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maschine+werkzeug 08/2009

Heller ist nicht nur Automobil, sondern spricht sehr viele verschiedene Zielgruppen an«

Maschinen

<strong>Interview</strong> - Die Gebr. Heller Maschinenfabrik aus Nürtingen geht gezielt die Zeit nach der Krise an. Geschäftsführer Dipl.-Ing. Wolfgang Seeger erläutert die Produktstrategie für bestehende und neue Märkte.

»Die Entwicklung im Weltmarkt geht hin zu größeren Maschinen, um beispielsweise Teile für die Windkraft bearbeiten zu können.« Dipl.-Ing. Wolfgang Seeger, Geschäftsführer Gebr. Heller Maschinenfabrik GmbH

Herr Seeger, wo liegen die Stärken des Maschinen-Herstellers Heller?

Außer Frage steht für mich die Kompetenz von Heller im Automotive-Bereich. Das ist die Heller-Story, damit sind wir groß geworden. Parallel dazu haben wir auch das sogenannte Einzelmaschinengeschäft in Verbindung mit zahlreichen Automatisierungslösungen in vielen weiteren Branchen im Fokus. In den vergangenen Jahren konnten wir diesen Bereich mit vielen Neuentwicklungen erheblich stärken.

Wir haben uns schon früh Gedanken gemacht, wie wir gestärkt aus der Krise kommen. Ich bin der Meinung, dass insbesondere unsere Lösungskompetenz bei werkstückbezogenen Fertigungsaufgaben das wichtigste Thema für die Heller-Kunden ist und bleibt.

Was ist durch die Krise anders geworden?

Nach der Krise wird der Kostendruck auf unsere Industrie steigen und auch die Flexibilität wird massiv zunehmen. Unsere Kunden werden in den kommenden Jahren nur wenig investieren können. Damit bleiben sie auf alten Maschinen sitzen, sind aber einem immensen Kostendruck und starkem Wettbewerb ausgesetzt. Für jede Bearbeitung in eine separate Maschine zu investieren, ist nicht mehr möglich. Wir werden daher auch für die Zeit nach der Krise universelle flexible Lösungen bieten, denn unsere Kunden müssen schnell und flexibel bleiben.

Gilt das gleichermaßen für alle Bereiche?

Der Automotive-Kundengruppe bieten wir aufgrund der gestiegenen Anforderungen hinsichtlich ständig wachsender Modellvielfalt und erhöhtem Kostendruck hochproduktive und flexible Lösungen.

Außerhalb des automobilen Bereichs fordert vor allem der anspruchsvolle Maschinenbau Universalität. Dort, wo niedrigere Stückzahlen gefertigt werden, ist auch eine langfristige Planung nur sehr schwer möglich.

Wie sehen Ihre Lösungen dafür aus?

Heller ist nicht nur in der Hochproduktion im automobilen Bereich vertreten, sondern spricht unter anderem mit der neuen Fünfachs-Baureihe F auch viele neue Kundenkreise an. Hierbei sind neben der Produktivität natürlich auch Flexibilität und Verfügbarkeit gefragt. Die Zugänglichkeit von Maschinen und die Bedienerfreundlichkeit spielen hier eine größere Rolle. Auch müssen anders als in der Automobilindustrie im Maschinenbau, in der Windkraftindustrie oder im Aerospace-Bereich verschiedene Werkstoffe bearbeitet werden, wie etwa CFK, Aluminium, Guss oder Titan. Hellers Erfahrungen aus der Schwerzerspanung sind hier sehr nützlich. Gerade für die neuen Baureihen sehen wir noch ein enormes Potenzial.

Ein weiterer großer Trend ist die Komplettbearbeitung. Vor allem unsere Bestandskunden verlangen nach Lösungen, um ihre Teile auf einer einzigen Maschine komplett fertigen zu können. Heller kommt aus dem Horizontalbereich. Um für unsere Kunden deren Flexibilität für die Zukunft sicherzustellen, müssen wir ihnen anbieten, Teile komplett auf unseren Maschinen fertig bearbeiten zu können. Damit gehen wir natürlich auch Themen wie die Fünfseitenbearbeitung und das Dreh-Fräsen konsequent an.

Insbesondere die FünfachsTechnologie macht uns für Kundenkreise interessant, in denen wir bisher nur gering vertreten sind. Das sind Werkzeug- und Formenbauer, aber auch Aerospace. Unsere stabilen und zuverlässigen Fünfachs-Maschinen der neuen Baureihe F und auch der bereits am Markt etablierten Baureihe MCH-C mit SK50/HSK100-Aufnahme sind mit ihrer hohen Fräsleistung hier genau richtig.

Welche Bedeutung hat der Export für Heller?

