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maschine+werkzeug 07/2017

"Hommel war und ist ein kerngesundes Unternehmen mit einer guten Liquidität"

Interview mit Gisbert Krause, Geschäftsführer Hommel

Geschäftsführer Gisbert Krause hat eine konkrete Vorstellung davon, wie Hommel erfolgreich bleibt: durch Mehrwert in Beratung, Vertrieb und Service. Und warum die Wollschläger-Insolvenz das Unternehmen nicht trifft.

Schon kurz nachdem bekannt wurde, dass Hommel-Gesellschafter Wollschläger insolvent ist, gab es von Ihnen das Statement, die Hommel Gruppe sei von der Insolvenz in keiner Weise betroffen. Weshalb waren Sie sich so schnell so sicher?

Wir konnten uns sicher sein, da Herr Wollschläger immer sehr korrekt darauf geachtet hat, dass es keine finanziellen Verflechtungen zwischen den beiden Unternehmen gab. Beide Unternehmen haben über die ganze Zeit der Zugehörigkeit der Hommel Gruppe zu Wollschläger völlig separat agiert. Insofern war klar, dass wir, einmal abgesehen von der menschlich kollegialen Dimension, von der Insolvenz unseres Gesellschafters in keiner Weise betroffen sind.

»Bei Industrie 4.0 stehen wir noch am Anfang, aber das Handwerkszeug ist definiert. Unsere Maschinen können alle in übergreifende Datennetze integriert werden.« Gisbert Krause, Geschäftsführer der Hommel GmbH Bild: Hommel

Vita

Gisbert Krause ist seit 1. Juni 2006 Gesamtgeschäftsführer der Hommel Gruppe. Geboren 1962, durchlief er im Zeitraum 1980 bis 1999 diverse berufliche Stationen: als Zerspanungsmechaniker, Servicetechniker, Meister in der Zerspanung, Betriebs- und Vertriebsleiter im Sondermaschinen- und Anlagenbau. Ab 1999 übernahm er bei Wollschläger die Aufgabe als Bereichsleiter für den Vertrieb und Service von Werkzeugmaschinen sowie die Geschäftsführung für Gebrauchtmaschinen.

Nun kann man aber davon ausgehen, dass der Wettbewerb gerade in der ersten Zeit versucht hat, die Situation für sich auszunutzen. Hat dies der Hommel Gruppe geschadet?

So unerfreulich ein solches Vorgehen auch sein mag, heute, zehn Monate nach dem Insolvenzantrag, kann ich sagen, dass uns dies nicht geschadet hat. Wir haben, im Gegenteil, aus Kundenkreisen viel Unterstützung erfahren, vor allem da es doch ziemlich schnell deutlich wurde, dass an den Gerüchten nichts dran war.

Wie haben denn Ihre Lieferwerke auf die Wollschläger-Insolvenz reagiert?

Sowohl unsere Herstellerpartner als auch unsere Lieferantenpartner haben sehr besonnen reagiert. Gerade in den ersten Tagen hat es sich gezeigt, wie wichtig die Pflege einer offenen Beziehung zu unseren Partnern ist. Schon nach wenigen Tagen haben unsere Partner signalisiert, dass die Zusammenarbeit so wie in der Vergangenheit weitergeführt wird. Das hat den Gerüchten ziemlich schnell alle Grundlagen entzogen.

Gab es denn für ein immer mögliches Worst-Case-Szenario einen Plan B?

Nein, überhaupt nicht. Für uns war ja von Anfang an klar, dass wir von den Problemen eben nicht betroffen sind. Die Hommel Gruppe war und ist ein kerngesundes Unternehmen mit einer guten Liquidität und einem sehr guten Auftragsbestand. Da macht es keinen Sinn, sich in Weltuntergangsszenarien zu verlieren. An dieser Stelle würde ich aber auch unsere Mitarbeiter loben, die der Situation ruhig und besonnen agiert haben. Jeder Mitarbeiter hat sich vorbildlich verhalten und auf das Wesentliche konzentriert, darauf, einen guten Job zu machen.

