Maschinen und Werkzeuge für die Großteilebearbeitung, wie sie in der Kraftwerks- und Turbinenindustrie, im Dieselmotoren- oder im allgemeinen Maschinenbau zum Einsatz kommen, leisten Schwerstarbeit. Werkstücke mit 38 Metern Länge und schwergewichtigen 200 Tonnen meistert etwa die PowerTec 7000, eines der größten und leistungsstärksten Portalbearbeitungszentren aus dem Hause Waldrich Coburg mit modernster Zerspanungstechnik für die effiziente Bearbeitung überdimensionaler Werkstücke. Die PowerTec deckt ein besonders breites Bearbeitungsspektrum ab und wird von dem Sondermaschinenbauer aus Nord-Bayern in Tisch-, Paletten- und Gantry-Ausführung geliefert. Eine Fräsleistung von 105 kW und Durchgangsbreiten von 10 Metern stellen gängige Größenordnungen dar.
Die Anwendung bestimmt das Material
Ohne ein applikationsgerechtes Energieführungssystem mit Leitungen zur Energieversorgung und Datenübertragung wäre die Nutzung der Bearbeitungszentren nicht möglich. Dabei sind im Werkzeugmaschinenbau Maschinen mit zehn oder mehr Energieführungsketten keine Seltenheit. Die zum Einsatz kommenden Lösungen können dabei in Bezug auf Größe, Dynamik oder Unempfindlichkeit gegen bestimmte Umgebungsbedingungen und damit auch hinsichtlich der Materialbeschaffenheit recht unterschiedlich sein.
Was allein für eine Maschine gilt, potenziert sich anlagenübergreifend. So gehören bei Waldrich Coburg neben der PowerTec-Serie noch neun weitere Maschinenreihen zum Leistungsspektrum. Vor diesem Hintergrund ist die Werkstoffvielfalt, die Kabelschlepp im Produktbereich Energieführungen mit Stahl-, Kunststoff- sowie Hybridausführungen aus eigener Entwicklung und Fertigung anbietet, ein großer Vorteil.
„Damit hat man leistungsfähige Lösungen für schlichtweg sämtliche Einsatzbereiche und alle Eventualitäten. Das ermöglicht eine objektive, optimal auf die Anwendung ausgerichtete Beratung, statt mit aller Macht ein bestimmtes Produkt oder Material argumentieren zu müssen“, betont Jörg Reimann aus dem Vertrieb Energieführungen bei Kabelschlepp und Ansprechpartner für Waldrich Coburg. „Wir liefern dem Kunden Stahl- und Kunststoffketten in unterschiedlichen Ausführungen – eben das jeweils Passende für die entsprechenden Anforderungen.“ So sind die Stählernen bei besonders rauen Umgebungsbedingungen wie hoher Hitze, extremen mechanischen Belastungen oder auch radioaktiver Strahlung das Mittel der Wahl, die leichteren Vollkunststoff-Produkte prädestiniert für unter anderem schnelle Handling-Systeme, und Hybridketten mit ihrer Kunststoff-Aluminium-Materialkombination zeichnen sich durch Passgenauigkeit auf den Millimeter, hohe Stabilität und besonders leitungsschonende Eigenschaften aus.
Zweiter Geschäftsbereich
Für das Gesamtkonzept der Maschine benötigt Waldrich Coburg neben Energieführungsketten noch weitere passive und aktive Komponenten wie Teleskopabdeckungen, Späneförderer und komplette Einhausungen. Um diese Komplexität der zahlreichen Einzelkomponenten für Maschinenbauer oder Ingenieurbüros zu minimieren, hat Kabelschlepp das Leistungsspektrum um den Geschäftsbereich Conveyor And Protection Systems (CAPS) ergänzt. Denn an vielen Werkzeugmaschinen finden sich neben Energieführungsketten auch Führungsbahnschutz-Systeme – Teleskop-Abdeckungen, Gliederschürzen, Bahnabstreifer, Faltenbälge und Rollbandabdeckungen – sowie Systeme zur Späneentsorgung (Scharnierband-, Gurtband oder Kratzerförderer). Vor über 40 Jahren wurde dafür ein eigener Fertigungsbereich gegründet. Zwei Tochtergesellschaften wurden im Laufe der Zeit im Unternehmen implementiert. Über die Jahrzehnte erfolgten kontinuierlich Investitionen in modernste Technik und den Ausbau der Produktionsstätten. Aus der langjährigen Erfahrung mit der Blechverarbeitung in diesem Bereich resultiert fundiertes Know-how, das zudem in der Fertigung von Sonderkonstruktionen wie etwa für Träger- und Transportgestelle von komplexen Energieführungen zum Tragen kommt.
Effektiver Schutz
Für den Schutz der Führungsbahn kommen an der PowerTec 7000 Teleskop-Abdeckungen zum Einsatz, eine Lösung, die durch Funktionssicherheit und Langlebigkeit überzeugt. Die besondere Herausforderung war, eine Breite von 3,5 Metern bei einer Verfahrgeschwindigkeit von bis zu 60 m/min zu realisieren. Bei Geschwindigkeiten unter 15 m/min kann eine Teleskop-Abdeckung noch in herkömmlicher Form der Kastenmitnahme gebaut werden. Bei höheren Geschwindigkeiten führen die unvermeidlichen Anschlagimpulse zu Vibrationen und deutlich hörbaren Anschlaggeräuschen. So genannte Differentialantriebe erzeugen einen Gleichlauf der Kästen und eliminieren die Anschlagimpulse. Deshalb findet das Scherenmechanikprinzip Anwendung, das neben hohen Verfahrgeschwindigkeiten von bis zu 200 m/min weitere Vorteile bietet: Beschleunigungskräfte, Geschwindigkeiten und die entstehenden Massenkräfte werden über alle Kästen gleichmäßig verteilt, üblicherweise auftretende Kraftspitzen beim „Aneinanderschlagen“ der Teleskop-Abdeckungskästen vermieden und störende Anschlagimpulse der Kästen eliminiert. Möglich wird dies durch die Gleichlaufeinrichtungen, die alle Abdeckkästen während des Auszuges und des Zusammenschubes gleichmäßig verfahren; die einzelnen Kästen bewegen sich relativ zueinander nur mit einer Differenzgeschwindigkeit.
