemens entwickelt haben. Programmierbare Zyklen können automatisch mit einer vollen CNC-Steuerung im Hintergrund oder auch manuell abgearbeitet werden. Mit einer zyklengesteuerten Drehmaschine lassen sich Kleinserien und Einzelprodukte mit höchster Qualität und mit unterschiedlichsten Dimensionen herstellen. Wir haben dieses Konzept von Voest-Alpine mitsamt dem Konstruktionschef übernommen, der es für das Unternehmen kurz zuvor entwickelt hatte. Das war die Basis für den Ausbau dieser Technik und wir haben sie über die Jahre intensiv weiterentwickelt.

Michael Eisler: Die Bedienoberfläche der Zyklensteuerung haben wir zusammen mit den Anwendern entwickelt, sodass in der Praxis kein CNC-Programmierer nötig ist. Der konventionelle Dreher kann auf unserer Maschine eingelernt werden und mit geringem Schulungsaufwand die Vorteile einer ›CNC-Maschine‹ nutzen. Es lassen sich einzelne Zyklen fahren oder das ganze Programm wie bei einer CNC-Maschine abspulen. Der Dreher kann jederzeit eingreifen und auf den konventionellen Modus umschalten und mit den Handrädern arbeiten. Das ist einer unserer Unique-Selling-Points. Wir sind außerdem der einzige Hersteller in Deutschland, der die ganze Bandbreite von konventionellen, zyklengesteuerten und CNC-Drehmaschinen anbieten kann.

Gibt es neben der Steuerung sonst noch Vorteile einer zyklengesteuerten Drehmaschine?

Friedrich K. Eisler: Die Maschine ist eine allen ergonomischen Anforderungen entsprechende zugängliche Maschine, da der Mitarbeiter einen direkten Zugriff zum Arbeitsprozess hat, ohne dass er sich das Kreuz verbiegen muss. Durch die rüstfreundliche Konzeption der Maschinen und die einfache Programmierung liegt einer der größten Vorteile im Vergleich zu herkömmlichen CNC-Drehmaschinen in dem beträchtlichen Zeitgewinn zwischen Auftragsstart bis zum ersten fertig produzierten Werkstück. In allen Vergleichsmessungen bei Kunden, die beide Technologien anwenden, hatten unsere Zyklenmaschinen immer die Nase vorn. Davon profitieren besonders Hersteller, die oft das Programm wechseln und keine großen Stückzahlen haben.

Weiler baut zyklengesteuerte Drehmaschinen auch für besonders große Durchmesser und Längen. Das neue Modell E200 hat einen Umlaufdurchmesser von 2000 Millimeter über Bett. Für welche Industrien ist diese Maschine geeignet?

Friedrich K. Eisler: Die E200 kommt beispielsweise in Industrien wie dem Bergbau oder Großmaschinenbau zum Einsatz. Auch Wellenteile, wie sie bei Pumpen benötigt werden, oder Walzen aus dem Straßenbau können mit einer E200 bearbeitet werden. Weitere Anwendungen sind die Nachbearbeitung von Radsätzen im Bereich der Schienenfahrzeugtechnik, die Trommelfertigung für Seilbahnanlagen oder die kombinierte Dreh-, Fräs- und Schleifbearbeitung großer Rotoren.

An welchen Produktionsstandorten produzieren Sie Ihre Drehmaschinen?

Friedrich K. Eisler: Neben unserem Werk in Emskirchen produzieren wir auch im tschechischen Holoubkov in der Nähe von Pilsen. Die Maschinen für die Ausbildung werden komplett in Emskirchen produziert. In Tschechien stellen wir hauptsächlich die Teile für unsere großen Maschinen her. Unsere großen Maschinenbetten werden beispielsweise in Holoubkov gefräst und geschliffen. In Tschechien werden aber auch Radialbohrmaschinen hergestellt. Das Werk dort hat in diesem Bereich eine jahrzehntelange Erfahrung und genießt einen ausgezeichneten Ruf.

Michael Eisler: Alle in Tschechien produzierten Teile werden nach Emskirchen geliefert und die Maschinen werden hier sowohl mechanisch als auch elektrisch und steuerungstechnisch endmontiert. Hier finden auch die Abnahme- und Funktionsprüfungen vor Auslieferung unserer Produkte statt. Wir verkaufen unsere Maschinen weltweit. In Europa liegt der Schwerpunkt im deutschsprachigen Raum, aber auch alle anderen EU-Staaten sind für uns ebenso wie die GUS-Staaten ein interessanter Absatzmarkt. Außerhalb Europas sind die USA und Kanada umsatzstarke Märkte.

