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Gewindefertigung - Gewindefurchen

Gewindefurchen

Gewindefurchen ist ein stufenförmiger spanloser Umformprozess, bei dem ein Teil des Gewindeprofiles in die Bohrungswand hineingedrückt wird. Das verdrängte Material fließt entlang der Gewindeflanken in Richtung Bohrungsmitte und erzeugt den zweiten Teil des Gewindeprofiles.

Sonderverfahren Cut&Form

Das Innengewinde-Fertigungssystem Cut&Form ist eine Kombination aus spanenden und umformenden Verfahren, welche jeweils einen bestimmten Teil des Gewindeprofiles erzeugen. Der Gewindebohrer (oder auch Gewindefräser) erzeugt im ersten Schritt eine nicht vollständig ausgeformte Gewindekontur. Im Folgenden vervollständigt der Gewindefurcher das Gewindeprofil.
Der Gewindekern wird dabei üblicherweise mit dem Gewindebohrer oder -fräser hergestellt; es entsteht also nicht die vom Gewindefurchen bekannte Kralle im Gewindekern.
Der Gewindeaußendurchmesser wird mit dem Former hergestellt und verhilft dem Gewinde somit zu höheren Dauerfestigkeitswerten, als sie beim geschnittenen Gewinde zu erreichen sind.
Mit diesem kombinierten Verfahren ist es weiterhin möglich, Gewinde in schlecht fließende Werkstoffe zu furchen, die Gewindeoberfläche ganz oder partiell zu glätten oder große Gewindesteigungen (über 3 mm) zu furchen. Zur Lehrung so hergestellter Gewinde ist ein normaler Grenzgewindelehrdorn für das fertige Gewinde zu verwenden (Form). Ein zweiter Gewindegrenzlehrdorn (Cut) wird für die Prüfung des vorgefertigten geschnittenen Gewindes empfohlen (Bild 11 und 12).

Bild 11: Beispiel für den Aufbau eines mit Cut&Form hergestellten Gewindes

Bild 12: Vergleich der Kernkralle beim gefurchten und beim Cut&Form-Gewinde

In Bild 13 wird ein Beispiel gezeigt, wie mit dem Cut&Form-Verfahren ein Kugelumlaufgewinde hergestellt wird, bei dem die Kugellaufbahn geglättet ist und deshalb nicht geschliffen werden muss.

Bild 13: Beispiel für ein Gewinde, das mittels Cut&Form-Technologie hergestellt wird


Inhaltsverzeichnis
Literaturhinweis

Bartl, R. (Hrsg.): Trockenbearbeitung prismatischer Teile. Forschungszentrum Karlsruhe, FZKA-PFT 177, Karlsruhe 1996
Biermann, D.: Zukunftweisende Entwicklungen in der spanenden Fertigung. Zerspanen im modernen Produktionsprozess. Institut für Spanende Fertigung, Technische Universität Dortmund. Dortmund 2008
EMUGE (Hrsg.): Handbuch der Gewindetechnik und Frästechnik. Publicis Corporate Publishing, Lauf 2004
Hechtle, D.: Fünffach längere Intervalle. Werkstatt + Betrieb 11, 2008
Hechtle, D.:Höhere Belastbarkeit für Schraubenverbindungen. Werkstatt + Betrieb 7-8, 2007
Klocke, F.; Essel, I.: Basics of HPC and Mechanical and Thermal Characteristics. High Performance Cutting CIRP International Conference, Aachen, 2004, S. 29 – 44
Paucksch, E.; Holsten, S.; Linß, M.; Tikal, F.: Zerspantechnik. Prozesse, Werkzeuge, Technologien. Vieweg+Teubner, Kassel/Lüneburg 2008
Spur, G.; Stöferle, Th. (Hrsg.): Handbuch der Fertigungstechnik, Band 3/2, Spanen. Carl Hanser Verlag, München 1980

Handbuch Spanen
Herausgeber: Günter Spur
10/2014, 1392 Seiten, € 239,99
ISBN: 978-3-446-43699-2
Seite 1042 - 1047

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