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maschine+werkzeug 10/2012

Interview / Emco

»Die Kosten pro Teil stehen im Mittelpunkt. Natürlich muss die Maschine auch gut sein.

Interview - Zunächst wurden neue Hightech-Maschinen realisiert, nun geht es an die Erschließung weiterer Märkte: Emco-Chef Dr. Ing. Stefan Hansch erläutert, wie das Unternehmen nach der Übernahme wieder Fahrt aufnahm.

»Wir bauen nicht nur Maschinen, wir können auch Prozesse und Automation. Das wird der Hauptfokus für die nächsten Jahre sein.« Dr.-Ing. Stefan Hansch, CEO der Emco-Gruppe

Herr Dr. Hansch, wie geht es der Emco?

Emco geht es gut. Wir hatten nach der A-Tec-Pleite im Oktober 2010 unruhige Zeiten. Dann mussten wir ja noch ein Jahr warten mit der Frage, ob die A-Tec zerschlagen wird oder ob es einen Investor für das Gesamtkonstrukt geben würde. Den gab es nicht, worauf Ende vorigen Jahres die Emco an die Kuhn Holding verkauft wurde. Dass die Firma Kuhn unser Eigentümer wurde, war für Emco ein Glücksfall.

In welcher Hinsicht?

Kuhn ist ein sicherer Investor, der die Emco strategisch weiterentwickeln will. Unter diesem Dach können wir wachsen, neue Märkte erschließen, neue Produkte entwickeln. Das ist die beste Lösung, die der Emco passieren konnte. Es gab ja durchaus noch andere Interessenten, auch aus China.

Ist dieser Prozess jetzt abgeschlossen?

Wir haben die Übernahme gut bewältigt und jetzt ist das Thema vom Tisch. Unser Rating hat sich durch die Zugehörigkeit zur Kuhn-Gruppe deutlich verbessert. Günter Kuhn ist Schwabe und will die Eigenkapitalbasis stärken. Sein Vorbild ist Hermle, der mit 80 Prozent Eigenkapital arbeitet.

In welchen Bereichen ist die Kuhn Holding tätig?

Die Kuhn Holding ist im Baumaschinengeschäft tätig. Der Konzern hat verschiedene Divisionen. Zum einen gibt es die Kuhn Baumaschinen, der größte Komatsu-Händler Europas. Ein zweiter Bereich ist die Ladetechnik mit Exklusivvertretung für die Mobilkräne von Palfinger in Österreich. Auch Mitsubishi-Gabelstapler gehören zum Produktprogramm. Das dritte Standbein ist nun die Emco-Gruppe. Kuhn macht sich damit unabhängiger von der Baubranche. Als Salzburger Unternehmer hatte Günter Kuhn die Emco schon immer im Fokus, die er für ein sehr gutes Unternehmen hält – was natürlich auch stimmt. Wir haben für die nächsten Jahre eine klare Wachstumsstrategie und ich denke, wir haben eine gute Zukunft.

Wurden die Zukunftspläne gemeinsam mit dem neuen Eigentümer geschmiedet?

Ja. Wir waren uns schnell einig, wo es langgehen soll. Wir profitieren dabei auch vom Vertriebs-Know-how Kuhns, der ein richtiger Vertriebsprofi ist. Das ist zwar eine andere Branche, aber gewisse Dinge sind im Vertrieb immer und überall gleich. Vor allem an der guten Marktposition in Südosteuropa dürften wir partizipieren können.

Ist Emco dort bisher noch nicht vertreten?

Unser Fokus in den vergangenen Jahren war eindeutig Zentraleuropa mit Deutschland, Österreich, Schweiz, Italien und Benelux. Wir haben zwar auch Partner in Südosteuropa, aber das spielte bisher eine untergeordnete Rolle.

Sehen Sie in dieser Region einen Wachstumsmarkt?

Perspektivisch ja. Diese Staaten haben zwar das Problem, dass sie momentan wirtschaftlich relativ schwach sind, aber die werden auch wieder auf die Beine kommen und das sind dann unsere Wachstumsmärkte. USA, Indien, China, Russland sind ebenfalls Wachstumsmärkte, die wir bereits mit Nachdruck angehen.

