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maschine+werkzeug 07/2010

Technik für den Bergbau

Perspektive

Bergbau - Mit Kohle ist gut Geld zu verdienen. Weltweit verzeichnet der Bergbau zweistellige Zuwachsraten. Die Technik kommt vielfach aus Deutschland. Kennametal ist auch mit Werkzeugen für Zulieferer dabei.

Wer beim Steinkohlenbergbau nur an Deutschland denkt, dem wird der Bergbau kaum in den Sinn kommen, wenn nach boomenden Branchen gefragt wird. Gerade mal sechs Bergwerke sind hierzulande noch übrig geblieben. Die Hälfte davon wird in den kommenden Jahren ebenfalls schließen. Doch in anderen Ländern floriert das Geschäft mit dem Rohstoff aus der Tiefe noch und hat glänzende Zukunftsaussichten.

Russland hat rund 350 Bergwerke, in China wird aus schätzungsweise 1100 Gruben Kohle gefördert. Marktbeobachter gehen davon aus, dass sich der Steinkohlebergbau weltweit auch künftig noch um jährlich 10 bis 15 Prozent steigern wird. Die Nachfrage nach moderner Technik ist enorm, zumal ein Gros der Gruben noch mit hoffnungslos veralteter Technik betrieben wird. Wie gefährlich das ist, zeigen die häufigen Bergwerksunglücke in China, denen monatlich Schätzungen zufolge etwa 100 Arbeiter zum Opfer fallen.

Dass nun auch in China eine starke Nachfrage nach moderner Bergwerksausstattung entstanden ist, die am liebsten aus Deutschland kommen soll, hat allerdings nichts mit dem Schutz der Menschen zu tun. Die Chinesen wollen einfach nur produktiver werden, um ihren wachsenden Rohstoffbedarf zu decken. Je mehr die Bergleute dabei in die Tiefe gehen, desto höher werden die Anforderungen an die Technik unter Tage. Auch China fördert bereits in 1000 Metern Tiefe. In Deutschland verfügt man über entsprechende Erfahrungen und Technik made in Germany hat auch schon etliche Bergwerke in Russland und China weit nach vorne gebracht.

Dass der große Rettungsbohrer für die im August in Chile verunglückten Bergleute aus Deutschland herangeschafft wurde, kommt nicht von ungefähr: Die Deutschen sind technologische Spitzenreiter. Auch wenn der Bedarf im Inland mangels Einsatzorten gegen null geht, wird überwiegend in Deutschland produziert. Teil dieser Branche sind zahlreiche kleine und kleinste Zulieferbetriebe, an die besondere Anforderungen gestellt werden.

Eines dieser Unternehmen ist die in Wuppertal angesiedelte Weber CNC Technologie GmbH Co. KG. Die Dreherei arbeitet ausschließlich für Auftraggeber aus dem Bereich Bergbautechnik. Früher hatte das Unternehmen nur einen einzigen Kunden, für den einfache Teile gedreht wurden. Seit Uwe Weber die Firma im Oktober 2009 als Geschäftsführer übernommen hat, wurden die gefertigten Teile anspruchsvoller. Weber reagierte damit auf die Anforderungen aus diesem Markt.

Mit dem Steinkohlenbergbau ist Uwe Weber fest verwurzelt. 21 Jahre lang hat er selber unter Tage gearbeitet, zuletzt als leitender Angestellter auf dem Bergwerk ›Fürst Leopold‹. Hier hatte er schon Kontakte zu Bergbauzulieferern geknüpft. Als die Aussichten für den deutschen Bergbau sich zunehmend eintrübten, ist der Bergmann in den Vertrieb für einen Zulieferer gewechselt. Zwölf Jahre war er in dieser Branche unterwegs, zuletzt als Vertriebsleiter für eine Firma, die Filtertechnik für den Bergbau liefert.

Anforderungen sind gewachsen

Hier kam er auch zur Dreherei in Wuppertal in Kontakt, deren Besitzer den Betrieb aus Altersgründen abgab. Vorrangiges Ziel war es für ihn, neue Kunden zu akquirieren, wobei ihm seine Vertriebserfahrung und vorhandene Kontakte zugutekamen. Weber stieß auf reges Interesse und bekam auch reichlich Anfragen. Allerdings musste er auch feststellen, dass mit den übernommenen alten CNC-Drehmaschinen viele der gefragten Teile überhaupt nicht zu realisieren waren. Sein Vorgänger hatte damit vor allem einfache Bolzen gefertigt.

