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maschine+werkzeug 10/2018

Imagefrage

Editorial

Warum jeden Tag mit schmutzigen Fingernägeln nach Hause kommen? Morgens früh aufstehen und nach der Arbeit immer etwas nach Öl riechen? Angenehmer ist’s wohl im Büro bei einem Job von neun bis fünf. Bezahlung und Aufstiegsmöglichkeiten dort sind nicht schlechter als jene für gleichaltrige Kollegen, die erst eine Tortur an technischer Wissensvermittlung durchmachen. Die Berufswünsche junger Leute lassen sich durchaus ein Stück weit nachvollziehen. In Summe liegen die kaufmännischen Berufe in der Rangliste oben. Und wenn es schon ein technischer Beruf werden soll, dann am liebsten der Kfz-Mechatroniker. Auto kennt man eben, Maschine nicht.

Manfred Flohr, Chefredakteur. Bild: maschine+werkzeug

Image bildende Maßnahmen sind da dringend angesagt. Die Werkzeugmaschinenbranche beeindruckte zuletzt mit glänzenden Marktzahlen. Fast monatlich wurden Produktionsrekorde vermeldet, die 2018 am Ende zum Top-Jahr machen werden. Die Bundesagentur für Arbeit hat nun ebenfalls einen Bestwert vermeldet: mit 2,2 Millionen Arbeitslosen ist die Arbeitslosenquote für den gesamten Arbeitsmarkt im Oktober unter die 5-Prozent-Marke gefallen. Die Altersstruktur im Lande spielt da ebenso hinein wie der gut geölte Wirtschaftsmotor. 

Was für Arbeitssuchende erfreulich ist, bedeutet für die Industrie, dass es ihr künftig noch schwerer fallen wird, in dem geschrumpften Angebot die dringend benötigten Fachkräfte zu finden. Händeringend wird nach Lösungen gesucht. Der Königsweg zu den Fachkräften der Zukunft führt zweifellos über die eigenen Auszubildenden. Die zu bekommen, fällt allerdings so schwer wie noch nie. Erstmals seit 1994 gibt es nämlich wieder mehr Stellen als Kandidaten: 547.000 betrieblichen Ausbildungsplätzen standen zuletzt 536.000 Bewerber gegenüber. Den Begriff »Bewerber« kann man da getrost auf die Wortwaage legen, denn jetzt haben die jungen Leute die Wahl, um deren Gunst die Firmen werben müssen.

Wie bringt man sie zur Technik? Das Gehaltsgefüge im Unternehmen dürfte auch langfristig ein Tabuthema bleiben. Doch die neue Arbeitswelt ist auch für ganz andere Lösungen gut. Automatisierung und Vernetzung sind nicht nur dazu geeignet, die Produktivität bei niedrigerem Personaleinsatz zu steigern. Für die auch in Zukunft nötigen Fachkräfte sollten sie neue, für den Menschen attraktive, flexible Arbeitszeitmodelle möglich machen. Acht Stunden an der Maschine sind dann passé. Das Anforderungsprofil wandelt sich ohnehin: In den Betrieben fehlen in absehbarer Zeit mehr Programmierer als Zerspaner. An der TU Dortmund, wo Maschinenbau und Informatik dicht beieinander liegen, wird darauf bereits reagiert. Hier werden nicht nur Lehrinhalte miteinander verwoben, sondern auch Informatikstudenten gezielt in Fertigungsbetriebe gebracht. Natürlich erkennt man sie nicht am Schmutz unter den Fingernägeln.

Manfred Flohr

Chefredakteur

m.flohr <AT> verlag-henrich.de

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