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maschine+werkzeug 05/2012

Chancen durch Diversifizierung

EXTRA - LUFT- UND RAUMFAHRT

Bearbeitungszenten - In den vergangenen 15 Jahren hat die in Großbritannien ansässige SA Group eine Nische auf dem Markt für die Wartung von Luftfahrzeugen erobert. Der Erfolg beruht auf Spezialwissen und CNC-Maschinen von Haas.

Bei seiner Gründung im Jahr 1995 war Specialist Aviation (heute SA Group) auf die Beschaffung von Ersatzteilen für den 146 Regional Jet (RJ) von BAE Systems spezialisiert. »Ich hatte einmal in der Beschaffungsabteilung von BAE gearbeitet«, erklärt Duncan Hammond, Gründer und Managing Director, »sodass ich in der ganzen Welt Kontakte habe. Ich weiß, wer auf dem Teile-Markt aktiv ist und ich weiß vor allem, wessen Flugzeug-Leasingverträge auslaufen. Das ist wichtig, denn wenn Verträge auslaufen, bleiben oft Ersatzteile zum Verkauf übrig.«

Die SA Group bietet deshalb den Luftfahrzeugunternehmen, die es sich nicht leisten können, mit vielen verschiedenen Zulieferern zu verhandeln, ihre Dienstleistung an. »Wir bündeln ihre Bestellungen und liefern die Teile dorthin, wo diese benötigt werden. Das kann ein Flugzeug sein, das aufgrund eines Defektes oder wegen des C-Checks auf einem Flughafen festliegt«, so Hammond. Zu den Kunden der SA Group zählen Flybe in Exeter, Marshalls in Cambridge und BAE Systems.«

Teilweise verdanke sein Unternehmen es BAE, dass es in die Fertigung eingestiegen ist, erinniert sich Duncan Hammond. Zunächst hatten sie Ersatzteile für deren Bodentechnik geliefert, aber nichts selbst hergestellt. Dann bot sich die Gelegenheit, ein lokales Unternehmen namens Bowman and Sanderson (B&S) zu kaufen, das die von BAE benötigten Teile fertigte. »Also haben wir dessen Bestände aufgekauft und die Angestellten und Maschinen übernommen. Wir haben BAE um ein Audit des Unternehmens und um die Fertigungsfreigabe gebeten. Damals gingen dann die ersten Anfragen nach Fünf-Achsen-Arbeiten ein und ich entdeckte die Vorteile der Haas-CNC-Maschinen«, sagt der Managing Director rückblickend.

Wie Hammond selbst zugibt, hatte er »von der maschinellen Bearbeitung keine Ahnung«. Doch durch die Übernahme von B&S besaß SA mehr als 20 hochqualifizierte Angestellte, darunter zwei Fachkräfte, die CNC-Maschinen bedienen konnten. B&S hatte zwei CNC-Maschinen und deren Systeme waren ISO-zertifiziert, mit einer sehr guten Rückverfolgbarkeit, was BAE forderte. B&S hat die Fertigung übernommen und SA kümmerte sich um das Projektmanagement, einschließlich Endbearbeitung und die Verwaltungsarbeit.

Duncon Hammond: »Das war eine gute Möglichkeit der Diversifizierung, denn so konnten wir beginnen, Ersatzteile für viele unterschiedliche Kunden und Flugzeugzellen zu fertigen. Wir waren nicht länger auf die Wartung des 146 RJ beschränkt. Allerdings war Hammond klar, dass sein Unternehmen nur mit der Fertigung von simplen Basisteilen auf dem Markt nicht bestehen konnten. Besonders deutlich merkte er es auf den damaligen großen Maschinenauktionen, wo er immer nur die alten Maschinen sah, die schon lange in Betrieb waren. Moderne Fünf-Achsen-Maschinen sah er dagegen nur äußerst selten. »Das hat mich überzeugt, dass wir, um konkurrenzfähig zu sein, uns technologisch soweit an die Spitze setzen mussten, wie wir es uns leisten konnten. Zum Glück stellte sich heraus, dass zwei unserer Angestellten den lokalen Haas Vertreter, Danny Sullivan, kannten«, so der SA-Chef.

»Natürlich haben wir Angebote von anderen Lieferanten von Werkzeugmaschinen erhalten, doch die Haas-Maschinen boten ein außergewöhnliches Preis-Leistungsverhältnis und der Service war herausragend. Also haben wir 2009 unsere erste Fünf-Achsen-Maschine von Haas gekauft und wir haben es nicht bereut«, sagt Hammond zufrieden. Im ersten Jahr hatten die SA-Mitarbeiter eine Menge mit der Software und den Maschinen zu lernen. Zudem ging der CNC-Programmierer von SA zu den Delcam- und Haas-Schulungskursen, um sich die nötigen Kenntnisse anzueignen.

