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maschine+werkzeug 03/2014

»Integriertes Laserhärten ist sehr sinnvoll, wenn die Bearbeitungsaufgabe dazu passt.«

Interview / Monforts

Interview - Dr. Martin Schaele ist seit fast einem Jahr Geschäftsführer der A. Monforts Werkzeugmaschinen GmbH. Auf der Metav erklärte er die Highlights seiner neuen Hybridmaschine mit Laserbearbeitung und die Zukunftspläne des Unternehmens.

Herr Dr. Schaele, Monforts ist hier auf der Metav mit mehreren Maschinen vertreten. Was sind die Neuheiten?

Wir zeigen zwei interessante Neuheiten auf der Metav. Darunter die RNC 400 Laserturn, mit der wir die Vorteile der Verfahrensintegration live vorführen, und die Unicen 1000 Turnmill, die jetzt auch mit einer größeren Drehlänge erhältlich ist.

Was ist das Besondere an der RNC 400 Laserturn?

Wir haben schon länger mit dem Fraunhofer IPT daran gearbeitet, das Laserhärten in die Werkzeugmaschine zu integrieren. Hier haben wir große Fortschritte erzielt. Das Ergebnis ist die erste Serienmaschine RNC 400 Laserturn, die mit einer Einkopplung für das Laser-Aggregat ausgestattet ist. Wir beherrschen inzwischen nicht nur die Technik, sondern können auch nachhaltig argumentieren, dass integriertes Laserhärten wirtschaftlich sehr sinnvoll ist, wenn die Bearbeitungsaufgabe dazu passt.

Was sind die Vorteile des Laserhärtens?

Nach der Bearbeitung mit dem Laser ist das Bauteil ohne Verzug mit 60 HRC gehärtet und kann umgehend aus der Maschine genommen werden, da es eine Temperatur von lediglich 40 Grad Celsius aufweist. Den Bearbeitungsvorgang demonstrieren wir auf der Metav an einer Schneckenwelle. Zunächst wird das Bauteil weichgedreht, dann die Flanken mit der Lasereinheit gehärtet. Danach wird die Flanke auf Fertigmaß hartgedreht. Damit können wir Weichdrehen und Hartdrehen in einer Aufspannung anbieten. Zusätzlich entfallen der ganze Aufwand des Umspannens und das externe Härten. Dazu gehört auch die ganze Logistik. Wir haben sehr intensive Modellrechnungen mit unserer Maschine zur Laserbearbeitung gemacht und einen Stückkostenvorteil von mindestens 20 Prozent errechnet. Wir erreichen bei der Schneckenwelle schon aus dem Stand eine Oberflächengüte von Rz 2 bis Rz 3, was zudem oft das Schleifen überflüssig macht.

Was für Bearbeitungen sind mit der Maschine noch möglich?

Für die RNC 400 Laserturn gibt es viele potenzielle Anwendungen. Sie lässt sich nicht nur für das Härten von Stählen, sondern auch für die Bearbeitung von harter, gesinterter Keramik einsetzen. Hierbei wird der Laserstrahl genutzt, um die Keramik zu erweichen, um sie leichter bearbeiten zu können. Die Bearbeitung von Keramik könnte das nächste große Anwendungsfeld für die RNC 400 Laserturn sein.

Wie ist die Laserhärteeinheit in der RNC 400 integriert?

Der Werkzeugrevolver in der Maschine wird mit den entsprechenden Strahlwerkzeugen bestückt. Das geschieht auf dieselbe Art wie wir das mit Zerspanungswerkzeugen machen. Die Strahlwerkzeuge sind mit einer Standard-Werkzeugaufnahme vom Typ VDI 40 ausgestattet. Da die Strahlwerkzeuge in einen umgebauten Standard-Werkzeugrevolver passen, ist die Laserbearbeitungseinheit grundsätzlich für alle Maschinen geeignet, die wir im Portfolio haben. Das eigentliche Laser-Aggregat steht neben der Maschine und ist mit einem sehr leistungsfähigen Diodenlaser ausgestattet, der den Laserstrahl in einem Lichtleiterkabel zur Maschine transportiert. Je mehr Leistung das Aggregat liefert, desto breiter ist auch das Anwendungsspektrum des Laserhärtens. Oder es kann ein Aggregat mehrere Maschinen bedienen, was nochmals einen deutlichen Kostenvorteil bringt.

Wie findet die Industrie diese Lösung?