Umfasst der Vertrieb, den Sie jetzt über Kuhn vergrößern können, auch den Service für die Maschinen?

Auch das. Kuhn ist mit Serviceorganisationen vor Ort, das heißt wir können hier gut andocken.

Wie gehen Sie die anderen Länder an?

In den USA haben wir seit vielen Jahren ein eigenes Tochterunternehmen, das sehr gut läuft. Den Sitz haben wir vor Kurzem in die Region Detroit verlagert. Unsere Kunden sind hier vor allem Zulieferer. Emco ist der typische Anbieter für den kleinen und mittleren Betrieb. Die Großkunden nehmen wir in naher Zukunft in unseren Fokus.

Sind dafür die Stückzahlen ausschlaggebend?

Wir haben eine klare Philosophie, nach der wir nie in die Grundmaschine eingreifen. Die Grundmaschine ist immer gleich. Wir realisieren Optionen für unsere Kunden bis hin zur Automatisierung, aber das basiert immer auf den gleichen Maschinen. Darauf ist auch unsere Produktion ausgerichtet. Die Maschinen werden auf einer Fließlinie montiert und gehen dann in einen Bereich, in dem sie kundenspezifisch adaptiert werden. Das ist unsere Stärke.

Akzeptiert der Markt das?

Die Schar derer, die bereit sind das zu akzeptieren, wird größer. Denn es ist eine preiswerte Lösung. Selbst große Automobilzulieferer interessiert heute eine preiswerte Maschine mehr als ein Lastenheft. Die Kosten pro Teil stehen jetzt im Mittelpunkt. Natürlich muss die Maschine auch gut sein und eine hohe Verfügbarkeit haben. Das garantieren wir und wir stehen auch für den Service gerade.

Geht im Automobilbau nicht ohnehin der Trend weg von der Fertigungsstraße hin zur Standardmaschine?

Ja das stimmt, hier arbeitet die Zeit ganz klar für uns. Aber natürlich hat die Branche immer noch ganz konkrete Vorstellungen, was Produktivität und Ausbringung anbelangt. Wir haben Maschinenkonzepte, die die Anforderungen erfüllen, wie zum Beispiel das Vertikaldrehen. Diese Maschine passt auch in die Automobilindustrie.

Kommt die Automation ebenfalls von Emco?

Das meiste ist von uns, aber wir haben auch Partner. Unsere Portallösungen sind durchweg eigenprojektiert.

Fertigt Emco Komponenten auch selber?

Wir haben eine sehr geringe Fertigungstiefe. Die mechanische Fertigung haben wir bewusst verkauft, um bei Schwankungen des Auftragseingangs flexibler zu sein. Die letzte Krise hat uns gezeigt, dass die Ausschläge nach oben und unten größer und die Abstände kürzer werden. Darauf können wir uns mit einer eigenen Produktion gar nicht einstellen. Flexibilität in der Produktion ist zunehmend wichtiger. In den vergangenen Jahren haben wir uns daher ein Netz von Lieferanten aufgebaut, bei denen wir Teile kaufen. Die Montage von Baugruppen wie etwa Spindeln machen wir in der Regel selbst.

Ist Emco in bestimmten Branchen besonders stark vertreten?

Wir sind überall. Der typische Emco-Kunde kauft eine Maschine im Jahr. Das ist Fluch und Segen zugleich, denn man muss viele Kunden bedienen, um auf den Umsatz zu kommen. Andererseits sind wir damit breit genug aufgestellt, um nicht von einzelnen Kunden abhängig zu sein. Damit sind wir auch gut durch die Krise gekommen, denn eine einfache Maschine verkauft sich in schlechteren Zeiten viel leichter als eine komplexe teure Maschine. Das ist unser Vorteil.

Welche Rolle spielt der Ausbildungsbereich?