Sind asiatische Maschinenbauer eine starke Konkurrenz für Weiler?

Michael Eisler: Hier muss man in der Tat immer achtsam sein. Ähnliche Maschinen werden auch in Asien hergestellt. Die Qualität und Präzision einer Maschine werden aber nicht allein durch die Summe aller Teile, sondern auch durch das Know-how der Mitarbeiter und den gesamten Prozess von der Fertigung bis zur Montage und Auslieferung bestimmt. Drehmaschinen lassen sich in China sicherlich günstiger kaufen, die Qualität, Präzision und Technologie der in China produzierten Werkstücke sind aber nicht mit denen unserer Maschinen vergleichbar.

Sind die Kunden bereit für diesen Qualitätsvorsprung mehr Geld zu bezahlen?

Michael Eisler: Für unsere Kunden ist eine Toleranz im Mikrometer-Bereich wichtig. Wem ein paar Hundertstel reichen, der wird sich wahrscheinlich eine günstige Maschine aus Fernost kaufen. Wenn er damit zufrieden ist, gut. Für uns wäre das nicht die richtige Zielgruppe.

Besteht in Asien ein Interesse an Weiler-Maschinen?

Michael Eisler: Wir sind auch auf dem chinesischen Markt präsent. Meistens jedoch über unsere deutschen Kunden, die dort aktiv sind. Wir finden aber immer mehr Zugang zu den lokalen Unternehmen, hier werden wir unsere Anstrengungen forcieren. Aus unserer Sicht dürfen wir diesen Markt nicht ignorieren. Jede verkaufte Maschine ist eine Maschine mehr. Es ist jedoch schwierig, da wir einen Nischenmarkt bedienen und zuerst ein Vertriebsnetz aufbauen müssen. Dafür benötigen wir die richtigen Partner, die unsere Technologie verstehen und wissen, wie sie unsere Maschinen verkaufen können.

Was sind Ihre Zukunftspläne? Möchten Sie weiter expandieren?

Michael Eisler: Wir bleiben bei unseren Kernbereichen, eine Expansion steht bei uns nicht im Vordergrund, ist aber nicht ausgeschlossen. Uns ist es wichtig, eine höhere Marktdurchdringung mit unseren aktuellen Produkten zu erreichen. Wir entwickeln auch unsere Maschinen stetig weiter. Ganz neu sind beispielsweise unsere 4-Bahnen-Bett-Maschinen. Auf der EMO in Hannover werden wir wieder etwas Neues präsentieren.

Friedrich K. Eisler: Für uns kommen auch Zukäufe in Frage, wenn sie in unser Portfolio passen. Auch komplementäre Produkte sind für uns interessant. Wir wollen jedoch nicht nur um des Wachstums willen wachsen. Man muss mit großer Überlegung handeln. Wir sind einer Expansion aber nicht abgeneigt.

  • »Drehmaschinen lassen sich in China günstiger kaufen. Qualität, Präzision und Technologie der in China produzierten Werkstücke sind aber nicht mit denen unserer Maschinen vergleichbar.« Michael Eisler, Mitglied der Geschäftsführung von Weiler Werkzeugmaschinen GmbH

    »Drehmaschinen lassen sich in China günstiger kaufen. Qualität, Präzision und Technologie der in China produzierten Werkstücke sind aber nicht mit denen unserer Maschinen vergleichbar.« Michael Eisler, Mitglied der Geschäftsführung von Weiler Werkzeugmaschinen GmbH

  • »Drehmaschinen für die Ausbildung wurden schon mehrmals totgesagt. Dennoch habe ich diese Produktgruppe behalten. Heute ist Weiler in Deutschland der einzige Hersteller, der noch Maschinen für die Ausbildung produziert.« Friedrich K. Eisler, Geschäftsführer von Weiler Werkzeugmaschinen GmbH

    »Drehmaschinen für die Ausbildung wurden schon mehrmals totgesagt. Dennoch habe ich diese Produktgruppe behalten. Heute ist Weiler in Deutschland der einzige Hersteller, der noch Maschinen für die Ausbildung produziert.« Friedrich K. Eisler, Geschäftsführer von Weiler Werkzeugmaschinen GmbH

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Inhaltsverzeichnis
Unternehmensinformation

Weiler Werkzeugmaschinen GmbH

Friedrich K. Eisler Straße 1
DE 91448 Emskirchen
Tel.: +49 - 9101 - 705 100
Fax: +49 - 9101 - 705 200

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