Das Interesse an der Maschine ist sehr groß, und wir haben viele Gespräche geführt. Da es sich jedoch um eine neue Technologie handelt, muss man beim Kunden viel Überzeugungsarbeit leisten und die Vorteile klar herausstellen. Wir optimieren das Verfahren auch weiter und haben beispielsweise die Konstruktion der Laserstrahlwerkzeuge optimiert, damit sie sich auch zur Innenbearbeitung nutzen lassen.

Es zeigt sich der Trend, dass auch die generative Fertigung mit Laserauftragsschweißen in Werkzeugmaschinen integriert wird. Ist das auch ein Thema für Monforts?

Die ganze Industrie scheint sich in Richtung integrative Fertigung zu bewegen. Ich sehe das sehr positiv, wenn große Hersteller die Technik vorantreiben, denn nur gemeinsam können wir die Verfahrensintegration in die Praxis bringen. Umso mehr darüber diskutiert wird, umso besser. Die generative Fertigung hat ihren Platz, die Technik steht jedoch noch am Anfang. Unser Fokus liegt wegen der einfachen und breiten Anwendung auf dem Laserhärten.

Es wird also keine generative Fertigung von Monforts in den Bearbeitungszentren in nächster Zeit geben?

Generative Fertigung ist durchaus ein Thema für uns, jedoch machen wir als kleiner Mittelständler erstmal eins nach dem anderen. Wir bringen zunächst das Laserhärten auf den Markt. Man muss immer aufpassen, wenn man etwas Neues macht. Wird es nicht richtig umgesetzt, hinterlässt man verbrannte Erde. Die technische Entwicklung, die wir im Bereich des Laserhärtens vorangetrieben haben, lässt sich aber grundsätzlich auch für die generative Fertigung wie beispielsweise dem Laserauftragsschweißen verwenden.

Welche Vorteile bietet die neue Version der Unicen 1000 Turnmill?

Dieses Modell ist unser Arbeitstier im Bereich der großen Dreh- und Fräszentren und bereits vielfach im Markt etabliert. Sie lässt sich nun auch mit größerer Drehlänge von 2500 Millimeter ordern. Die Unicen 1000 ist eine Premiumlösung und eignet sich für alle Bearbeitungen, bei denen hohe Zerspankräfte bei gleichzeitig hoher Genauigkeit und Oberflächengüte benötigt werden. Sie eignet sich auch für besonders schwierige Bearbeitungsfälle, bei denen man mit einer Standardmaschine nicht mehr zurande kommt.

Was macht die Maschine besonders für schwierige Bearbeitungsfälle interessant?

Das Besondere an der Maschine ist die hydrostatische Säulenrundführung, die ohne den verschleißträchtigen mechanischen Kontakt zwischen Maschinenbett und Maschinenschlitten auskommt. Durch den Einsatz des Druckölpolsters wird eine sehr steife und schwingungsarme Konstruktion erreicht. Auch bei hohen Zerspankräften lässt sich so noch sehr genau zustellen und es entsteht kein Stick-Slip-Effekt. Der weitere Vorteil ist, dass die Maschinen sehr lange halten und das bei sehr hoher Genauigkeit. Das ist ein sehr großer Vorteil, den unsere Kunden sehr zu schätzen wissen.

Gibt es noch weitere Neuigkeiten?

Unser Fokus liegt auch auf der integrierten Messtechnik in der RNC-Maschinenbaureihe, sowohl im Bereich Werkstück- als auch der Werkzeugvermessung. Hier haben wir über die letzten Jahre viel Know-how im Bereich der Integration verschiedener Messtaster und Messmethoden aufgebaut. Das hat den Vorteil, dass selbst sehr große Werkstücke nicht für eine externe Messung aus der Maschine genommen werden müssen, was das Handling vereinfacht und auch Ungenauigkeiten ausschließt.

Monforts wurde vom russischen Industriekonzern Kirovsky Zavod übernommen. Hat sich seit der Übernahme etwas geändert?

Die Kirovsky-Gruppe ist einer der ältesten Industriekonzerne Russlands. Das Unternehmen baut Traktoren und betreibt auch selbst ein Stahlwerk so wird eine hohe Wertschöpfung erreicht, und man hat sehr viele verschiedene Technologien im Hause. Die Kirovsky-Gruppe setzt in der eigenen Fertigung Monforts-Maschinen ein. Das gibt uns Stabilität, und wir haben jede Freiheit, uns zu entwickeln.

