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20.04.2015

Das Beste aus zwei Welten

Was verbirgt sich hinter den chinesischen Werkzeugmaschinen, die Spezialisten mit europäischen High-Tech-Antrieben und Steuerungen an den deutschen anspruchsvollen Markt anpassen? Im Interview erklären GMW Machines und Vertriebs- und Service-Partner Sima ein deutsch-chinesisches Erfolgsgeheimnis.

Herr Priebs, lockt es Sie nicht, den Ursprung der Maschinentechnik zu verheimlichen, um dann eine reinrassig deutsche WZM zu verkaufen?

Larsen Priebs, Geschäftsführer GMW Machines GmbH, Ennepetal: Nein, wir geben es gerne zu. Außerdem handelt es sich ja um sehr genau ausgewählte, auditierte und nach Pflichtenheft zertifizierte Lieferanten, von denen wir die Maschinentechnik beziehen. Der Markt ist eigentlich riesig, aber nur sehr, sehr wenige Maschinenhersteller entsprechen unseren hohen Qualitätsansprüchen.

Wie kamen Sie zu chinesischer Maschinentechnik?

Priebs: Ich habe 16 Jahre lang in China als Führungskraft für namhafte deutsche Maschinenbauer gearbeitet. Über diesen Zeitraum habe ich ein Netzwerk mit chinesischen Lieferanten aufgebaut, in das auch Vertriebs- und Service-Partner SIMA eingeführt wurde. Wir haben so eine Brücke zwischen den beiden unterschiedlichen Kulturen aufgebaut.

Herr Wirths, wann und wie kamen Sie als Mitinhaber des Unternehmens GMW Machines ins Spiel?

Holger Wirths, Geschäftsführer GMW Machines GmbH, Ennepetal: Seit zehn Jahren stehe ich im engen Geschäftskontakt zu Herrn Priebs. 2007 wurde dann die gemeinsame Idee geboren, chinesische Maschinentechnik bei uns anzupassen und mit europäischer Technik auszustatten, um sie dann als CE-konforme Maschinen mit Zertifikat vom TÜV-Rheinland zu vermarkten.

Herr Mayer, Sie arbeiten als süddeutscher Partner seit längerem mit GMW-Machines zusammen. Wie kamen Sie in Sachen China zusammen?

Leonhard Mayer, Geschäftsführer der Sima Werkzeugmaschinen und Service GmbH, Heiningen: Ich beliefere schon lange einen deutschen Konzern der Energiebranche mit Gebrauchtmaschinen. Als mein dortiger Kontaktmann von den China-Maschinen erfuhr, sagte er mir: „Fliegen Sie allein nach China, schauen Sie sich die Maschine an und kaufen Sie diese, wenn sie gut genug ist.“ Ich stellte fest, dass es sich um solide stabile und bezahlbare Maschinentechnik handelt. Seit der Modernisierung durch uns befindet sie sich nun schon seit einigen Jahren im zufriedenstellenden Einsatz.

Was geschieht eigentlich im Detail hier mit der chinesischen Maschinentechnik?

Priebs: Wir nehmen die sehr stabilen und robusten Maschinengestelle, in die wir deutsche und europäische Spitzentechnik einbauen. Der Kunde hat die Wahl, welche Teile er aus dem Baukasten übernimmt. Der Endkunde erhält eine getreu seinem Pflichtenheft maßgeschneiderte Maschine, die genau seinen Anforderungen an die Funktionen erfüllt. Im Rahmen von deutschem Engineering entsteht eine Werkzeugmaschine aus chinesischem Grundgestell und hiesigen High-Tech-Komponenten wie Siemens 840, 828 oder 808 und Spindeln deutscher Hersteller, für deren Qualität und Performance GMW gerade steht. Und beim Service unterstützen uns Partner wie die Firma Sima, die dank langjährigem Engineering-Know-how alle Bereiche abdeckt.

Leonhard Mayer: Wir bewegen uns bei der Präzision übrigens innerhalb der vorgegebenen Grenzen der DIN-Richtwerte. Wir „kitzeln“ aus den Maschinen allerdings nicht die allerletzten Sekunden heraus, wie es in der Großserienproduktion üblich ist. Das ist auch nicht notwendig, denn unsere typische Klientel bearbeitet nur kleine Losgrößen.

Für welche Branchen eignen sich Ihre Maschinen?

Priebs: Infrage kommen sie zum Beispiel für den Bau von Komponenten von Schiffen, Windenergieanlagen, Kraftwerken und Erdöl-, Petrochemie- sowie Zementanlagen, Maschinen- und Anlagenbau.

Welches Produktportfolio bieten Sie an?