Wie sieht es denn für die kommenden Monate aus?

Wie schon gesagt, wir können mit dem Auftragseingang und -bestand zufrieden sein. Mehr und besser geht immer, aber es besteht absolut kein Grund mit unserer Entwicklung unzufrieden zu sein.

Nun ist die Hommel Gruppe eigentlich ja das letzte große Handelshaus für Werkzeugmaschinen in Deutschland. Was hat das Unternehmen anders gemacht?

Wir verstehen uns ja nicht als ein reiner Vertriebspartner. Wir haben in all den Jahren sehr viel Erfahrung und Know-how im Zerspanungsbereich gesammelt und können unseren Kunden so einiges an Kompetenz und Wissen anbieten. Wir verantworten zudem nicht nur den Vertrieb, sondern sind auch Ansprechpartner in Sachen Service, Schulung, Ersatzteilwesen. Gleichzeitig arbeiten wir beispielsweise mit Sunnen schon über 60 Jahre zusammen, und mit Okuma auch schon 40 Jahre. Wir kennen die Produkte im Detail und wir kennen die Ansprüche unserer Kunden. Im Grunde genommen agieren wir sehr viel mehr wie ein Hersteller als ein Vertriebshaus.

Gerade weil in der Gruppe unterschiedliche Firmen und Marken zusammengefasst sind, ist ein gleichbleibend guter Service nicht einfach zu realisieren. Nun wäre es doch auch denkbar, dass man den Service als Stabsfunktion versteht und der Quasi-Holding Hommel GmbH zuordnet?

Das gab es mit der CNC-Service GmbH schon einmal. Es war eine meiner ersten Entscheidungen als Geschäftsführer, diese – mit Ausnahme des Ersatzteillagers – aufzulösen und wieder den einzelnen Vertriebsgesellschaften zuzuschlagen, da ich der Überzeugung bin, dass ein effizienter und kundenorientierter Service nur dann gewährleistet ist, wenn sich die betreffenden Techniker innerhalb einer überschaubaren Produktpalette echtes Spezialwissen aneignen können und nicht als Generalisten zum Kunden kommen.

Unter dem Dach der Hommel Gruppe finden sich neben technikorientierten Herstellern wie Okuma, Sunnen, Nakamura-Tome und Quaser auch relativ einfache Maschinen der Marken Chevalier und Caruso. Wie passt das zusammen?

Dazu sind wir eigentlich wie die Jungfrau zum Kinde gekommen. Unser ehemaliger Gesellschafter hatte immer den Wunsch, ein kleines, eigenes Maschinenprogramm über den Wollschläger Katalog anzubieten. Somit haben wir unter dem Label Bickenbach eine konventionelle Drehmaschine für Wollschläger konfektioniert. Dann haben wir mit Chevalier einen Hersteller gefunden, der diese Drehmaschine mit Zyklensteuerung nach unseren Vorstellungen entwickelt und gebaut hat. Nach der Wollschläger Insolvenz mussten wir die Namensrechte an Bickenbach leider aufgeben und vertreiben aus diesem Grund unsere konventionellen Drehmaschinen nun selber unter dem Label Caruso auf dem Markt. Chevalier hat sich sehr gut etabliert und ist ein erfolgreiches Produkt der Hommel Gruppe.

Bei Hommel wird Wert auf die Feststellung gelegt, dass man mehr ist als nur ein Vertriebspartner. Was hat man unter diesem ›mehr‹ konkret zu verstehen?

Wie schon angesprochen sehen wir neben dem reinen Vertrieb auch den Service und Anwendungstechnik als zentrale Geschäftsfelder an. Gleichzeitig sind wir Ansprechpartner bei Fragen zu Bearbeitungsstrategien und -prozessen. Nicht weil wir die Besten und Größten sein wollen, sondern weil wir im Umfeld der von uns vertriebenen Werkzeugmaschine über echtes Expertenwissen verfügen und dieses unserem Kunden zur Lösung seiner Aufgabe gerne zur Verfügung stellen…

…also agiert man hierbei eher wie ein Hersteller?

