nach oben
Gewindefertigung - Gewindebohren

Gewindebohren

Gewindebohren ist ein spanendes Verfahren mit kontinuierlichem Schnitt. Das Material wird über eine Folge von radial anwachsenden Zähnen, die am Umfang des Werkzeugs in der Gewindesteigung aufgereiht sind, abgetragen. In der industriellen Fertigung kommen Maschinengewindebohrer in verschiedenen Baumaßen zum Einsatz.

Gewindebohren ist einer der letzten Bearbeitungsschritte im Fertigungsprozess. Fehler bei der Bearbeitung oder Werkzeugauswahl können ein Bauteil zerstören, das bis zu diesem Zeitpunkt ein hohes Maß an Fertigungskosten verursacht hat. Gewinde sind zu einem Teil sicherheitsrelevant; daher gelten hohe Genauigkeitsanforderungen. Kostendruck zwingt zu höheren Schnittgeschwindigkeiten, obgleich diese beim Gewindebohren durch das Verfahren selbst begrenzt werden. Entgegen den meisten anderen Fertigungsprozessen muss beim Gewindebohren die Drehrichtung des Werkzeuges im Fertigungsprozess reversiert werden. Daraus resultiert eine zumindest in Teilbereichen des Prozesses variierende Schnittgeschwindigkeit, die von der eingestellten Schnittgeschwindigkeit bis zum Stillstand reicht, sowie ein Rückwärtslauf des Werkzeuges, bei dem sich die Schneidengeometrie im Werkstück entgegen der Schneidrichtung bewegen muss. Gewindebohrer sind Profilwerkzeuge; das herzustellende Gewinde ist in ihnen abgebildet. Darüber hinaus ist beim Gewindebohren nur ein Prozessparameter – die Schnittgeschwindigkeit – in gewissen Grenzen beeinflussbar, während alle anderen Parameter, wie z. B. der Vorschub oder die Zustellung, im Prozess nicht variabel sind, da sie durch das jeweilige Werkzeug unveränderbar vorgegeben sind. Daraus resultieren eine Reihe von Anforderungen an das Werkzeug (Tabelle 1).

Prozess und wählbare Schnittparameter (Klocke, Essel 2004)

Gewindeprofile

Bild 1: Gewindeprofile (Auswahl)

Es gibt eine Vielzahl von zum überwiegenden Teil genormten Gewindeprofilen, die fast alle mit Gewindebohrern herstellbar sind (Bild 1). Auch mehrgängige Gewinde können mit Gewindebohrern hergestellt werden (Bild 2).

Bild 2: Mehrgängige Gewinde


Inhaltsverzeichnis
Literaturhinweis

Bartl, R. (Hrsg.): Trockenbearbeitung prismatischer Teile. Forschungszentrum Karlsruhe, FZKA-PFT 177, Karlsruhe 1996
Biermann, D.: Zukunftweisende Entwicklungen in der spanenden Fertigung. Zerspanen im modernen Produktionsprozess. Institut für Spanende Fertigung, Technische Universität Dortmund. Dortmund 2008
EMUGE (Hrsg.): Handbuch der Gewindetechnik und Frästechnik. Publicis Corporate Publishing, Lauf 2004
Hechtle, D.: Fünffach längere Intervalle. Werkstatt + Betrieb 11, 2008
Hechtle, D.: Höhere Belastbarkeit für Schraubenverbindungen. Werkstatt + Betrieb 7-8, 2007
Klocke, F.; Essel, I.: Basics of HPC and Mechanical and Thermal Characteristics. High Performance Cutting CIRP International Conference, Aachen, 2004, S. 29 – 44
Paucksch, E.; Holsten, S.; Linß, M.; Tikal, F.: Zerspantechnik. Prozesse, Werkzeuge, Technologien. Vieweg+Teubner, Kassel/Lüneburg 2008
Spur, G.; Stöferle, Th. (Hrsg.): Handbuch der Fertigungstechnik, Band 3/2, Spanen. Carl Hanser Verlag, München 1980

Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren
Newsletter

Sie wollen immer top-aktuell informiert sein? Dann abonnieren Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!

Hier kostenlos anmelden

Aktuellen Newsletter ansehen

Basics
Zur Übersicht aller Basics