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maschine+werkzeug 06/2019

»Die neue Maschine ist unsere Antwort auf den automobilen Leichtbau.«

Interview

Der Maschinenhersteller Licon erschließt sich nach und nach neue Märkte, liefert den Großteil seiner ein- und zweispindligen Bearbeitungszentren aber weiter in die Automobilbranche. Geschäftsführer Winfried Benz sieht in deren Wandel auch Chancen für sein Unternehmen.

Bild: Licon

Bild: Licon

Herr Benz, was bedeutet der Wandel in der Automobil-industrie für Licon?

Die Frage wird oft gestellt. Die Auswirkungen auf unser Geschäft sind eher positiv. Bei den von uns bereits realisierten Lösungen bildete die Bearbeitung von Werkstücken des Verbrennungsmotors nie einen Schwerpunkt. Schwerpunkte waren immer schon die Bereiche Fahrwerk und Lenkungsteile, aber auch insbesondere Strukturbauteile wie zum Beispiel Hilfsrahmen und Rails. Auch zukünftig hat jedes Auto vier Räder und eine Lenkung und braucht somit diese Teile weiterhin, unabhängig von der Frage, ob Verbrennungsmotor, Elektroantrieb oder andere alternative Antriebsformen.

Man kennt Licon auch noch als Hersteller von Sondermaschinen.

Stimmt, aber in Einzweckmaschinen für die Bearbeitung nur eines bestimmten Bauteils zu investieren, hat sich aufgrund der allgemeinen Nachfrageunsicherheiten weitgehend erledigt. Einige flexible Rundtaktmaschinen stellen wir noch für langjährige Kunden her, in Vier- und Fünf-Achs-Ausführung. Zu 90 Prozent sind wir heute aber Hersteller von komplett standardisierten Bearbeitungszentren. In den vergangenen Jahren haben wir unser Unternehmen diesbezüglich neu ausgerichtet. Die Bearbeitungszentren sind überwiegend zweispindlig, immer horizontal und meist fünfachsig.

Und genau damit haben Sie auch in der Automobilbranche Fuß gefasst?

Ja, vor vielen Jahren haben wir uns schon mit der mechanischen Fünf-Achs-Bearbeitung von großen Strukturbauteilen in einer Aufspannung beschäftigt. Das ist ein Geschäft, von dem wir ausgehen, dass das auch unabhängig von künftigen Antriebsformen bestehen bleiben wird. Die Fahrzeuge müssen zunehmend leichter gebaut werden. Insofern ist die Nachfrage nach großkubischen Strukturbauteilen ungebrochen hoch, vielleicht sogar steigend. Wenn man sich die auf unseren Maschinen bearbeiteten Bauteile betrachtet, sieht man, was da in den vergangenen Monaten alles gefertigt wurde.

Was für Bauteile sind das zum Beispiel?

Es geht da um ganz unterschiedliche Teile. Viele davon sind typische Strukturbauteile für verschiedene Automobilhersteller. Immer wieder ist dabei das Fahrwerk ein Thema. Wie leistungsfähig unsere Maschinen sind, zeigt sich etwa in der Fertigung großer Langhalsschwenklager der Vorderachse eines SUV. Solche langen komplexen Teile werden normalerweise in zwei Aufspannungen gemacht, weil man es von der Kubatur her nicht in einem schafft. Wir bewältigen das in einer Aufspannung und fertigen gleich zwei Bauteile in einer Spannvorrichtung. Möglich wird das durch die große Kubatur unserer Fünf-Achs-Doppelspindler, verbunden mit pfiffiger Lösungskompetenz bei den Spannvorrichtungen.

Ist Ihr Kundenstamm der gleiche geblieben?

Im Wesentlichen ja, zudem beobachten wir, dass sich unser Kundenspektrum in den Mittelstand weiter ausdehnt. Neben großen internationalen Unternehmen haben wir zunehmend auch kleinere, mittelständische Kunden, darunter auch solche, die mit dem Automobilbau gar nichts zu tun haben. Sie produzieren beispielsweise Rasenmähermotoren, Edelstahlpumpen, Armaturen, Fittings, Türschließer oder Teile für den allgemeinen Maschinenbau.

Dabei geht es offenbar auch um kleinere Bauteile?

Ja, durchaus auch. Auf der einen Seite unseres Spektrums bearbeiten wir – für unsere Verhältnisse – kleine Edelstahlteile, wie zum Beispiel auch geschmiedete Rails, die mit MMS bearbeitet werden. Sie weisen zwar eine kleine Kubatur auf, benötigen aber eine hohe Zerspanungsleistung. Dafür braucht man eine Maschine, ausgerüstet mit HSK-100-Spindeln, die das mit ihrer dynamischen Steifigkeit zu leisten vermag. Auf der anderen Seite brauchen wir sehr schnelle Maschinen mit großer Kubatur, um leichte Bearbeitungen möglichst schnell zu erledigen. Da ist Taktzeit alles. Diese beiden Eckpunkte definieren auch mehr oder weniger unser Handlungsfeld für unsere Produktinnovationen.

Sie zeigen auch Strukturbauteile aus dünnem Blech. Sind dafür wirklich hochwertige Werkzeugmaschinen nötig?

In der Tat scheinen viele Bearbeitungsaufgaben bei Strukturbauteilen aufgrund der oftmals niedrigeren Toleranzanforderungen keine hochwertige Werkzeugmaschine zu erfordern. Deshalb gab es auch immer wieder Ansätze, Werkzeugmaschinen einzusetzen, die typischerweise für die Holzbearbeitung eingesetzt werden. Letztendlich aber entscheidet Dynamik und damit die Produktivität einer Maschine über die Wirtschaftlichkeit des gewählten Produktionssystems. Aus diesem Grunde haben wir uns bei unserer neuesten Innovation für eine hochdynamische Lösung entschieden.


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Unternehmensinformation

LICON mt GmbH & Co. KG

Im Rißtal 1
DE 88471 Laupheim
Tel.: 07392-962-0
Fax: 07392-962-257

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