Eindeutig: Ja.

Sehr gefragt sind derzeit Automationslösungen. Was bietet Hommel in diesem Zusammenhang? Gibt es eigene Entwicklungen?

Diese Aufgabenstellung ist für uns nichts Neues. Wir haben uns schon sehr früh mit dem Thema Automation mit und ohne Roboter beschäftigt und uns einiges an Know-how erarbeitet. Heute ist es vor allem die Robotertechnik, die für einen zusätzlichen Automatisierungsschub sorgt. Roboter machen die Automatisierung nicht nur flexibler, sondern sparen auch Kosten und können Arbeiten wie das Entgraten oder Reinigen übernehmen.

Werden derartige Automatisierungsaufgaben auch von den jeweiligen Vertriebsgesellschaften übernommen?

Viele Lösungen lassen sich schon mit den standardisierten Angeboten unserer Herstellerpartner abdecken. Alles was darüber hinausgeht wird von der Hommel Maschinentechnik in enger Zusammenarbeit mit den Vertriebsgesellschaften abgedeckt. Dort ist ein Know-how-Pool entstanden, der für übergreifende Systeme steht und alle anfallenden Arbeiten ausführt. So wird dem Kunden nicht nur eine Lösung präsentiert, sondern ein komplettes und erprobtes System. Fast jede zweite Maschine durchläuft daher heute schon unsere Werkstatt.

Auch wenn man Industrie 4.0 derzeit immer noch nicht wirklich greifen kann, gehört der vernetzten Integration der Datentechnik die Zukunft. Welche Unterstützung kann Hommel hier seinen Kunden geben?

So ganz stimme ich der Aussage, dass sich Industrie 4.0 noch nicht greifen lässt, nicht zu. Wir stehen hier zwar noch am Anfang, aber das Handwerkszeug ist definiert und steht zur Verfügung. Hersteller wie Okuma, Nakamura, Quaser und Sunnen haben alle maschinenseitigen Voraussetzungen längst realisiert. Jede Maschine bietet somit die Möglichkeit in übergreifende Datennetze eingebunden zu werden.

Welche Rolle spielt in diesem Zusammenhang das so genannte Hommel-Kundencockpit?

Die Idee, die dahinter steht, ist die Bereitstellung aller relevanten von uns erhobenen und gesammelten Daten. Technisch sind wir dazu in der Lage.

Worin liegt dann das Problem?

Wir haben festgestellt, dass zum einen die Datenmengen enorm umfangreich sind und zum anderen fragen wir uns, ob der Anwender dies alles überhaupt will. Deshalb sind wir derzeit dabei, bei unseren Kunden aktiv nachzufragen, welche Daten und Informationen sie aus dem Prozess heraus überhaupt nutzen wollen.

Abschließende Frage: Wie passt die Schleifmanufaktur in das Spektrum der Hommel Gruppe? Ist das mehr als ein Nachschleifzentrum?

Aber wohl. Das Nachschleifen gebrauchter Werkzeuge ist heute nur mehr ein Bruchteil des Angebotsspektrums. In erster Linie bieten wir mit unserer Schleifmanufaktur heute Sonderlösungen, sprich für spezifische Anwendungsfälle konzipierte Sonderwerkzeuge an…

…ist das nicht eher ein Fall für ›richtige‹ Werkzeughersteller?

Auch. Aber wir haben hier einen etwas anderen Ansatz. Wir gehen von einem ganz konkreten Anwendungsfall auf einer spezifischen Maschine aus. Anschließend erarbeiten wir eine Lösung, die eine Problemstellung nicht nur werkzeugseitig angeht, sondern dabei auch die spezifischen Eigenschaften der Werkzeugmaschine mit einbezieht.

Also alles zum Wohle des Kunden?

Genauso ist es.

www.hommel-gruppe.de

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