SEPTEMBER
08.2010


 

Ab in die Zukunft


Technik

GROB Der Mindelheimer Maschinenbauer Grob erweitert sein Angebot an Standardmaschinen. Nach der sehr erfolgreichen G350 wurde die G550 vorgestellt. Größere Modelle sollen folgen.

Der Blick in Halle 8 der Grob-Werke in Mindelheim zeigt, wie konsequent der Hersteller seine Zukunftspläne verfolgt. Dem Bereich der Standardmaschinen misst man eine hohe strategische Bedeutung bei und sieht in den Stand-alone-Maschinen noch ein großes Potenzial. Der Zweig soll sich zu einem stabilen zweiten Standbein für das Unternehmen entwickeln. Dafür gab es auch Veränderungen im Produktionsablauf, die sowohl eine schnelle Fertigung der Standardmaschinen erlauben als auch erhebliche Steigerungen der Stückzahlen ins Kalkül ziehen.

Seit das 1926 in München gegründete Unternehmen sich 1968 in Mindelheim auf der grünen Wiese ansiedelte, ist Grob enorm gewachsen. Allein im Stammwerk arbeiten rund 2000 Menschen, weltweit sind es fast 3000. DerJahresumsatz des bayerischen Familienunternehmens liegt bei 500 Millionen Euro. Das Geschäft macht Grob vor allem im Systemgeschäft mit Anlagen im Bereich Powertrain der Automobil- und Zulieferindustrie. Sie beliefert der bayerische Hersteller mit verketteten Systemen, Transfermodulen und Bearbeitungszentren. Grobs Spezialität sind Fertigungssysteme, die individuell auf die Produktion bestimmter Teile in mittleren und hohen Stückzahlen optimiert sind.

G wird Standard

Die Standardmaschinen werden als eigenständiger Bereich betrachtet, sind aber aus dem Systemgeschäft heraus entstanden. Sowohl die vor zwei Jahren präsentierte G350 als auch die G550 sind Serien-Varianten des 2004 präsentierten G-Modulbaukastens.

Mit dem G-Modul hat Grob frühzeitig auf veränderte Anforderungen der Automobilindustrie reagiert. Unflexible Großanlagen sind hier nicht mehr gefragt. Transfersysteme werden nur noch bei sehr kurzen Taktzeiten bis etwa 30 Sekunden pro Werkstück eingesetzt. Grob hat mit seiner Entwicklungsarbeit einen maßgeblichen Anteil daran geleistet, dass auch flexible Fertigungssysteme die Taktzeiten von Transferstraßen bereits nahezu erreichen.

Das G-Modul ist ein flexibel einsetzbares Bearbeitungszentrum, welches zusammen mit möglicher Parallelisierung sowohl bei den Werkstücken als auch bei Stückzahlen viel Spielraum ermöglicht. Mit der ungewöhnlichen Anordnung der Achsen hat der Hersteller eine vehemente Änderung seiner Philosophie vollzogen. Für die horizontale Fünf-Achs-Bearbeitung ist man von der traditionellen Achsanordnung weggegangen und hat die Z- und X-Achse auf die Spindel verlagert, während die Y-Achse im Werkstück sitzt.

Mit dem Konzept wurde eine höhere Steifigkeit erreicht und zugleich der Spänefall verbessert. Bei den Automobilherstellern hat Grob mit dem G-Modul einen Volltreffer gelandet. »Nach anfänglichem Argwohn wurde das Konzept mittlerweile von der ganzen Automobilindustrie hervorragend angenommen«, berichtet German Wankmiller, Vorsitzenderr der Geschäftsführung der Grob-Werke. Es sei bewiesen worden, dass kubische Teile im Automobilbau auf diesen Maschinen besonders günstig gefertigt werden können.
Wankmiller spricht im Zusammenhang mit den G-Modulen nicht ohne Grund von einer Erfolgsstory: 1600 Maschinen dieses Typs wurden mittlerweile in die ganze Welt verkauft. Mit einem Anteil von 50 Prozent bilden die G-Module heute den Hauptteil der Produktion. Für die Vormontage hat Grob eine Fließfertigung eingerichtet, die Endmontage findet in einer sehr gut funktionieren-den Standplatzmontage statt. Mit einem Baukastensystem werden die Module als 1-, 2- oder 4-spindlige Maschinen gebaut.