Das ist allerdings keineswegs typisch für den Bedarf dieser Branche. Die Losgrößen liegen meist unter 1000 Stück – eher kleine Mengen, die längst nicht jede Dreherei annehmen mag. Dazuhin sind die Anforderungen an verschiedene Teile ganz unterschiedlich. Wenn im Untertageabbau ein Kohlenstreb eingerichtet wird, besteht dieser aus 150 bis 200 Einheiten, die von einem Zulieferer gebaut werden. Bis zu sieben Meter hoch ragen die Stahlteile, die von mächtigen Stempeln gestützt werden. 150 bis 200 Einheiten kommen in einen Streb. Dazu gehören aber auch komplexe Steuerungen, die den Schildausbau vorantreiben, Zylinder öffnen und schließen sowie das Schreitwerk weiter nach vorne rücken, wenn die Kohle abgebaut ist. Pro Streb sind dafür an die 500 Teile erforderlich: Bolzen, Magnetventile und anderes mehr.

Webers neue Kunden benötigen vorwiegend Drehteile für die Elektrohydraulik, Ventilkomponenten und Filterteile. Die geforderten Genauigkeiten liegen dabei teilweise im µ-Bereich. »Das ist wirklich filigran, was da so verlangt wird«, meint Uwe Weber. Doch die für seine Drehmaschinen zu schwierigen Aufträge immer an befreundete Drehereien in der Gegend weiterzuleiten, konnte für Weber keine Dauerlösung sein. Die Aufträge, die so an ihm vorbeigingen, brauchte er dringend. An einer neuen Maschine samt geeigneten Werkzeugen für alle Aufgaben führte kein Weg vorbei.

Das Problem: Uwe Weber ist zwar ein ausgemachter Experte im Bergbau, das Drehen war für ihn als neuem Firmenchef aber Neuland, in das er sich erst hineinarbeiten muss. »Ich bin gelernter Betriebsschlosser, kein Dreher. Vor allem beim Thema CNC musste ich zunächst Erfahrung sammeln«, räumt Weber freimütig ein. Immerhin konnte er fachkundige Mitarbeiter gewinnen. Zusammen mit seinem Produktionsleiter besuchte er dieses Jahr die Metav – mit eindeutigen Kaufabsichten und Zeichnungen für Teile im Gepäck, die er zu fertigen gedachte. Seine Erfahrungen auf der Messe waren durchwachsen. Von einigen Firmen fand er sich schlecht beraten oder schlichtweg als Kleinunternehmer nicht ernst genommen. Wenn im Nachgang überhaupt Angebote kamen, hatten die mitunter wenig mit dem zu tun, was er eigentlich wollte.

Fündig wurde Weber schließlich bei Doosan, wo er sich auf Anhieb verstanden fühlte. »Hier war ein starker und zuverlässiger Partner mit Know-how im Hintergrund gefragt«, erinnert sich Falk Grigoleit an die ersten Kontakte. Grigoleit ist Gebietsverkaufsleiter der GLM Service und Vertrieb GmbH & Co. KG, die neben Doosan-Maschinen auch Service anbietet. »Eine Maschine verkaufen kann jeder, wichtig ist aber der anschließende Support«, so Grigoleit. Bei der Beratung für das Maschinenkonzept habe man schon berücksichtigt, dass die Ansprüche der Auftraggeber größer werden.

Weber investierte schließlich in eine Doosan TT 1800 SY. Drei alte kurvengesteuerte Maschinen mussten dem neuen CNC-Drehfräszentrum und dem angebauten Stangenlader weichen. Weber verfügt damit über ein hochpräzises Drehfräszentrum mit zwei vollwertigen Spindeln, zwei Revolvern und einer Y-Achse, auf dem er Teile bis 65 Millimeter Durchmesser bearbeiten kann.

Bei der Werkzeugwahl verfuhr Uwe Weber ähnlich wie beim Maschinenkauf. »Ich habe geprüft, wer mich vernünftig berät, wer ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis hat und wen ich anrufen und schnell etwas bestellen kann«, so Weber. Aus einem Wust von Werkzeuglieferanten, die bei seinem Vorgänger noch ein- und ausgingen, blieben unter diesen Maßgaben nur noch drei übrig. Die neue Doosan kam mit einem Erstpaket von Kennametal.

  • Bild 1: Technik für den Bergbau

    Bild 1: Technik für den Bergbau

  • Weber stellt ausschließlich Teile für Bergbauzulieferer her.

    Weber stellt ausschließlich Teile für Bergbauzulieferer her.

  • Mit neuer Maschine und Werkzeugen von Kennametal sind noch anspruchsvollere Teile möglich.

    Mit neuer Maschine und Werkzeugen von Kennametal sind noch anspruchsvollere Teile möglich.

  • Frank Funke (Kennametal), Uwe Weber (Weber CNC Technologie) und Falk Grigoleit (GLM), v.l.

    Frank Funke (Kennametal), Uwe Weber (Weber CNC Technologie) und Falk Grigoleit (GLM), v.l.

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Unternehmensinformation

Kennametal Shared Services GmbH

Wehlauer Straße 73
DE 90766 Fürth
Tel.: 0911-9735-0
Fax: -388

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