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Drehen - Drehmaschinen

Karusselldrehmaschinen

Auszug aus

Handbuch Spanen

Herausgeber: Günter Spur
10/2014, 1392 Seiten, € 299,99
ISBN: 978-3-446-42826-3
S. 268

Mit Karusselldrehmaschinen werden vorwiegend Einzelwerkstücke oder kleinere Serien bearbeitet. Charakteristisch für diese Maschinenvariante ist, dass das Werkstück auf eine Planscheibe gespannt ist, die sich um eine senkrechte Achse dreht.

Die Karusselldrehmaschine ist durch die sich um eine senkrechte Achse drehende Planscheibe und das darauf gespannte Werkstück gekennzeichnet. Daraus erklärt sich ihr Einsatz als Bearbeitungsmaschine schwerer oder sperriger Werkstücke. Wesentliche Gesichtspunkte sind die leichte Zu- und Abfuhr sowie Aufspannung der Werkstücke auf der horizontalen Planscheibe. An großen Teilen strebt man die Bearbeitung in der späteren Einbaulage an, die häufig der Aufnahme auf der horizontalen Planscheibe entspricht. Schließlich verlangen sehr genau zu fertigende Werkstücke ein Bearbeiten in möglichst einer Aufspannung. Hier bietet die Karusselldrehmaschine durch Zusatzeinrichtungen für spezielle Arbeitsvorgänge vielfältige Lösungsmöglichkeiten. Diesen Vorteilen stehen relativ schlechte Spanabfuhr sowie die beim Karusselldrehen teilweise verfahrensbedingte veränderliche Werkzeugauskragung gegenüber.

Karusselldrehmaschinen kommen heute in sämtlichen Bereichen des Maschinen-, Triebwerk- und Apparatebaus zur Anwendung. Mit ihnen werden vorwiegend Einzelwerkstücke oder kleinere Serien bearbeitet.

Die Entwicklung einer Drehmaschine mit senkrechter Drehachse geht auf den Schweizer Ingenieur Bodmer zurück. Maschinen dieser Bauart wurden erstmalig gegen Ende des 19. Jahrhunderts in den USA, später auch in Europa, verwirklicht. Sehr früh wurden bereits Maschinen in Einständer- und auch Zweiständerbauweise entwickelt, und zwar sowohl mit ortsfesten als auch verfahrbaren Ständern bzw. Untersätzen sowie mehreren Werkzeugträgern. Anfang der dreißiger Jahre löste die Entwicklung von Wasserturbinen mit immer größeren Gehäuseabmessungen den Bau größter Zweiständer-Karusselldrehmaschinen mit verfahrbarem Portal aus. Die Maschinen erreichten schließlich Planscheibendurchmesser von 18 m bei einem maximalen Drehdurchmesser von 25 m. Da eine Auslastung durch Großteile nur in Einzelfällen gegeben war, entwickelte man kombinierbare Kern- und Ringplanscheiben, um auch kleinere Werkstücke bei höheren Drehzahlen wirtschaftlich bearbeiten zu können. Dies führte jedoch zu sehr aufwendigen Konstruktionen.

Nach dem zweiten Weltkrieg setzte sich zur Bearbeitung großer Einzelwerkstücke unterschiedlicher Abmessungen die offene Einständer-Karusselldrehmaschine mit verfahrbarem Ständer oder Untersatz durch. Dieser Maschinentyp kam ursprünglich nur für leichtere Werkstücke und geringe Zerspanleistung zum Einsatz. Nach Entwicklung entsprechend steifer Konstruktionen löste er jedoch wegen seiner spezifischen Vorteile in den meisten Fällen die Zweiständer-Bauweise ab.

Heute kommen offene Einständer-Maschinen jedoch nur noch selten zur Anwendung, da auch bei steifer Konstruktion prinzipbedingt Nachteile hinsichtlich der Genauigkeit und der erzielbaren Spanleistung im Vergleich zur Portalbauweise bestehen.


Inhaltsverzeichnis
Auszug aus

Handbuch Spanen

Herausgeber: Günter Spur
10/2014, 1392 Seiten, € 299,99
ISBN: 978-3-446-42826-3
S. 268
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