Die G350 und die G550 sind mit ihren Palettengrößen von 400x400 mm beziehungsweise 630x630 mm die Standard-Varianten der beiden kleinsten G-Module. Mit den Standardmaschinen erschließt sich Grob neue Märkte abseits der Automobilindustrie: Formenbau, allgemeiner Werkzeugbau, Medizintechnik, Apparatebau, Optronik, Flugzeugbau und andere mehr. In diesem stark umkämpften Markt sind die Mindelheimer Newcomer. Zwei Jahre nach dem erfolgreichen Einstieg ins Standardmaschinengeschäft mit der G350 sieht Rudolf Dreer, Vertriebsleiter Standardmaschinen die G550 als eine absolut notwendige Erweiterung an.

Die G550 vereinigt alle Vorzüge ihrer kleinen Schwester und ist mit ihrer Achsanordnung und den Vorteilen der horizontalen Spindel und des Schwenkrundtisches in der Lage, von fünf Seiten einen Zylinder von 900 mm Durchmesser mit einer Werkzeuglänge von bis zu 500 mm zu bearbeiten.

Doppelscheibe

Im Bereich der Werkzeugversorgung bietet die G550 vielfäl-tige Einsatzmöglichkeiten. Neben der kleinen Werkzeugschnittstelle HSK A-63/SK40 kann mit ihr auch die große Schnittstelle HSK A-100/SK 50 bedient werden. Um trotz der größeren Schnittstelle mehr als nur 20 Werkzeuge im Magazin zu haben, hat Grob sich eine besondere Lösung einfallen lassen: Der klassische Pick-up- Werkzeugwechsel wurde um die platzsparende und Span-zu-Span-Zeit reduzierende Variante, das Doppelscheibenmagazin erweitert. Beide Scheiben werden von einem Roboterarm mit drei Gelenken bedient. Mit einem Z-parallelen Hub bringt er die Werkzeuge zur Spindel. Für die beiden Scheiben hat die G550 zwei Beladeöffnungen. Mit dem Doppelscheibenmagazin konnten 60 HSK100- oder 120 HSK63-Werkzeugplätze variabel integriert werden.

Bis auf die Größe ähnelt die G550 der G350 wie ein Ei dem anderen. Die Maße erweitern das Spektrum der Werkstücke. »Wir können damit auf einen 900er Störkreis mit einem 500er Werkzeug drauf. Das schafft eine Schwenkkopfmaschine nicht und das schaffen auch vertikale Schwenktischmaschinen nicht«, betont Dreer. Obwohl der Arbeitsraum auch bei dieser Fünf-Achs-Maschine immer noch sehr kompakt wirkt, beträgt der Z-Hub jetzt 1020 mm; bei der G350 sind es 675 mm. Mit der Option Schwenkrundtisch 250 mm Durchmesser mit Gegenhalter können beispielsweise Turbinenschaufeln bis zu einer Länge von 500 Millimetern bearbeitet werden. Die zum Fräsen erforderliche Dynamik bringt die Maschine mit.

Da eine Standardmaschine für alle möglichen Einsätze gewappnet sein sollte, kommt der Hauptspindel, die in allen Variationen als Motorspindel ausgebildet ist, eine sehr große Bedeutung zu. Neben den HSK A-63-Spindeln die schon von der G350 bekannt sind, wird die drehmomentstarke HSK A-100-Spindel mit 575 Nm der stabilen G550 gerecht. Darüber hinaus steht, wie bei der G350, eine besonders universelle Motorspindel mit einem hohen Drehmoment von 223 Nm und einer maximalen Drehzahl von 16000 1/min bei der G550 zur Verfügung.