Wir sind zu groß, um nur aus Deutschland heraus leben zu können. Wir brauchen den Weltmarkt und wir glauben mit unserer Leistungsfähigkeit im internationalen Wettbewerb erfolgreich sein zu können. Auch hier richten wir unsere Aktivitäten auf die Zeit nach der Krise.

Was bietet die F-Reihe?

Die neue Baureihe F steht bei Heller für die Fünfachs-Bearbeitung im SK40- und HSK63-Bereich. Wir haben sehr genau analysiert, um welche Teile es in den von uns angepeilten Segmenten geht und welche Baugrößen erforderlich sind. An den F-Maschinen sieht man deutlich, dass wir uns neben unseren Bestandskunden auch mit neuen Branchen und deren Anforderungen beschäftigen. Die Maschine gibt es nämlich neben der 5-Achs-Produktionsmaschine mit Palettenwechsler auch als klassische Werkstattmaschine für manuelle Beladung, was im Werkzeug- und Formenbau oft gewünscht wird.

Wie geht es nun mit ihrer Baureihe H weiter?

Die H-Maschinen sind sozusagen unsere Brot-und-Butter-Maschinen. Die Reihe geht inzwischen von der H 1000 bis zur H 6000, vom SK40/HSK63- bis zum SK50/HSK100-Bereich. Wir werden diese Baureihe weiter nach oben pflegen und ausbauen. Die Entwicklung im Weltmarkt geht hin zu größeren Maschinen, um beispielsweise Teile für die Windkrafttechnologie bearbeiten zu können. Heller will natürlich das Fräsen im horizontalen Bereich komplett abdecken, und daher werden wir auch weiter unsere Baureihen dahingehend pflegen und erweitern.

Andere Hersteller bündeln gerade bei Großmaschinen ihre Aktivitäten. Wie stemmt eine Firma wie Heller das alles selber?

Indem wir unsere Plattform über die Baureihen hinweg sicherstellen, kommen wir mit einem modularen System auf einen Stückzahleffekt. Das spart auch dann Kosten, wenn man Spitzenprodukte anbietet. An unserem sehr hohen Marktanteil im Bereich der Horizontalen Zentren lässt sich das gut ablesen.

Nutzen Ihre Kunden die Module auch, um umzurüsten, anstatt neue Maschinen zu kaufen?

Durchaus! Heller beschäftigt über 700 Ingenieure und ist damit im Engineering sehr stark. Das heißt, wir sind auch sehr gut aufgestellt, wenn es um Anpassung, Umbauten und Technologie geht. Im Automobilbereich läuft es beispielsweise so, dass viele Linien von den großen Typen umgebaut werden müssen auf die kleineren Motoren – dahin geht der Trend. Da die Anlagen von Grund auf sehr flexibel sind, werden sie umgebaut, anstatt dass neue Maschinen angeschafft werden.

Eine Heller-Maschine kann man auch nach Jahren umrüsten und bestimmte Optionen mit einbringen. Investitionen in neue Maschinen werden auf Jahre hinaus nicht in dem Umfang stattfinden, den wir bisher gewohnt waren. Auf diese Entwicklung müssen wir Rücksicht nehmen. Das künftige Wachstum wird sich ganz unterschiedlich in den jeweiligen Branchen zeigen. Die Aufgabe für uns heißt, mit unserem Know-how auf wachstumsträchtige Industrien stärker einzugehen.

Um jetzt unabhängiger von der Automobilindustrie zu werden?

Das machen wir ohnehin schon sehr stark. Wir sagen unseren Kunden, dass Heller nicht nur Automobil ist, sondern ganz verschiedene Zielgruppen anspricht. Im Automobilbereich sind wir sehr stark, aber wir möchten ebenso im Non-Automotive-Markt wahrgenommen werden. Und hierbei waren wir in den letzten Jahren außerordentlich erfolgreich.

Wie hat sich das Geschäft außerhalb des Automotive-Bereichs entwickelt?

Dort haben wir unseren Umsatz innerhalb der vergangenen fünf Jahre nahezu verdoppelt.

www.heller.biz

Vita

Wolfgang Seeger wurde 1951 in Reutlingen geboren. Nach einer Ausbildung zum Elektromechaniker absolvierte er 1972 bis 1975 das Ingenieurstudium der Fachrichtung Elektrotechnik. Zu Heller kam er 1984. Zunächst war er hier Produktionsleiter Maschinenbau. Seit 1991 ist er als Geschäftsführer verantwortlich für den Bereich Produktion, seit 2006 für das Geschäftsfeld Heller Machines.

Unternehmensinformation

Gebr. Heller Maschinenfabrik GmbH

Gebrüder-Heller-Straße 15
DE 72622 Nürtingen
Tel.: 07022-77-0
Fax: -5000

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