Lösungen für unterschiedliche Aufgaben
Auch für die unterschiedlichen Entsorgungsaufgaben an Werkzeugmaschinen bietet Kabelschlepp zuverlässige, effiziente Lösungen. Waldrich Coburg setzt auf Scharnierbandförderer, die kundenspezifisch in extra stabiler Ausführung für raueste Umgebungseinflüsse gefertigt wurden. Der Transport des Fördergutes erfolgt auf dem Oberturm des umlaufenden Scharnierbandes. Zum Portfolio der Wendener gehören verschiedene Bauformen mit drei, auf die jeweiligen Einsatzbedingungen ausgerichteten Scharnierbandausführungen. Diese sind Standard, gelocht und mit Sicken. In Förderern mit Steigungsteil sorgen Mitnehmer für einen Weitertransport. Bei Nassbearbeitung werden die Kühlschmierstoffe im Fördergehäuse gesammelt und über einen optional lieferbaren Kühlmittelbehälter oder eine Pumpstation dem Maschinenkreislauf wieder zugeführt. Die Produkte können als Einzelförderer an Werkzeugmaschinen oder als verkettete Fördersysteme eingesetzt werden; je nach Ausführungsart wird das Fördergut in einem definierten Steigungswinkel auf die gewünschte Höhe gefördert und abgeworfen.
Kabelschlepp liefert auch Maschineneinhausungen aus eigener Fertigung nach Coburg oder direkt zur „Baustelle“ beim Endanwender. Denn mit hohen Drehzahlen, schnellen Bearbeitungsgeschwindigkeiten, Kühlwasser und Spänen sind Werkzeugmaschinen und Bearbeitungszentren für Menschen eine gefährliche Umgebung. Deshalb werden sie mit nach EN-Normen durchschusssicheren Schutzeinrichtungen umgeben. Die Schutzeinrichtungen werden nach den Plänen von Waldrich Coburg gefertigt, aber dennoch aus standardisierten Baugruppen. Dies bietet mehrere Vorteile. Es gibt eine kurze Konstruktionszeiten durch größtmögliche Standardisierung, kurze Lieferzeiten, da die Produktion auf vordefinierten Prozessen beruht sowie kürzere Montagezeit, denn auch die Befestigungsprofile sind standardisiert und die Wandelemente sind mit wenigen Schritten zusammensetzbar.
Für beigestellte Komponenten wie etwa Fördersysteme führen die Wendener auch den Montageservice vor Ort durch. Dabei sorgen im In- und Ausland 13 Tochterfirmen und 50 Repräsentanzen von Kabelschlepp global für kurze Wege, individuellen Support mit Abstimmung lokaler Besonderheiten und persönlichen Service.
Auch „Versteckte“ Kosten minimieren
Komponenten zum Führen, Versorgen, Transportieren und Schützen stellen eine ideal auf die Bedürfnisse im Maschinenbau abgestimmte Produkt- und Dienstleistungskombination aus einer Hand dar. Vier Kernkompetenzen von Kabelschlepp verschmelzen in einer Systemlösung, sodass durch die Synergieeffekte ein gesteigerter Kundennutzen erzielt werden kann. Bereits im Vorfeld reduziert sich der Aufwand für Disposition und Einkauf aller Einzelelemente. Das bringt nicht nur dem Projektingenieur, sondern auch den Kollegen aus Einkauf und Logistik Vorteile. Die zahlreichen Bauteile werden unter einer Bestellnummer, sämtliche Spezifikationen in einem Auftrag erfasst, und für Rückfragen jedweder Art gibt es nur einen Ansprechpartner. Fristgerecht stehen alle Komponenten für die Montage zur Verfügung. Bestell- und Buchungsvorgänge, Rechnung- und Wareneingangsprüfung werden vereinfacht. Hinzu kommt die Systempflege, denn die verursacht ebenfalls Kosten.
„Stammsätze und Preislisten bearbeiten und aktualisieren – da macht es einen Unterschied, ob ich einen oder sechs Lieferanten habe“, weiß Rainer Krug aus dem Einkauf bei Waldrich Coburg. Die Stücklisten der Konstruktionskollegen füllen Seiten. „Bei der Unmenge an einzelnen Bauteilen für eine Anlage rechnet sich ein reduziertes Lieferantenhandling.“
Der Rund-um-die-Maschine-Service von Kabelschlepp wirkt sich zudem im Notfallmanagement aus. Hat ein Crash den Stillstand der Werkzeugmaschine zur Folge, ist im Normalfall die Koordination mehrere Wartungstechniker der einzelnen Lieferanten erforderlich. Mit einer Systemlösung von Kabelschlepp gibt es nur einen Ansprechpartner, wodurch sich die Ausfallzeit minimieren lässt.