»Das zweite Jahr lief dann ganz anders. Wir hatten 50 bis 60 Aufträge in einem Viertel der Zeit – da mussten wir richtig ran. Das waren zwar immer noch Spritzgusskomponenten, aber wir haben viele Erfahrungen damit sammeln können«, so Hammond. Seitdem hat sein Unternehmen seine Fertigkeiten ausgebaut. »Wir haben an Kunststoff-Spritzgussteilen, Aluminiumkomponenten für die Luftfahrt-Kunden und Titanteilen für Force India gearbeitet, die sie in den Verbundteilen für die Frontseite ihrer Fahrzeuge verwenden«, so der Managing Director.

Zudem hat SA mit Wabenstrukturen experimentiert, die sehr schwer einzuspannen sind. Für die Bearbeitung wird das Werkstück in Eis eingefroren, sodass die dünnen Wände der Wabe keinen Schaden nehmen. Da das Eis sehr schnell schmilzt, bleiben für die Bearbeitung nur wenige Minuten.

Die Drei-Achsen-Funktionen der Haas-Maschinen nutzt die SA Group hauptsächlich für die Luftfahrtindustrie und sie haben auch ermöglicht, anderen wichtigen Kunden, wie BAE und dem Verteidigungsministerium, neue Dienstleistungen anzubieten. So besitzt BAE von Teilen zahlreicher Flughafen-Bodengeräte, die vor über 30 Jahren entworfen wurden, keine Modelle. Doch mit den Haas-CNC-Programmen können Hammonds Mitarbeiter diese zurückentwickeln und neu modellieren. Das gleiche geschieht für das Verteidigungsministerium mit deren alten Beständen. Damit hat sich die SA Group in nur zwei Jahren von einem Neueinsteier zu einem kompetenten und vertrauenswürdigen Hersteller entwickelt.

»Diese Diversifizierung ist für unser Unternehmen, vor allem in diesen schwierigen Zeiten, sehr wichtig. Jetzt haben wir zwei Standbeine – Fertigung und Ersatzteile – und sind nicht mehr von nur einem Geschäftsbereich abhängig. Wir haben das Ersatzteilgeschäft ausgebaut und im letzten Jahr begonnen, alte Flugzeuge zur Ersatzteilgewinnung aufzukaufen«, erklärt Duncan Hammond.

Zurzeit beschäft die SA Group 25 Angestellte. »Mit mehr Platz und einer wachsenden Zahl von Aufträgen war es uns möglich, in drei weitere Haas-Maschinen zu investieren: zwei vertikale Fünf-Achsen Bearbeitungszentren VF3SS und eine Fräsmaschine TM-1 für den Werkzeug- und Vorrichtungsbau«, so Hammond. Diese ergänzen den vorhandenen Maschinenpark, der aus einer Haas VF4SS, einem Drehzentrum SL10 und drei anderen Fräsmaschinen besteht. Schrittweise sollen die alten Maschinen durch neue von Haas ersetzt werden.

Als wichtigstes Ziel sieht Hammond momentan, dass die langfristige Investition in Menschen und Technologie seinem Unternehmen dabei helfen, die Zulassung der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA) nach Part 21j zu erhalten, da die SA Group dann als luftfahrttechnischer Entwicklungsbetrieb in der Lage wären, flugtaugliche Komponenten herzustellen. »Damit würden wir mit unserem Unternehmen dann wirklich abheben«, ergänzt Duncan Hammond.

www.haascnc.com

  • 1 Duncan Hammond, Gründer und Managing Director der SA Group. 2 Mit 25 Mitarbeitern ist die SA Group auf dem Weg die SC21-Lieferantengenehmigung vom Britischen Verband der Luft- und Raumfahrtunternehmen zu erhalten. 3 Ein typisches Fünf-Achsen-Werkstück.

    1 Duncan Hammond, Gründer und Managing Director der SA Group. 2 Mit 25 Mitarbeitern ist die SA Group auf dem Weg die SC21-Lieferantengenehmigung vom Britischen Verband der Luft- und Raumfahrtunternehmen zu erhalten. 3 Ein typisches Fünf-Achsen-Werkstück.

  • Bild 2: Chancen durch Diversifizierung

    Bild 2: Chancen durch Diversifizierung

  • Bild 3: Chancen durch Diversifizierung

    Bild 3: Chancen durch Diversifizierung

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