Mit einem Anteil von etwa zehn Prozent an unserem Umsatz ist der Ausbildungsbereich eher klein, aber sehr stabil. Die auswechselbaren Steuerungen sind vor allem für viele überbetriebliche Ausbildungsstätten ein wichtiges Thema. Für die Ausbildung bieten wir konventionelle Maschinen sowohl fürs Drehen als auch fürs Fräsen, wechselbare Steuerungen und die NC-Maschine bis hin zur Fünf-Achs-Maschine. Die Betriebe müssen ausbilden, denn sie brauchen Fachkräfte. Und wir sind die einzigen, die hier ein durchgängiges Konzept haben. Hier werden wir aufgrund unserer technischen Vorteile unsere Marktanteile deutlich erhöhen.

Wie sieht das Vertriebskonzept von Emco aus?

In den Stammmärkten haben wir ein Konzept mit Direktvertrieb und Händlern. In den übrigen Ländern arbeiten wir mit Vertriebspartnern. Wir achten darauf, dass unsere Vertriebsorganisation effizient bleibt. Das hat sich bewährt.

Wie sieht es mit neuen Maschinen aus?

Unsere Produkte wurden seit 2009 komplett neu entwickelt beziehungsweise überarbeitet. Ein attraktives Produktprogramm zu haben, hatte für uns oberste Priorität. Als nächstes ist nun die weitere Markterschließung dran. Das ist unser Stufenplan, den wir konsequent Schritt für Schritt abarbeiten.

Gab es bei den Produkten einen Nachholbedarf?

Ja, den gab es. Neuentwicklungen haben wir jetzt vor allem im Bereich der Hightech-CNC-Maschinen realisiert. Die Modelle Maxxturn und Hyperturn hatten hier hohe Priorität. Aber auch das Vertikaldrehen war uns wichtig, denn wir meinen, diese Technologie hat noch eine große Zukunft – auch außerhalb der Automobilindustrie. Diesen Trend sehen wir seit etwa zwei Jahren. Günstiger als mit einer Vertikaldrehmaschine lässt sich ein Futterteil nicht herstellen. Die VT-Maschinen haben wir nun seit knapp drei Jahren und stoßen damit auf eine hohe Resonanz. Die Vertikaldrehmaschinen werden bei unserem Tochterunternehmen in Magdeburg gefertigt.

Wie grenzen Sie sich hier von den Mitbewerbern ab?

Die Produktion in Europa und das gute Preis-Leistungs-Verhältnis sind gewichtige Argumente für Emco. Wir bieten exzellente Technik zu vernünftigen Preisen. Eine wichtige Säule ist auch unser Service. Wir haben bei EMCO eine spezifische Innovationsstrategie, die ganz gezielt neue und bewährte Funktionsprinzipien kombiniert. Alle unsere Mitarbeiter kennen die Maschinen daher sehr gut. Wir leben von der Kundennähe, das Geschäft ist bei uns sehr persönlich.

Was werden wir künftig noch von Emco sehen?

Wir werden auf den nächsten Messen unsere technologische Kompetenz noch mehr in den Vordergrund stellen. Wir bauen nicht nur Maschinen, wir können auch Prozesse und Automation. Das wird der Hauptfokus für die nächsten Jahre sein.

Weitere Informationen:

Werkzeugmaschinen von Emco

www.maschinewerkzeug.de/125518

Vita

Dr. Stefan Hansch promovierte nach seinem Maschinenbau-Studium an der Technischen Universität Chemnitz zum Dr.-Ing. in der Fachrichtung Werkzeugmaschinenkonstruktion. Anschließend war er unter anderem als Konstruktionsleiter und Technischer Leiter bei Heckert, bevor er bei Honsberg Lamb in Remscheid die Leitung des Bereichs ›Engineering und Produktion‹ übernahm. 2000 wurde Hansch Technischer Geschäftsführer, später auch Gesamtgeschäftsführer von Alfing Kessler Sondermaschinen. Seit Oktober 2008 ist er CEO der Emco-Gruppe.

Unternehmensinformation

EMCO GmbH

Salzburger Straße 80
AT 5400 HALLEIN-TAXACH
Tel.: 00436245-891-0
Fax: -86965

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