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maschine+werkzeug 05/2013

Hermles Hybrid

Technik/Maschinen

Fertigungstechnik – Hermle hat es geschafft: Nach jahrelanger Entwicklungsarbeit ist die Kombination aus generativer Fertigung und klassischem Fräszentrum nun einsatzbereit. Doch verkaufen will Hermle die Hybrid-Maschine nicht.

Hier geht es zu Hermle.

Voller Stolz und mit großen Versprechungen hatte Hermle vor sechs Jahren die neue C 40 U Alchemy vorgestellt. Die Maschine sollte mit generativem Pulverauftrag und abwechselndem Fräsen komplexe Geometrien wie beispielsweise integrierte konturnahe Kühlkanäle ermöglichen, die konventionell für Bearbeitungswerkzeuge nicht zugänglich sind. Werkstoffkombinationen aus verschiedenen Materialien wurden in Aussicht gestellt.

Dass die Maschine dann doch nicht so schnell wie erhofft auf den Markt kam, hatte zwei Gründe: Rechtliche Auseinandersetzungen mit Hermles damaliger Tochterfirma Innovaris und die Komplexität des Verfahrens selbst, die schlichtweg unterschätzt worden war. Insbesondere mit der Reproduzierbarkeit der Ergebnisse hatten die Entwickler lange zu kämpfen.

Mit diesen Problemen geht das Unternehmen ganz offen um. »Wir haben uns etwas verhoben in dieser Geschichte«, kommentiert Dietmar Hermle, Sprecher des Vorstands der Hermle AG in Gosheim die Verzögerung. Die Forschung sei aber ständig weitergegangen, Millionenbeträge flossen in die Entwicklung. Kurz vor der diesjährigen Hausausstellung kam dann der Durchbruch, was die Technologie kurzfristig zum Thema auf dem Kundenevent werden ließ. »Die Technik funktioniert jetzt, sie ist verkaufbar und ist marktfähig. Es gibt auch bereits Kundengespräche, Kunden, Versuche und erfolgreiche Anwendungen«, verkündete Dietmar Hermle auf der Pressekonferenz zur Hausausstellung.

Vom Namen Alchemy hat sich Hermle inzwischen ebenso getrennt wie von der Firma Innovaris. Hermle hat die Patentrechte. Die Technologie nennt sich jetzt nur noch Metallpulverauftragsverfahren, kurz MPA. Sie ist in der Hermle Maschinenbau GmbH (HMG) in Ottobrunn bei München angesiedelt, einer 100-prozentigen Tochtergesellschaft der Maschinenfabrik Berthold Hermle AG.

Für Überraschung sorgte eine weitere Ankündigung: Hermle wird die innovative Maschine nicht verkaufen, sondern als Dienstleister damit selber Bauteile für verschiedenste Branchen herstellen. Für diese Strategie nennt Hermle mehrere Gründe. Zum einen sei die Technologie sehr aufwendig und könne nicht von jedem bedient werden. »Das ist genau das, was wir anfangs unterschätzt hatten«, so Dietmar Hermle. Der Kunde müsste sehr viel investieren, um diese Technik einsetzen zu können. Da eine Dienstleistung bei einem Alleinstellungsmerkmal sehr erfolgreich sein könne, habe das Unternehmen beschlossen, das Geschäft mit dem Hybrid-Verfahren selbst zu machen. Ein weiterer Grund sei der dringend notwendige Know-how-Schutz. Hermle bietet die MPA-Technologie ausschließlich seinen Kunden an.

Die Technologie mit dem Pulver hat seit ihrer ersten Präsentation vor sechs Jahren nichts an Faszination verloren. Sie erzeugt Bauteile aus Metallpulver, die unter Produktionsbedingungen eingesetzt werden können. Die Kombination aus generativer Fertigung und Fräsen ist einzigartig. »Hybrid ist mehr als generativ«, erklärt Rudolf Derntl, Geschäftsführer der HMG in Ottobrunn, die sich mit rund 20 Mitarbeitern ausschließlich der hybriden Fertigungstechnologie widmet.

  • Die Bilder zeigen die Entstehung einer Welle aus Werkzeugstahl mit dem Hybrid-Verfahren, bei dem Material abwechselnd über die Düse aufgetragen und vom Fräser abgetragen wird. Der innenliegende spiralförmige Kühlkanal verrät, was diese Technik kann.

    Die Bilder zeigen die Entstehung einer Welle aus Werkzeugstahl mit dem Hybrid-Verfahren, bei dem Material abwechselnd über die Düse aufgetragen und vom Fräser abgetragen wird. Der innenliegende spiralförmige Kühlkanal verrät, was diese Technik kann.

  • Bild 3: Hermles Hybrid

    Bild 3: Hermles Hybrid

  • Pulverdüse und Fräskopf sind in Hermles MPA-Maschine nebeneinander angeordnet.

    Pulverdüse und Fräskopf sind in Hermles MPA-Maschine nebeneinander angeordnet.

  • Trillerpfeife aus Stahl als Technologiedemonstration.

    Trillerpfeife aus Stahl als Technologiedemonstration.

  • Ausgewählte MPA-Werkstücke zeigte Hermle auf seiner Hausausstellung, zu der rund 2500 Besucher nach Gosheim kamen.

    Ausgewählte MPA-Werkstücke zeigte Hermle auf seiner Hausausstellung, zu der rund 2500 Besucher nach Gosheim kamen.

  • »Man muss das alles erst einmal durchrechnen, um es zu verstehen.« Dipl.-Phys. Rudolf Derntl, Geschäftsleiter der Hermle Maschinenbau GmbH (HMG) in Ottobrunn

    »Man muss das alles erst einmal durchrechnen, um es zu verstehen.« Dipl.-Phys. Rudolf Derntl, Geschäftsleiter der Hermle Maschinenbau GmbH (HMG) in Ottobrunn

  • Spritzgusswerkzeug, gefertigt aus Werkzeugstahl 1.2344 per MPA.

    Spritzgusswerkzeug, gefertigt aus Werkzeugstahl 1.2344 per MPA.

  • Die Skizze zeigt den innenliegenden Kühlkanal in diesem Werkstück.

    Die Skizze zeigt den innenliegenden Kühlkanal in diesem Werkstück.

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Inhaltsverzeichnis
Unternehmensinformation

Berthold Hermle AG Maschinenfabrik

Industriestraße 8-12
DE 78559 Gosheim
Tel.: 07426-95-0
Fax: -6109

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