Priebs: Die Bandbreite reicht von Tisch- und Platten-Bohrwerken mit maximal 280 mm-Spindelgröße, CNC Karusselldrehmaschinen für maximal 16m Bauteildurchmesser bis hin zu CNC-Drehmaschinen mit maximal 5 m Drehdurchmesser und einem maximalen Werkstückgewicht von 400 t. Auf Kundenwunsch werden unsere Karusselldrehmaschinen übrigens auch, mit C-Achsen ausgestattet, die nun drehen, fräsen und bohren. Hinzu kommen Portalfräsen bis zu einem Durchlass von 5 m, die ebenfalls auf solider chinesischer Mechanik basiert. Außerdem stellen wir schwere Schleifmaschinen her.

Besetzen Sie mit diesen Maschinen eine Nische?

Priebs: Es gibt einige, wenige Hersteller, die ähnlich wie wir verfahren. Sie haben aber nicht den Schwermaschinenbereich im Visier. Wir bieten keine Allround-Technik mit extrem hoher Qualität an, sondern „customized“ Maschinen mit adäquater Präzision und Ausstattung. Ein weiteres Plus: Wir können die sonst üblichen Lieferzeiten von bis zu zwei Jahren auf sechs bis zehn Monate senken. Außerdem läuft die Inbetriebnahme wegen der deutlich geringeren Komplexität deutlich schneller ab, der Anwender kann schneller loslegen und damit Geld verdienen. Wegen des günstigeren Kaufpreises sinken die Maschinenstundensätze: Der Kunde kann seine Produkte günstiger anbieten und so Arbeitsplätze sichern.

Was gehört außer den Maschinen zu Ihren Dienstleistungen?

Priebs: Wir sehen uns - falls gewünscht - sehr genau Produkt und Ausgangsmaterialien an, um den Kunden auch bei Pflichtenheft, Ergonomie, Parametern und Prozess zu beraten. Nach Installation und Inbetriebnahme ruft er im Fall der Fälle nicht ein Call-Center in Asien, sondern deutsche Ansprechpartner bei uns an. Er erhält also den gleichen guten Service wie bei einer reinrassig deutschen Werkzeugmaschine. Nur bei der Ausstattung gibt es einen Unterschied: Es heißt nicht mehr „so viel wie möglich“, sondern nur noch „so viel wie nötig“.

Ein Fallbeispiel: Eine China-Maschine in Oberschwaben

„Am Anfang war ich bei der Maschine aus China sehr skeptisch“, blickt Alfred Adam, Geschäftsführer Gesra Gerätebau GmbH aus Altshausen (bei Friedrichshafen) vier Jahre zurück. Die von ihm gegründete Firma gehört zur DMN-Westinghouase B.V. aus Noordwijkerhout, einem niederländischen Hersteller von Zellenradschleusen, Weichen und andere Komponenten für die Schüttgutindustrie. Gesra stellt mit 40 Mitarbeitern unter anderem hochwertige Armaturen- und Motorenkomponenten in Losgröße 1 bis 15 her. Adam suchte für die Kleinserienproduktion eine Drehmaschine, die als Backup zu einer Maschine im Mutterunternehmen in den Niederlanden dienen sollte. Sima Werkzeugmaschinen und Service GmbH aus Heiningen (bei Göppingen) bot ihm als Service- und Vertriebspartner der GMW Machines GmbH (Ennepetal) eine neue chinesische Maschine an, die in Heiningen angepasst wurde.

  • Deutsch-chinesische Gemeinschaftslösung:  Die Maschine bei Gesra ist ein typisches Beispiel für eine auf die jeweils nötige Funktion hin reduzierte, hochwertige Anlage. Bild: Ralf Baumgarten/www.truestoriespress.de

    Deutsch-chinesische Gemeinschaftslösung: Die Maschine bei Gesra ist ein typisches Beispiel für eine auf die jeweils nötige Funktion hin reduzierte, hochwertige Anlage. Bild: Ralf Baumgarten/www.truestoriespress.de

  • Alfred Adam, Gesra: Wir wollten kein Bearbeitungszentrum, sondern nur eine reinrassige Drehmaschine, die maßhaltig, prozesssicher und stabil arbeitet. Ralf Baumgarten/www.truestoriespress.de

    Alfred Adam, Gesra: Wir wollten kein Bearbeitungszentrum, sondern nur eine reinrassige Drehmaschine, die maßhaltig, prozesssicher und stabil arbeitet. Ralf Baumgarten/www.truestoriespress.de

  • Holger Wirths und Larsen Priebs, Geschäftsführer GMW Machines: Wir tunen chinesische Maschinentechnik und statten sie mit europäischer Technik aus, um sie dann als CE-konforme Maschinen mit Zertifikat vom TÜV-Rheinland zu vermarkten. Bild: Ralf Baumgarten/www.truestoriespress.de

    Holger Wirths und Larsen Priebs, Geschäftsführer GMW Machines: Wir tunen chinesische Maschinentechnik und statten sie mit europäischer Technik aus, um sie dann als CE-konforme Maschinen mit Zertifikat vom TÜV-Rheinland zu vermarkten. Bild: Ralf Baumgarten/www.truestoriespress.de

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