Was für Synergien ergeben sich durch den russischen Mutterkonzern noch?

Dadurch wird uns der Zugang zum russischen Markt erleichtert. Wenn man Geschäfte in Russland und den GUS-Staaten machen will, muss man eine lokale Präsenz haben. Wir haben schon eine ganze Reihe von Projekten in Russland und den angrenzenden Staaten durchgeführt, und das soll auch in Zukunft so bleiben. In Russland gibt es viele Unternehmen, die schwer zerspanbare Werkstoffe bearbeiten, beispielsweise für die Turbinenherstellung oder im Getriebebereich. Sie erkennen die Vorteile der Fertigung mit deutschen Werkzeugmaschinen und sehen die Kostenvorteile, die wir auf längere Sicht bieten.

Wohin liefern Sie Ihre Maschinen sonst noch?

Wir liefern nur dorthin, wo wir einen guten Service bieten können. Dazu gehören vor allem das europäische Ausland und China. Gerade Letzteres wollen wir weiter ausbauen. Chinesische Maschinenbauer erreichen mit ihren eigenen Maschinen nicht die Qualität, die wir mit unseren Maschinen bieten.

Sie sind seit rund einem Jahr Geschäftsführer von Monforts. Haben Sie an der Ausrichtung des Unternehmens etwas geändert?

Wir sind konsequenter dort aktiv, wo wir unsere Stärken ausspielen können. Wir nehmen das Thema Service sehr ernst und wir bieten unseren Kunden beispielsweise auch ein Werks-Retrofit an. Wir sind in der Lage, eine 20 Jahre alte Maschine wieder so aufzubereiten, dass sie weitere 20 Jahre hält. Als einziger Hersteller haben wir die Zeichnungen aller unserer Maschinenmodelle parat und wissen, wie die Maschine ursprünglich mal gebaut wurde. Jede der über 10000 ausgelieferten Monforts-Maschinen ist genau dokumentiert, und wir kennen sie bis ins kleinste Detail.

Wie sehen die Zukunftspläne von Monforts aus?

Wir sind ein Premium-Werkzeugmaschinenhersteller mit langer Tradition und solidem Maschinenkonzept. Diesen Kurs werden wir beibehalten. Dazu gehört nicht nur ein guter Service, sondern wir optimieren kontinuierlich unsere Produkte, etwa im Bereich der Laserbearbeitung in Drehmaschinen. Zur AMB haben wir wieder Produktneuigkeiten geplant, mehr möchte ich jedoch noch nicht verraten.

Vita

Dr. Martin Schaele, Jahrgang 1958, promovierte am Institut für Fertigungstechnik und Spanende Werkzeugmaschinen an der Universität Hannover und war dort Abteilungsleiter für Fertigungsorganisation. Ab 1990 war er Abteilungsleiter Fertigungsvorbereitung bei der Robert Bosch GmbH. 2006 erfolgte die Ernennung zum Geschäftsführer der Berker GmbH & Co. KG. Seit dem 1. Juni 2013 ist er alleiniger Geschäftsführer der A. Monforts Werkzeugmaschinen GmbH in Mönchengladbach.

Weitere Informationen:

»Integriertes Laserhärten ist sehr sinnvoll, wenn die Bearbeitungsaufgabe dazu passt.«

www.maschinewerkzeug.de/142201

  • Bild 1: »Integriertes Laserhärten ist sehr sinnvoll, wenn die Bearbeitungsaufgabe dazu passt.«

    Bild 1: »Integriertes Laserhärten ist sehr sinnvoll, wenn die Bearbeitungsaufgabe dazu passt.«

  • »Mit unserem Werks-Retrofit können wir eine 20 Jahre alte Maschine wieder so aufbereiten, dass sie weitere 20 Jahre hält.« Dr. Martin Schaele, Geschäftsführer der A. Monforts Werkzeugmaschinen GmbH in Mönchengladbach

    »Mit unserem Werks-Retrofit können wir eine 20 Jahre alte Maschine wieder so aufbereiten, dass sie weitere 20 Jahre hält.« Dr. Martin Schaele, Geschäftsführer der A. Monforts Werkzeugmaschinen GmbH in Mönchengladbach

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Weiterführende Information
Unternehmensinformation

Monforts Werkzeugmaschinen GmbH & Co. A.

Postfach 10 06 56
DE 41006 Mönchengladbach
Tel.: 02161-9461-0
Fax: -490

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