Mit der Grob Spindel-Diagnose (GSD) wurde ein Zubehör geschaffen, das dem Kunden erlaubt, den Fräsprozess zu visualisieren. Anhand der auf dem Steuerungsbildschirm dargestellten Schwingbeschleunigung, der Schwinggeschwindigkeit und dem Temperaturprofil können nicht nur Zerspanungsprozesse optimiert, sondern auch Standzeiten von Spindeln und Werkzeugen erhöht werden.

Starkes Konzept

»Das Konzept mit der langen Z-Achse und dem Schwenkrundtisch macht uns stark, damit liegen wir genau richtig«, meint Dreer. Mit Plus 60 Grad und minus 180 Grad ist der Schwenkbereich des Tisches gleich geblieben. Wie bei der G350 können auch im Arbeitsraum der G550 Werkstücke über Kopf bearbeitet werden. Kritik, die bei der Vorstellung des ersten Modells laut machte, ist inzwischen verstummt: In der Praxis haben sich die Maschinen als sehr robust und bemerkenswert präzise erwiesen. Mit der G550 hat Grob auch die nächste Entwicklungsstufe der G350 vorgestellt, mit welcher der Hersteller dem zunehmenden Trend nach höherer Automatisierung und Reduzierung der Rüstzeiten gerecht wird.

»Mit der G550 haben wir unseren ersten Schritt zur Erweiterung unseres Portfolios im Standardmaschinegeschäft vollzogen. Auch zukünftig werden wir in diesem wichtigen Segment unser Angebot erweitern und für unsere Kunden ein verlässlicher Partner, in Innovation, Technik und Serviceleistung sein«, kündigt German Wankmiller an. Mit einem Blick in den Sondermaschinenbereich wird schnell klar, dass die Entwickler bereits an Standardmaschinen für die nächsten Palettengrößen arbeiten. Angesichts der größeren Dimensionen dürften hier im Detail Lösungen erforderlich sein, die von den jetzigen Maschinen abweichen.

Gefertigt werden die G-Maschinen in Halle 8 in Mindelheim. Sie ist darauf ausgelegt, dass sie nicht nur als eine reine Produktionshalle eine zentrale Funktion im Produktionsprozess im Werk Mindelheim einnimmt. Durch den Neubau wurde die Chance genutzt, nahezu den kompletten Produktionsprozess zu optimieren. Sowohl Materialfluss als auch der Einsatz der Betriebsmittel wurden neu ausgerichtet, die Durchlaufzeiten bei reduzierten Liegezeiten verkürzt und damit der Bau der G-Module effizienter gestaltet.

Besonders die Arbeitsplatzverhältnisse sind auf dem aktuellen Stand der Technik. Mit der Entnahme der Baugruppen aus dem sogenannten Supermarkt können die notwendigen Betriebsmittel bereitgestellt werden. In der zukünftigen Werksplanung spielt die Halle 8 eine entscheidende Rolle. Sie ermöglicht in der Produktion eine Reihe von Segmentierungen in verschiedenen Hallen.

Insgesamt wurden in der neuen Halle 60 Montageplätze für Standardmaschinen geschaffen, die hier komplett gefertigt werden. Für die Komplettbearbeitung der Maschinenbetten der G350 und G550 hat Grob sogar eigene Sondermaschinen entwickelt, je eine zum Bohren und Fräsen für jedes der beiden Modelle. Der eigenen Lösung haben die Mindelheimer den Vorzug gegenüber anderen Lösungen gegeben, weil damit genauer und deutlich schneller gefertigt werden kann. Da Führungsbett und Y-Ständer bei den Serienmaschinen eine stabile Einheit bilden, ist die Bearbeitung aufwendiger als die der Betten anderer G-Module.

Offen gelassen hat man sich auch die Option, Standardmaschinen bei steigenden Stückzahlen eines Tages nicht mehr am Einzelplatz, sondern in Fließfertigung zu produzieren. Halle 8 böte auch dafür genug Raum.

Auch was den Service anbelangt, profitieren Käufer der Serienmaschinen von Grobs Know-how und Erfahrung im Systemgeschäft. »24-7-360 meinen wir hier ernst«, bekräftigt Gruppenleiter Aftersales Simpert Dillitz. An 360 Tagen im Jahr erreichen Kunden telefonisch einen mehrsprachigen Servicetechniker, der in der Lage ist, Maschinenfehler aufzunehmen und zu analysieren. Das gilt sowohl für die Mechanik als auch für die Elektrik der Maschinen. Diese ›Annahmestelle‹ ist für Sonder- und Standardmaschinen die gleiche. Erst auf der zweiten Ebene, also dem Personal, das der Servicetechniker nach der Aufnahme des Problems hinzuzieht, findet eine Differenzierung statt.

Beim Service für die Standardmaschinen hat es Grob einfacher als im Systembereich – vor allem dann, wenn Expresstechniker zum Kunden ausrücken sollen. Bei den oft sehr speziellen und auf Prozesse ausgerichteten Sondermaschinen, wird idealerweise ein Techniker geschickt, der am Aufbau der betreffenden Maschine beteiligt war und damit über das einschlägige Know-how verfügt.

Anders bei den Standardmaschinen. Hier ist das erforderliche Wissen auf viele Köpfe verteilt und ein Service-Pool mit Technikern eingerichtet worden, von denen immer jemand rund um die Uhr bereitsteht. Der zusätzliche Schulungsaufwand für die Standardmaschinen hielt sich in Grenzen – schließlich ist die G-Reihe ja aus den G-Modulen heraus entstanden.

www.grobgroup.com



INTERVIEW

Herr Grob, welche Bedeutung hatte die Einführung des G-Moduls für die Firma Grob?

Mit der Einführung der G-Module waren wir in der Lage, einen modularen Baukasten zu realisieren. Durch den damit verbundenen hohen Standardisierungsgrad der G-Module konnten unsere kompletten Fertigungsprozesse kostenoptimiert neu gestaltet werden. Eine Innovation, die uns neue Wettbewerbsvorteile verschafft hat!

Haben die Standardmaschinen ein vergleichbares Potenzial?

Aus der konsequenten Weiterentwicklung unserer G-Module sind unsere Standardmaschinen entstanden. All die qualitätsrelevanten Vorteile aus dem Systemgeschäft wurden auf diese Maschinen übertragen und ermöglichen uns ein enormes Potenzial in neuen Anwendungsbereichen. Dies erleben wir fast täglich durch das vielseitige Kundeninteresse!

Wie viele G350 und G550 wurden bereits verkauft?

In den vergangenen zwei Jahren haben wir weit über 100 Maschinen verkauft. Vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise und dem dadurch vollständig eingebrochenen Markt im Standardmaschinen-Bereich in 2009 sind wir mit diesem Ergebnis sehr zufrieden.

Neben Grobs Kerngeschäft nimmt sich der Umsatzanteil der Standardmaschine noch vergleichsweise bescheiden aus. Welchen Anteil könnte dieses zweite Standbein in der Zukunft haben?

Wir beabsichtigen in naher Zukunft einen deutlich zweistelligen Anteil am Gesamtgeschäft zu erreichen! Dies werden wir auch durch die Weiterentwicklung beziehungsweise den Ausbau unserer Standardmaschinen- Baureihe und die Erschließung von neuen Märkten forcieren.

Was werden in den nächsten Jahren die wichtigsten Märkte für Sie sein?

Im ersten Schritt haben wir uns auf den deutschen und europäischen Markt konzentriert um in diesem neuen Marktumfeld uns einen Namen und eine Referenz zu schaffen. Im zweiten Schritt werden wir unsere Aktivitäten auf die Märkte Asien und Amerika ausweiten. Auch hier sind bereits erste Maschinen verkauft worden.

Ausgabe:
m+w 01/2010
Unternehmen:
Bilder:
1 Unternehmens-Video:
  • Metav Interview..

 

 

 

 

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